Zandonai, Riccardo

Fra gli alberghi delle Dolomiti; echi sinfonici for orchestra

Art.-Nr.: 1933 Kategorie:

25,00 

Zandonai, Riccardo

Fra gli alberghi delle Dolomiti; echi sinfonici for orchestra

Uraufführung: 5. Januar 1930 in Augusteo, Rom, dirigiert vom Komponisten

Vorwort
Der in Sacco, einem Stadtviertel von Roverto – damals Teil des Königreichs Österreich-Ungarn, heute im italienischen Gebiet Trentino gelegen – geborene Zandonai studierte in seiner Heimatstadt und danach bei Mascagni am Liceo Musicale in Pesaro (1898-1901). In dieser Zeit komponierte er Inno degli studenti trentini, die Hymne der organisierten irredentistischen Jugend seiner Heimatprovinz. Zandonais Abschlussarbeit war eine Oper namens Il ritorno di Odisseo (Die Wiederkehr Odysseus), die auf einem Gedicht von Giovanni Pascoli basiert. Im Rahmen einer Abendveranstaltung 1907 in Mailand wurde Zandonais Musik von Arrigo Boito gehört, der ihn Giulio Ricordi vorstellte, einem der damals führenden Musikverleger Italiens. Nach dem Erfolg seiner Oper Il Grillo del Focolare (Die Grille auf dem Herd) betrachtete Ricordi ihn als den natürlichen Nachfolger von Puccini. Zandonai heiratete die Sängerin Tarquinia Tarquini und ließ sich dauerhaft in Pesaro nieder. Zwischen den Kriegen war er sehr aktiv als Dirigent, er wurde 1935 durch die Mitgliedschaft in der Reale Accademia d‘Italia geehrt und leitete das Conservatorio Rossini (früher das Liceo Musicale) in Pesare von 1940 bis 1943. Zandonais bekanntesten Werke sind Francesca da Rimini (1914 – Libretto von d’Annunzio), Giulietta e Romeo (1922) und I Cavalieri di Ekebù (1925), die letzten beiden auf Texte von Rossato, mit dem er regelmässig zusammenarbeitete. Wo andere in den 1880ern geborene Komponisten wie etwa Pizzetti oder Malipiero sich bemühten, das auszubessern, was sie als Mängel in der von Mascagnis und Puccinis begründeten Tradition des melodramma italiano ansahen, gab sich Zandonai damit zufrieden, ihr seinen eigenen Stempel zu geben, statt sie abzulehnen. Francesca da Rimini ist ein opulentes und dekoratives Werk mit Verweisen auf Richard Strauss und den Impressionismus, das Momente großartiger Schönheit besitzt, vor allem im ersten und dritten Akt. Was ihm jedoch fehlt, ist die Melodienseeligkeit von Lucceses maestro. Während Zandonais Opern gelegentlich in Italien oder auch außerhalb gespielt werden, leiden seine Orchesterwerke unter ungerechtfertigter Vernachlässigung. Einige wurden von seiner Heimatregion inspiriert, so auch Fra gli alberghi delle Dolomiti (In den Hotels in den Dolomiten), Zandonais „symphonische Echos“, wie es der Untertitel besagt. In einem Schreiben vom 14. Oktober 1929 an seinen Freund, den Kritiker und Gelehrten Nicola d‘Atri, suchte er Hilfe für den Werktitel: „Echos der Nacht, symphonische Fantasie für Orchester (nahe dem Dolomitenhotel zwischen 23 Uhr und Mitternacht an einem Augustabend). Das ‚nahe‘ funktioniert nicht; Ich könnte ‚im Schatten des Dolomitenhotels‘ verwenden […]. Der Autor hat versucht, musikalische Impressionen aus einem Grandhotel zu sammeln und sie mit der Nacht zu verbinden.“ Mal sein Werk Schizzo sinfonico genannt, dann wieder Impressione Sinfonica, Impressione del Vero (womit es beinahe die gleichen Namen hätte wie Stücke von Malipiero) oder zutreffender L’Orologio dell’Hôtel Dolomiten, da das Werk sich sehr deutlich auf die Uhr des Hotels bezieht. Die Uraufführung in Rom wurde nicht sonderlich positiv aufgenommen. D‘Atri bemerkte, dass es „lauwarmen Applaus gab, aber keinen wirklichen Applaus wie für Zandonais Ballata Eroica [das im selben Konzert gespielt wurde]. Das Werk benötigt eine Revision, eine andere Abfolge der Episoden und ein neues Ende. Ich habe dies Riccardo gesagt und vorgeschlagen, wie es gemacht werden könnte…. aber er zeigte keine Reaktion“. Im Frühjahr 1930 arbeitet Zandonai tatsächlich hart an einer Revision von Fra gli Alberghi delle Dolomiti in Vorbereitung auf eine angefragte Aufführung im Teatro San Carlo in Neapel. 1932 druckte Ricordi die revidierte Version; der Komponist war erfreut von der Veröffentlichung der Partitur, „die jeden mit ihrer Klarheit und Eleganz schlägt“. Sie ist für großes Orchester einschließlich Saxophonen, zwei Harfen und Klavier konzipiert und legt die rhythmische Gesetzmäßigkeit und gar die Gnadenlosigkeit einer kunstvoll gefertigten Uhr an den Tag. Nach langsamen parallelen Quinten in den tiefen Streichern etabliert sich ein lebhafter schneller Puls in Harfe, Klavier, Celesta und Schlagwerk, über dem die Saxophone das eröffnende Streichermotiv in das erste Hauptthema überleiten (Ziffer 1); vielleicht der Klang der Tanzkapelle des Hotels? Die Musik steigert sich zu einem Höhepunkt bei Ziffer 5. Ein ruhigeres Zwischenspiel mit parallelen Akkorden in Grundposition, das von einem rhythmischen Trommelwirbel begleitet wird (Seiten 18-19), leitet zurück in das Hauptzeitmaß und eine zweite marschähnliche Idee (Ziffer 7) mit prominent begleitenden Ostinati. Ab Ziffer 12 wechseln sich Fragmente beider Themen über Orgelpunkten und viertaktigen Patterns ab; manchmal bewegt sich der zugrundeliegende Zeitwert in Vierteln, an anderen Stellen in Achteln (ab Ziffer 14). Die Vergnügungen für die Hotelgäste und der unaufhörliche Marsch der Zeit kommen plötzlich zu einem Stillstand, und die eröffnenden Streicherfiguren kehren zurück, nun Fortissimo und mit raueren Harmonien. Es schlägt Mitternacht (Ziffer 25). Nach einem Moment relativer Ruhe beginnen die Festivitäten von Neuem mit aufgefrischter Vitalität: die letzten 14 Seiten des Partitur sind durchgehend für volles und sehr laut spielendes Orchester geschrieben. Fra gli alberghi delle Dolomiti kann kein subtiles Stück genannt werden, ist allerdings zweifelsohne bewegend und aufregend.

Übersetzung: Oliver Fränzke

Aufführungsmaterial ist von Ricordi, Mailand, zu beziehen. Nachdruck eines Exemplars der Musikabteilung der Leipziger Städtischen Bibliotheken, Leipzig.

 

Partitur Nr.

1933

Edition

Repertoire Explorer

Genre

Orchester

Format

210 x 297 mm

Druck

Reprint

Seiten

88

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