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CHOR/GESANG & ORCHESTER

In der 1887 erschienen Geschichte des Oratoriums schreibt Franz Böhme folgende Worte: »Joachim Raff mit seiner ›Offenbarung‹ (1882) war wohl der letzte Oratoriencomponist von Bedeutung, der die Händel=Mendelssohnsche Oratorienform noch zur Anwendung brachte und hat in dieser seiner letzten großartigen Tonschöpfung eine seltene Innigkeit und Tiefe mit hervorragender geistreicher Faktur und glänzender Instrumentation zu ergreifender Wirkung verbunden.«1 Er stellt den Komponisten damit nicht nur in die musikgeschichtliche Erbfolge von Georg Friedrich Händel und Felix Mendelssohn, sondern grenzt Raffs Schaffen von anderen bekannten Komponisten, wie beispielsweise Franz Liszt, geradezu ab. Gerade die Abgrenzung von Franz Liszt, dem Raff lange Zeit sehr nahe stand und mit dem er viele Jahre in Weimar zusammengearbeitet hatte, ist bemerkenswert. Schließlich war es Liszt, über den Raff immer wieder in Kontakt mit geistlicher Musik kam, besonders in Form von Messen und Oratorien.

In der zweiten Hälfte der 1850er Jahre komponiert Franz Liszt erste Teile seines Christus und tritt mit diesen 1859 an die Öffentlichkeit. Im Vergleich zu anderen Oratorien ist der Text des Christus, wie in einer Messe, in Latein gehalten. Etwa 10 Jahre später vollendet Johannes Brahms sein Deutsches Requiem op. 45 und auch Raff verwendet bei seinem Anfang der 1880er Jahre komponierten Oratorium nicht die Liturgie-Sprache Latein, sondern eine Luther-Übersetzung. …

OPER

Oper in einem Akt

Uraufführung an der Opéra-Comique, Paris, am 8. Dezember 1909

Marie Joseph Alexandre Déodat, Baron de Sévérac, wurde im Dorf Saint-Félix-Lauragais unweit von Toulouse geboren. Als eines von fünf Kindern von Aglaé und Gilbert de Sévérac erhielt er seine frühe Ausbildung in den Grundlagen der Musik von seinem Vater, der auch ein talentierter Maler war. Nach seinem Abschluss 1890 am Dominikaner-Kolleg in Sorèze, wo er Unterricht in Klavier, Orgel und Oboe erhielt, schrieb er sich auf Wunsch seines Vaters an der Universität Toulouse ein, um einen Abschluss in Rechtswissenschaften zu erlangen. Drei Jahre später gab der Vater seinem Drängen nach, und Déodat immatrikulierte sich am Konservatorium von Toulouse. Seine musikalische Berufung wurde immer deutlicher, und so wechselte er 1896 an die neu gegründete Schola Cantorum in Paris. Hier studierte er Komposition bei d‘Indy und Magnard und erhielt Orgelunterricht von Guilmant. Er blieb bis 1907 an der Schola, wo er enge Freundschaften mit Albeniz, Roussel und Canteloube schloss. Außerhalb des akademischen Umfelds traf er andere Komponisten – Dukas, Schmitt, Fauré und Ravel – und lernte bedeutende Dichter, Maler, Bildhauer und Kritiker seiner Zeit kennen, von denen viele den Salon der Prinzessin von Polignac besuchten. Jedoch empfand Sévérac das Leben in der Hauptstadt für sich nicht förderlich, und nach Abschluss seines Studiums zog er in den Süden zurück, zunächst in das Dorf seiner Geburt, bevor er sich in Céret (Ostpyrenäen) niederließ, wo er sich dem Musikleben der Region widmete. In dieser Stadt starb er 1921 vorzeitig. Es war sicherlich Sévéracs Entscheidung, Paris für das Mittelmeer aufzugeben, die dazu führte, dass er als Provinzmusiker und damit als „Komponist zweiter Klasse“ galt. Obwohl seine Musik heute neu gesehen, aufgenommen und aufgeführt wird, hängt das „regionale“ Etikett immer noch an ihm und seiner Kunst. Das ist äußerst bedauerlich, denn seine Kompositionen sind frisch, betörend und beschwören unwiderstehlich den französischen Süden. …

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ORCHESTER

I Winterwelt, ihre Sehnsucht, ihre Not. p. 3
II Ein Frühlingstraum. p. 33
III Erwachen und kämpfen. p. 47
IV Der Sieger. p. 85 – Frühlingsland. p. 101
V Frühlings- und Werdenächte. p. 123
VI Der Sonne entgegen! p. 145

Der Sachse Paul Scheinpflug war einer jener Komponisten, deren Ruhm zu Beginn des 20. Jahrhunderts meteorhaft aufstieg. Schon vor seinem 30. Lebensjahr galt er als bedeutender Meister, doch wie bei vielen Künstlerkollegen ist auch seine Komponistenkarriere am Ersten Weltkrieg zerbrochen, und in der Folge war es vor allem der ausgezeichnete Dirigent Scheinpflug, der weithin geachtet war und das kompositorische Wirken weitgehend überschattete.

Scheinpflugs Lebenszeit deckt sich fast komplett mit derjenigen Maurice Ravels: vier Monate nach Ravel geboren, ist er achteinhalb Monate vor dem großen Franzosen verstorben, und wie bei diesem sollten wir uns hier nicht vorrangig für die Frage interessieren, wie avançiert, wie fortschrittlich das Material ist, mit welchem Schein-pflug schafft, sondern wie er es versteht, auf Grundlage der Tradition einer subtilen Weiterentwicklung zu dienen. …