Benoit, Peter

Van Arteveldes geest for voice and orchestra (score & vocal score)

18,00 

Peter Benoit – Van Arteveldes Geist (aus dem Oratorium De Schelde)

(Harelbeke, 17. August 1834 – Antwerpen, 8. März 1901)

(1868)

Peter Benoit begann kurz vor seiner Ernennung zum Direktor der Antwerpener Musikschule (ab 1897 Königliches Flämisches Konservatorium) am 3. Juni 1867 mit der Komposition des „romantisch-historischen Oratoriums“ De Schelde (Die Schelde). Das Libretto stammt von Emanuel Hiel (1834-1899), der Benoit schon vorher die Texte für die Kantate Lucifer (1866) und das lyrische Schauspiel Isa (1867) geliefert hatte. Die Uraufführung fand am 22. Februar 1869 im Théâtre Français in Antwerpen (der sogenannten Bourlaschouwburg) unter der Leitung des Komponisten selbst statt. Sie war ein großer Erfolg, und De Schelde sollte Benoits populärstes und am häufigsten aufgeführtes Oratorium werden.

De Schelde ist ein Triptychon mit einer metaphysischen Entwicklung und einem Zeitraffer von der Abend- bis zur Morgendämmerung. Der erste Teil, der mit einem stimmungsvollen symphonischen Vorspiel beginnt, ist poetisch und idyllisch und spielt in einer abendlichen, arkadischen Scheldelandschaft. Der dramatische zweite Teil, der sich in der Nacht entwickelt, schildert die Vergangenheit Flanderns zwischen Unterjochung und hart erkämpfter Freiheit. Aus den Nebeln über der Schelde steigt eine schemenhafte Prozession historischer Figuren aus Flanderns Vergangenheit auf. Mit dramatisch agierenden Chorgruppen und einem entfesselten Orchester zeichnet Benoit hier ein Pandämonium, das bereits die Schlachtfeldszenen seines Oratoriums De Oorlog (Der Krieg) (1873) einläutet. Im letzten Teil, an einem schönen Sommermorgen, werden die Berufsgruppen vorgestellt, die auf oder an der Schelde ihr Brot verdienen: Matrosen, Fischer, Bauern, Schiffszimmerleute, Kaufleute und Handwerker. Die Schelde ist der „Strom der Liebe“, der sich zum Nutzen aller durch das freie Vaterland schlängelt.
Vor diesem Hintergrund ziehen verschiedene idealistische Charaktere wie der Jüngling, das Mädchen, der Künstler und der Dichter vorbei, aber auch historische Figuren wie die flämischen Rebellenführer Nicolaas Zannekin (?-1328) und Jacob van Artevelde (ca.1290-1345) sowie Wilhelm von Oranien (1533-1584). Im Mittelteil halten diese drei Männer über das Grab hinweg jeweils einen Monolog. Vor allem die bewegende Arie von Jacob van Artevelde, die von mehreren Basssängern als eigene Szene gesungen wurde, wirkt sehr angeregt.

In dieser Szene scheint die Vergangenheit wieder lebendig zu werden: Van Artevelde legt sein Leichentuch ab, und die Männer erheben sich aus ihren Gräbern. Sie symbolisieren das unterdrückte Flandern, das wieder zum Leben erwacht:

Ich werf‘ die Totenhülle ab.
Flandern – es erwacht zum Leben!
Männer, steigt aus eurem Grab,
Männer lauteren Geschlechts,
die ihr glaubt ans Völkerrecht
und im Frieden sucht die Kraft,
lieber euch etwas erschafft,
als nach Ritterstolz zu streben!
Ich werf‘ die Totenhülle ab.
Diese anspruchsvolle Arie ist einer der Höhepunkte des Oratoriums. Hier erzeugt Benoit eine intensive Emotionalität und Spannkraft, indem er die ergreifende Melodie des ‚Vlaandren geeft weer levensblijken‘ (‚Flandern – es erwacht zum Leben‘) mit dem zunehmend inbrünstigen Appell ‚Mannen, stijgt u uit uw graf‘ (‚Männer, steigt aus eurem Grab‘), dosiert abwechselt. Die Szene endet und beginnt mit einem recitando gesungenen ‚Ik werp het dodenhulsel af‘ (,Ich werfe die Totenhülle ab‘).

Obwohl nicht so beabsichtigt, bildet diese Arie sozusagen ein Diptychon mit Benoits „dramatischer Skizze“ Joncvrou Cathelijne, die er 1879 komponierte. In dieser Konzertarie für Altstimme erteilt Benoit der Witwe von Artevelde, Cathelijne De Coster, mit einem Text von Julius De Geyter (1830-1905) das Wort.

1891 ließ Benoit die Arie Van Arteveldes Geist mit Klavierbegleitung in der Reihe Nederlandsche zangstukken des Willemsfonds veröffentlichen (siehe Rückseite dieser Publikation). Er widmete diese Ausgabe dem Bassbariton Emile Blauwaert (1845-1891), der 1869 an der Uraufführung von De Schelde mitgewirkt hatte und auch einige Male Van Arteveldes Geist singen sollte. Die Originalfassung mit Orchester wurde vom Peter Benoit Fonds in Antwerpen herausgegeben.

Van Arteveldes Geist wurde vom Bassbariton Eduard De Decker (1904-1970), am Klavier begleitet von Sebastian Peschko (Polydor 57201 B), aufgenommen und von dem „Basso cantante“ Lucien Van Obbergh (1887-1959) in der Anthologie Lucien Van Obbergh. Airs d‘opéra et oratorio (Musique en Wallonie MEW 0105) wiederveröffentlicht. Auf einer Live-Aufnahme aus dem Jahr 2013 mit dem Orchester Royal Flemish Philharmonic unter der Leitung von Martyn Brabbins wird die Arie von Bariton Werner Van Mechelen gesungen, der neben den Rollen des Dichters und des Künstlers auch noch in letzter Minute den angekündigten Bassbariton ersetzen musste (Belgian Boutique, 2014).

Jan Dewilde

Diese Ausgabe ist ein Faksimile eines Exemplars aus der Bibliothek des Königlichen Konservatoriums Antwerpen und wurde in Zusammenarbeit mit dem Studiecentrum voor Vlaamse Muziek (www.svm.be) veröffentlicht.

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Partitur Nr.

2599

Sonderedition

The Flemish Music Collection

Genre

Chor/Stimme & Orchestra

Format

225 x 320 mm

Druck

Reprint

Seiten

28

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