Zeisl, Eric

Little Symphony (after Pictures of Roswitha Bitterlich)

Art.-Nr.: 4016 Kategorie:

31,00 

Eric Zeisl
(geb. 18. Mai 1905, Wien – gest. 18. Februar 1959, Los Angeles)

Little Symphony
after Pictures of Roswitha Bitterlich
(Kleine Symphonie nach Bildern von Roswitha Bitterlich, 1935-36)

I Der Wahnsinnige (p. 1)
II Arme Seelen. Lento (p. 39)
III Der Leichenschmaus (p. 56) – Sie stoßen an! (p. 71)
IV Vertreibung der Heiligen. Thema: Lento (p. 74) – Variation I: Kirchenfenster. Langsam (p. 79) –
Variation II: Ein klagender Heiliger (p. 84) – Variation III: Die Gestalt des Erlösers (p. 86) –
Variation IV: Ein Mann aus der Menge. Energisch bewegt (p. 88) – Variation V: Eine Heilige. Lento (p. 92) –
Variation VI: Die stürmende Menge. Rasch (p. 94) –
Variation VII: Vertreibung der Heiligen durch den Mob. Nicht zu rasch (p. 99) – Rascher! (p. 110) – Breit (p. 117)
Eric Zeisl studierte in Wien Komposition bei den konservativen Meistern Richard Stöhr (1874-1967) und Joseph Marx (1882-1964) und bei dem fortschrittlicher gesinnten Komponisten Hugo Kauder (1888-1972). In der Zwischenkriegszeit etablierte er sich in seiner Heimatstadt vor allem als Liedkomponist (mit einer Produktion von ca. 100 Liedern bis 1938). 1927-28 komponierte er die Oper ‚Die Sünde’, 1929 das vom Jazz beeinflusste Ballett ‚Pierrot in der Flasche’, 1930-31 das unterhaltende Chorwerk ‚Afrika singt’, 1932 die ‚Kleine Messe’ und 1933-34 die Passacaglia für großes Orchester und das ‚Requiem concertante’. In den 1930er Jahren war er Mitglied der interdisziplinären Vereinigung ‚Junge Kunst’ um den Dichter und Psychoanalytiker Alfred Farau (bürgerlicher Name: Alfred Hernfeld, 1904-72) und den Komponisten Julius Chajes (1910-85). Nach der Reichspogromnacht emigrierte er im November 1938 nach Paris, wo er Darius Milhaud kennenlernte und eine Bühnenmusik zu Hans Kafkas Theateradaption von Joseph Roths ‚Hiob’ komponierte. Dieses Werk bedeutete für ihn zugleich die entscheidende stilistische Wende vom ‚Wiener Idiom’ zum ‚jüdischen Idiom’, das er nach seiner Immigration 1939 in die USA intensiv pflegte. 1941 übersiedelte er von New York nach Los Angeles, wo er zunächst Filmmusik komponierte und ab 1946 zunächst an der California School of Music and Arts, dann ab 1949 am Los Angeles City College lehrte. Als seine Hauptwerke im ‚jüdischen Idiom’ gelten ‚The 92nd Psalm – Requiem ebraico’ (1944-45) und die biblischen Ballette ‚The Vineyard’ (1953) und ‚Jacob and Rachel’ (1954). Seine einzigen Orchesterwerke im amerikanischen Exil waren das Piano Concerto in C major (1951-52) und ein Concerto grosso für Cello und Orchester (1955-56). In seinen letzten Jahren versuchte er vergeblich, seine 1939 begonnene Oper ‚Hiob’ zu vollenden. Er starb an den Folgen eines Herzinfarkts.
Im November 1935 besuchte Eric Zeisl im Glaspalast des Wiener Burggartens eine vom österreichischen Bundeskanzler Kurt Schuschnigg persönlich eröffnete Ausstellung mit Gemälden der 14jährigen Bregenzer Künstlerin Roswitha Bitterlich (1920-2015), die als ‚Wunderkind’ herumgereicht wurde. Zeisl war so ergriffen von der visionären Ausdruckskraft der Bilder, dass er vier davon inspirierte Orchesterstücke niederschrieb, die er zu seiner ‚Little Symphony’ zusammenfasste: „Die Gemälde, aber eigentlich mehr noch die diesen zugrunde liegenden Ideen, regten mich derart an, dass ich sofort, nachdem ich von der Ausstellung nach Hause kam, damit begann, diese Ideen in Musik umzusetzen, und die Arbeit daran innerhalb von vier Tagen beendete.“
Die Uraufführung der ‚Little Symphony’ fand am 30. Mai 1937 als Radio-Liveübertragung des Rundfunks in Brünn (Brno) unter der Leitung von Zeisl Freund Kurt Herbert Adler (1905-88) statt. Das Werk hatte sofort Erfolg und wurde weltweit gespielt. Drei Monate nach Zeisl Ankunft in New York dirigierte Ernö Rapée (1891-1945) das Music Hall Symphony Orchestra in New York in der amerikanischen Erstaufführung der ‚Little Symphony’ am 3. Dezember 1939, die live von NBC übertragen wurde. Als sein einziges Orchesterwerk zu Lebzeiten erschien die ‚Little Symphony’ 1953 bei der Universal Edition in Wien im Druck. 2013 veröffentlichte Yarlung Records die Ersteinspielung des Werkes durch die UCLA Philharmonia (Los Angeles) unter der Leitung Neal Stulberg, die auch Abbildungen von drei der vertonten Gemälde Roswitha Bitterlichs enthält.
Eric Zeisls einzige Symphonie spricht eine direkte, bewusst vereinfachte, drastisch bildhafte und holzschnittartig konturierte Sprache mit starker Betonung des rhythmischen Elements und minimalisiertem Gebrauch von Kontrapunkt. Sie ist Zeugnis einer herausfordernd realistischen ästhetischen Haltung im Wien der 1930er Jahre und verdient es, öfters in Konzerten zu hören zu sein.
Christoph Schlüren, April 2018
Aufführungsmaterial ist erhältlich vom Verlag Universal Edition, Wien (www.universaledition.com). Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags Universal Edition, 2018.

Partitur Nr.

4016

Edition

Repertoire Explorer

Genre

Orchester

Format

210 x 297 mm

Druck

Erstdruck

Seiten

124

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