Moniuszko, Stanislaw

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Moniuszko, Stanislaw

Flis Overture

Art.-Nr.: 1242 Kategorie:

23,00 

Stanisław Moniuszko

(geb. Ubiel bei Minsk, Weißrussland, 5. Mai 1819 – gest. Warschau, Polen, 4. Juni 1872)

Ouvertüre zur Oper Flis

Besetzung: 1 Fl./Picc. – 2 Ob. – 2 Kl. – 2 Fg. – 4 Hr. – 2 Trp. – 3 Pos. – Tb.- Streicher –

Pauke -Schlagwerk

Aufführungsdauer: ca. 11 Minuten

Ihr, riesiges Grabmal vergangener Jahrhunderte! Ihr, dauerhafteste Denkmäler für kommende Jahrhunderte, in unerreichbare Höhen emporgehoben, eure Gipfel in die Wolken ragend, ihr! Ihr bewahrt den unvergänglichen Namen der Polen. Durch keine menschliche Gewalt erreichbar, bewahrt ihr dieses Zeichen und übergebt es den nachfolgenden Jahrhunderten als Beweis dafür, dass der erste, der auf diesen euren herausragenden Gipfeln stand, ein Pole war […]“

(Stanisław Staszic aus: O Ziemiorództwie Karpatów i innych gór i równin Polski. Warschau 1815, übersetzt und zitiert in: Rüdiger Ritter: Musik für die Nation: Der Komponist Stanisław Moniuszko (1819-1872) in der polnischen Nationalbewegung des 19. Jahrhunderts. Frankfurt/M. 2005. )

Der polnische Schriftsteller und Priester Stanisław Staszic (1755-–1826) fand als einflussreicher Vertreter der polnischen Aufklärung 1815 große Worte für die „Bewahrer des Polentums“. Während Staszic sich verbal politisch äußerte, schrieb der polnische Nationalkomponist Stanisław Moniuszko mehrere Opern zu diesem Themenkomplex. Über das traditionsreiche Flößen, eine der wichtigsten Formen des Warentransports im präindustrialisierten Polen, komponierte Moniuszko die Oper Flis. Wie fast alle seiner Opern thematisiert sie neben einer verworrenen Liebesgeschichte (in Flis mit gutem Ausgang) auch das Verhältnis zwischen Städtern und Dorfbewohnern, einem Verhältnis, welches seit jeher in Polen wie auch in anderen von Agrarwirtschaft geprägten Ländern sehr spannungsgeladen war.

Jedoch muss man sich vor Augen halten, dass in der Zeit, in der er seine Opern, die die polnische Nation thematisieren, komponierte und die Handlungen der meisten seiner Werke auch spielen, ein souveräner polnischer Staat nicht existierte. Dieser wurde bereits vor Moniuszkos Geburt zum dritten Mal aufgeteilt, diesmal zwischen Preußen, Österreich und Russland, wodurch sich das polnische Volk mit einer ernst zu nehmenden Existenzkrise konfrontiert sah. Die daraus resultierende Ausbildung von nationalen Identitäten war ein Prozess, der seit Beginn des 19. Jahrhunderts Europa prägte und zu großen Umstrukturierungen des Kontinents führte. In Polen stellte sich der Identitätsfindungsprozess jedoch wesentlich komplizierter dar. Polen war im Laufe der Zeit mehrfach unter Fremdherrschaft verschiedenster geographischer und kultureller Herkunft gestellt worden. Bereits vor der Teilung Ende des 18. Jahrhunderts existierte es lediglich in einer multiethnischen Personalunion mit Litauen, wodurch eine starke Ausprägung nationaler Ideen behindert wurde. Mit der Auflösung des polnisch-litauischen Staates 1795 – etwa zeitgleich mit dem Aufkeimen von massenmotivierenden nationalistischen Ideen – verstärkte sich das Verständnis von einem genuin polnischen Volk. Infolge entwickelten sich auf musikalischem Gebiet nationale Schulen. Dieser Prozess, wie er sich auch in Polen ereignete, ähnelte der damaligen Situation im Königreich Böhmen als Teil der Habsburgermonarchie in Österreich-Ungarn (bis 1918). Der dortige Identitätsfindungsprozess als Volk einer Nation wurde unter anderem unterstützt durch Komponisten wie Bedřich Smetana (1824-1884) und Antonín Dvořák (1841-1904), die in ihren Werken Rhythmen und Lieder der tschechischen Volksmusik benutzten und somit große Popularität als Nationalkomponisten erlangten. In Polen war es Moniuszko, in dessen bisweilen folkloristischen Kompositionen diese Bewegung ihren Katalysator fand.

Moniuszko wurde am 5. Mai 1819 in Ubiel bei Minsk geboren und entstammte einer Kleinadelsfamilie. Zur Zeit seiner Geburt war Minsk Teil des russischen Kaiserreichs. Erwähnenswert ist, dass Moniuszko nicht nur im heutigen Polen sondern auch teilweise in Weißrussland und Litauen als Nationalkomponist betrachtet wird, was höchstwahrscheinlich eine Folge dessen ist, dass ein großer Teil des heutigen Litauen, Weißrussland, Polen und der Ukraine vor 1795 von einem vereinigten polnisch-litauischen Reich regiert wurde.

Seine frühen Kompositionen, wie seine erste Operette Nocleg w Apeninach und seine einzigen beiden Streichquartette, entstanden während seines Unterrichts an der Berliner Singakademie in den Jahren 1837 bis 1840. Seine erste Anstellung fand er 1840 als Organist in Vilnius, er bemühte sich jedoch bereits 1842 in Petersburg um eine Anstellung am Zarenhof, um sein wirtschaftliches Auskommen zu verbessern. Auch Vilnius und Petersburg waren zu seiner Zeit lediglich zwei Städte des gleichen russischen Kaiserreichs.

Erst durch die Veröffentlichung des ersten seiner insgesamt zwölf Liederbücher Spiewniki domowe („Hauslieder“) 1843 erhöhte sich Moniuszkos Ansehen dergestalt, dass er in den Künstlerkreis Warschaus eingeführt wurde und Bekanntschaft mit dem jungen Dichter Wlodzimierz Wolski schloss, der letztlich das Libretto seiner ersten Oper Halka schrieb. Gleichwohl diese Oper Mitte 1847 fertiggestellt wurde und in Vilnius ohne zunächst großes Aufsehen zu erregen aufgeführt wurde, sollte es noch bis 1858 – immerhin elf Jahre, in denen die Oper weitere Umstrukturierungen erfahren hatte – zur Premiere in Warschau dauern, die Moniuszkos Leben von Grund auf veränderten. Erst als er nach Warschau kam – eine Stadt, die in seiner Zeit von Preußen verwaltet wurde – zog er erstmals aus dem russischen Kaiserreich aus. Dort begann sich seine Rolle als künftiger Nationalkomponist des polnisch-litauischen Staates und Polens im Besonderen zu entwickeln, da er direkt mit der polnischen Nationalbewegung – vor allem in Form von Poesie und Komposition – in Berührung kam und sich ihm die Möglichkeit bot, weitere seiner Werke in einer in Polen bedeutenden Stadt aufzuführen….

Mircea-Stefan Gogoncea / Martin Zimny, März 2012

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Partitur Nr.

1242

Edition

Repertoire Explorer

Seiten

74

Genre

Ouverture

Format

210 x 297 mm

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