OPER

Saint-Saëns, Camille
Proserpine, Drame lyrique in vier Akten

(komplette opernpartitur mit französischem Libretto)

Libretto von Louis Gallet
Uraufführung: Opéra-Comique, Paris, 16. März 1887

Nach dem Erfolg von Henry VIII an der Paris Opéra im Jahre 1883 schrieb Saint-Saëns seine nächste Oper für die Opéra-Comique. An diesem Haus war es nicht mehr notwendig, mit gesprochenen Dialogen zu arbeiten und maßvolle Geschichten zu vertonen, die niemanden verstören konnten und für alle glücklich endeten. Bizets Carmen hatte ein für alle Male mit dieser Tradition gebrochen, und nun war auch ein vieraktiges Drama voll sexueller Besessenheit an der Opéra-Comique möglich.

Um 1880 fiel Saint-Saëns ein Gedichtband von Auguste Vacquerie, einem engen Freund von Victor Hugo, in die Hände, das ein Versdrama über eine italienische Kurtisane aus dem 16. Jahrhundert namens Proserpine enthielt. Benannt war sie nach der griechischen Göttin Proserpina, der Königin der Unterwelt, die in der Dunkelheit lebte. Vacquerie gestattete Saint-Saëns, aus dem Schauspiel eine Oper zu entwickeln, und so nahm man den Librettisten Louis Gallet hinzu, um den Text zu verfassen, der im Mai 1886 abgeschlossen wurde. …

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Klavierauszug

ORCHESTER

Jules Massenet
Les Érinnyes für Orchester

(geb. Montand, 12. Mai 1842 — gest. Paris, 13. August 1912)

Neben seinem umfassenden Opernoeuvre steuerte Jules Massenet seit Beginn seiner musikalischen Laufbahn auch Beiträge zu zahlreichen weiteren Bereichen der Musik für die Bühne bei – neben drei Operetten, vier Balletten und drei geistlichen Musikdramen mehr oder minder szenischer Faktur auch vierzehn Schauspielmusiken, deren erste jene zu der Tragédie antique Les Érinnyes ist, einem zweiaktigen Werk auf einen Text von Charles Marie Leconte de Lisle (1818–1894). Leconte de Lisle hatte sich als „objektivistischer“ Dichter profiliert und gehörte der Schule der „Parnassiens“ an; seine Éolides inspirierten César Franck 1877 zu seiner gleichnamigen symphonischen Dichtung, das Gedicht Les Élephants den ersten Satz von Benjamin Godards 1883 veröffentlichter Symphonie orientale op. 84. …

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Siegmund von Hausegger
Natursymphonie für großes Orchester und Schlusschor (1911)

(geb. 16. August 1872, Graz – gest. 10. Oktober 1948, München)

Seit mehr als einem halben Jahrhundert war es um das Schaffen Siegmund von Hausegger vollkommen still geworden. Man hörte nur noch gelegentlich von ihm als dem Dirigenten, der mit den Münchner Philharmonikern die Originalfassungen der Symphonien Anton Bruckners als erster geleitet hatte. Bis 2008 bei cpo eine CD mit seinem Hauptwerk, der ‚Natursymphonie‘ (in einer Aufnahme von 2005 mit dem WDR Sinfonieorchester und Rundfunkchor Köln unter Ari Rasilainen) erschien. Seither sind sämtliche autorisierten Orchesterwerke und auch bereits ein Teil seiner Gesänge mit Orchester auf CD veröffentlicht worden, und zumindest wird heute Hauseggers Bedeutung als Komponist wieder international diskutiert. Das muss sehr verwundern – nicht nur, weil die ‚Natursymphonie‘die höchste Wertschätzung von Kollegen wie Richard Strauss oder Heinz Tiessen genoss. …

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KAMMERMUSIK

Luc Brewaeys
Das Rätsel der Sphinx (1983) – (score and parts, first print)

(Mortsel, 1959 – Vilvoorde, 2015)

Luc Brewaeys gilt unwidersprochen als einer der wichtigsten Komponisten seiner Generation in Flandern. Durch sein umfangreiches Schaffen – von Kammermusik und Werken für Ensembles bis, an erster Stelle, zu einer großen Anzahl Kompositionen für Orchester, darunter acht Sinfonien – tut sich Brewaeys als eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten in der flämischen neuen Musik hervor. Aber mehr noch als der schieren Menge seiner Werke verdankt Brewaeys seine Anerkennung deren Qualität. Er selbst beschreibt seine musikalische Position als typisch flämisch und meint damit, dass er das Beste aus den Einflüssen der größeren Nachbarländer assimilieren konnte, ohne dadurch in eine enge und starre ästhetische Zwangsjacke zu geraten. So finden sich französische Einflüsse (Pierre Boulez, Tristan Murail, Gérard Grisey), die hauptsächlich in Brewaeys‘ harmonischem System durchschimmern, eine deutsche Vorliebe für eine durchdachte formale und strukturelle Organisation und selbst ein melodisches Fluidum, das man mit ein bisschen guten Willen italienisch nennen kann. Dass seine Lehrmeister eine gleichermaßen internationale Gesellschaft bildeten, konnte daher auch kein Zufall sein – André Laporte, Franco Donatoni, Brian Ferneyhough. Obendrein unterhielt er in seinen „Bildungsjahren“ auch engen Kontakt zu Iannis Xenakis. …

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