Gershwin, George

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Gershwin, George

Cuban Overture for orchestra

Art.-Nr.: 1544 Kategorie:

21,00 

Gershwin, GeorgeCuban Overture for orchestra

(geb. Brooklyn, New York, 26. September 1898 – gest. Hollywood, Kalifornien, 11. Juli 1937)

Vorwort

Zeitlebens war Gershwin als Komponist und Pianist so bekannt und respektiert, dass ganze Konzerte seiner Musik gewidmet waren, oft aufgeführt an grossen Austragungsorten. Man erachtete ihn, den Sohn jüdisch – russischer Einwanderer, als den Schöpfer des wahren „American sound“, der seine eigene „folk music“ komponierte, Jazz – Melodien und bluesinspirierte Klänge, am nachhaltigsten in Porgy and Bess. Von sich selbst dachte Gershwin in gleicher Weise und bemerkt „Ich schrieb meine eigenen Spirituals“ für Porgy, denn er wollte, dass die Musik „aus einem Guß“ sei (Machlis, 1979, 378).
Berühmt für seine unvergesslichen Melodien und überwiegend von melodischer Inspiration getragenen Songs, Broadway – Musicals, populären Bühnenwerke wie Rhapsody in Blue und I’ve Got Rhythm wie auch Konzertmusik, spielt bei einem grossen Teil seiner Arbeiten das Piano eine wichtige Rolle, sein Instrument, das er bereits als Kind lernte. Die Bekanntschaft mit dem Klavier veranlasste ihn, sich mit Jazz, Blues und populären amerikanischen Lieder ebenso zu befassen wie mit den Perlen des klassischen Repertoires. So fühlte er sich in der charakteristischen Klangwelt seiner Heimat zuhause, mit Fähigkeiten, die es ihm ermöglichten,
seinen Lebensunterhalt als Pianist an den unterschiedlichsten Schauplätzen zu verdienen. Dieser reiche musikalische Hintergrund und der Umfang seines harmonischen und rhythmischen Wissens erlaubten ihm, eine Vielzahl an Stilen in seine Werke zu integrieren.
Die Cuban Overture, ursprünglich Rumba betitelt, wurde 1932 vollendet. Sie bedient sich des rhythmischen Vokabulars der kubanischen Musik, der Gershwin zum ersten Mal bei einem beschwingten Ferienaufenthalt mit Freunden in Havanna begegnete. Bei der Overture handelte es sich nicht nur um ein einfaches Potpourri oder populäres Arrangement der Rumba. Der rhythmische Manierismus wurden übernommen, der Tanzcharakter jedoch wurde reduziert, was die Änderung des Titels nach der Premiere als angemessen erscheinen lässt. Das Werk vereint den melodischen Genius von Gershwins Orchesterkonzerten mit den besonderen Qualitäten seiner harmonisch, klanglich, rhythmisch und strukturell komplexen Stücke. Obwohl untypisch wegen der Tatsache, dass hier kein Klavier zu finden ist, erklingt im Orchester der ihm eigene lebensprühende, dynamische Stil mit von Trompeten getragenen Melodien und melodischen Imitationen.
Bezeichnenderweise ist Klangfülle das vitale Prinzip in Gershwins Auslegung der Rumba. Er integrierte lateinamerikanische Perkussion in das Symphonieorchester, insbesondere Clave, Giro, Rasseln und Bongos, unterstützt durch Holzblock, Xylophone, Becken, Snaredrum und Basstrommel. Um diesen Aspekt seiner Musik zu betonen, platzierte er anlässlich der Premiere das Schlagwerk vor das Ensemble. Die Uraufführung der Cuban Overture fand am 16. August 1932 im Lewisohn Stadion statt. Das Programm des ausverkauften Stadionkonzerts, das mehrmals wiederholt wurde, war ausschliesslich Stücken von Gershwin gewidmet. Mit tausenden Zuhörern hatten es die klanglichen Subtilitäten der wenigen exotischen Perkussionsinstrumente vermutlich schwer, überhaupt gehört zu werden, wie ein Kommentator bemerkt. Dieser Umstand mag dafür verantwortlich gewesen sein, wie die Ouvertüre im Vergleich mit seinen anderen, bekannteren Werken aufgenommen wurde. Dennoch wurde das Stück ein weiteres Mal aufgeführt, diesmal in der Metropolitan Opera unter Leitung des Komponisten als Programmpunkt einer Wohltätigkeitsveranstaltung. Seither hat das Werk Eingang in das Orchesterepertoire gefunden.
Gershwin kommentierte die Ziele und Eingebungen, die ihn zu seinem Werk anregten. Offenbar empfand er es als notwendig, den kubanischen Inhalt seines Stückes zu rechtfertigen, ist doch normalerweise eine formale Programmnotiz bei derart grossen, populären Veranstaltungen nicht üblich: „Ich habe mich darum bemüht, kubanische Rhythmen mit meinem eigenen thematischen Material zu verbinden. … hier wird die Essenz des kubanischen Tanzes verkörpert.“ (zitiert in Greenberg, 1998, 151).
Die Struktur des Werks ist gut ausbalanciert, die Sektionen zu Anfang und am Schluss lassen den lebhaften kubanischen Rhythmus (der kraftvoll bei Ziffer 2 eingeführt wird) aufleben, mit einer imitativ behandelten Trompetenmelodie und einer Melodie der Holzbläser, die sich basierend auf sequenzierenden Pattern aus Vierteltriolen abwärts bewegt. Die pulsierende Melodie der Trompete hat eine gewisse Ähnlichkeit mit vielen anderen Werken Gershwins, darunter An American in Paris und die lässige Einleitung zum Andante con moto – Adagio aus seinem Piano Concerto. Der melodische Umriss der einzelnen Abschnitte ist perfekt den Instrumenten angepasst. Die Trompete singt im bequemen oberen Register, einmal legato, dann wieder synkopiert, mit Oktavsprüngen und chromatischen und tonleiterorientierten Passagen. Die tonale Natur des Werks erzeugt eine sich stetig ändernde Richtung und verweilt nicht lange bei einer Tonart. Die Textur ist durchweg bewegt, und der rhythmische „Drive“ treibt die Musik voran. Viele Passagen beinhalten Frage – und Antwortmotive, oder es werden kanonische Imitationen eingeführt, wie zum Beispiel bei Ziffer 13, wo Flöte und Trompete die gleiche Melodie versetzt um einen Takt wiederholen. Die rhythmische Energie bei Ziffer 15 mit ihren homophonen Passagen erinnert gar an Strawinsky.
Selbst in der kontrastierenden mittleren Sektion, die zu einer sanften Klarinettenmelodie abgeschwächt wird, die zu Ziffer 19 führt, bleibt es rhythmisch vital, während die sich bewegenden tonalen Felder und rhythmischen Ostinati fortgesetzt werden. Die Rohrblattinstrumente steuern eine neue musikalische Richtung an, ein jedes bringt eine absteigende, dann wieder aufsteigende Melodie zu Gehör. Die Unterschiede zwischen den Sektionen sind durch die rhythmischen Elemente bestimmt, wie zu hören im breiten Marsch nach Ziffer 25, gefolgt von einem swingenden, synkopierten Kontrast bei Ziffer 26. Die rhythmische Energie versiegt nie.
Von allen Partituren Gershwins finden sich hier einige seiner komplexesten Gestaltungen: rhythmische und melodische Verkleinerungen und Vergrösserungen, obwohl die alles bestimmende Kraft aus dem rhythmischen Ostinato kommt. Eine Episode mit kanonischer Imitation ereignet sich, in der schliesslich das originale und modifizierte Ostinato miteinander kontrastiert wird. Die Verfeinerung in Textur und Struktur belegen die Entwicklung von Gershwins orchestraler Meisterschaft, die angesichts seines frühen Todes ein Kennzeichen seines reifen Stils werden sollte. Dieses Werk eignet sich ausgezeichnet als Konzerteröffnung, gleichermassen geliebt von Musikern und Publikum.

Helen Julia Minors, ©2014

Literatur:

– Anderson, Keith (2000), CD Booklet, in Gershwin, George, The Best of Gershwin [CD] Naxos 8.556686.

– Crawford, Richard et al (2014), ‘Gershwin, George [Gershvin, Jacob]’, Grove Music Online, http://

www.oxfordmusiconline.com/subscriber/article/grove/music/47026 (Juli 2014)

– Gilbert, Steven E. (1995), The Music of Gershwin, Yale University Press.

– Greenberg, Rodney (1998), George Gershwin, Phaidon.

– Machlis, Joseph (1979), Introduction to Contemporary Music, 2 edn., W. W. Norton and Company. Aufführungsmaterial ist von Schott, Mainz, zu beziehen.

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