Butterworth, George

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Butterworth, George

Volume 1 (Works for orchestra): Two English Idylls, Rhapsody ‘A Shropshire Lad’, The Banks of Green Willow, 11 Songs from ‘A Shropshire Lad’ (arr. for voice & orchestra by Phillip Brookes)

45,00 

George Sainton Kaye Butterworth

Volume 1
Orchesterwerke

Two English Idylls
(1910-1911)
Rhapsody: A Shropshire Lad
(1911)
The Banks of Green Willow
(1913)
Elf Lieder nach A Shropshire Lad
(1910–1911)
(Bearbeitung für Stimme und kleines Orchester von Phillip Brookes)

Das Leben von George Butterworth
George Butterworth war einer der bedeutendsten britischen Komponisten in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg, der ihn auf tragische Weise das Leben kosten sollte. Er komponierte exquisite Orchesterwerke, außerdem bewegende und eindringliche Lieder, insbesondere nach Worten von A. E. Housman. Er war außerdem ein bedeutender Ex-ponent der Wieder-Entdeckung des britischen Folk-Songs und sogar einer der begabtesten Volkstänzer seiner Zeit, verantwortlich für die Bewahrung etlicher historischer Tänze. Der Sohn eines Anwalts wurde zwar in London geboren, wuchs jedoch in York auf, wo sein Vater damals als Manager der North-East Railway arbeitete. Später besuchte er Eton und das Trinity College, Oxford, um klassische Literatur zu studieren. Schon in Eton zeigte Butterworth vielversprechende musikalische Begabung und schrieb etliche Werke, die vom dortigen Schulorchester aufgeführt wurden, insbesondere eine Barcarolle für Orchester, die allerdings verschollen ist. In Oxford befreundete er sich mit dem Komponisten Ralph Vaughan Williams, mit dem Dirigenten und späteren Gründer des BBC Symphony Orchestra Adrian Boult und mit Hugh Allen, dem späteren Direktor des Royal College of Music. 1906, mit 21 Jahren, trat Butterworth der neu gegründeten Folk Song Society bei und widmete sich begeistert der Sammlung alter Volkslieder in ganz Britannien. Er zeichnet für die Bewahrung von immerhin 300 Liedern verantwortlich – weniger als Vaughan Williams, Grainger oder Holst, doch gleichwohl ähnlich bedeutend. Für kurze Zeit arbeitete er als Musik-Kritiker für die Times und als Musiklehrer am Radley College, Oxfordshire – wo man sich an ihn allerdings am ehesten für seine Fähigkeiten im Cricket-Spiel erinnerte. Zu dieser Zeit begann er mit seinen Vertonungen nach Housmans Shropshire Lad. Im Jahr 1910 schrieb er sich am Royal College of Music ein, verließ es jedoch wieder noch vor Abschluß des ersten Studienjahres. Stattdessen konzentrierte er sich ganz auf den Volkstanz und wurde ein professioneller ›Morris Dancer‹ – vielleicht sogar der einzige, den es überhaupt jemals gab. Die Archive der ›English Folk Dance and Song Society‹ enthalten Filmmaterial von Butterworth, wie er mit Cecil Sharp und Maud Karpeles Volk-stänze aufführt. Er kam viel herum, um Tanz-Techniken vorzustellen, und veröffentlichte auch Bücher zu diesem Thema. Dessen ungeachtet blieb die Musik der Hintergrund all dieser Interessen. Sein Schaffen war zwar nicht umfangreich (er war ein gründlicher Arbeiter, der seine Sachen immer wieder revidierte), doch andererseits hinterließ er weit mehr Werke als heute noch bekannt. Als im August 1914 der Krieg ausbrach, schloß sich Butterworth Kitcheners ›New Army‹ an und begann, sein Lebenswerk zu ordnen. Dabei zerstörte er wahrscheinlich etliche Frühwerke wie die Barcarolle. Später wurde er Unteroffizier in der Kompanie B, 13. Bataillon, Durham Light Infantry, bestehend überwiegend aus Mienenarbeitern, deren Gesellschaft er mochte. Später wurde er zum Lieutenant befördert, allerdings erst, nachdem er in den Kriegsberichten lobend erwähnt, für einen Orden vorgeschlagen worden war und schließlich für sein Handeln bei Pozières am 19. Juli 1916 auch einen bekommen hatte. In der Nacht zum 5. August 1916 befehligte er einen Angriff auf jene deutsche Linie, die die Briten als ›Munster Alley‹ (Monster-Allee) kennen, und bekam dafür zum zweiten Mal das Verdienstkreuz. Doch noch vor der Abenddämmerung des gleichen Tages tötete ihn eine Kugel in den Kopf. Er war kaum 31 Jahre alt. Der hastig bestattete Körper wurde nach dem Krieg nie gefunden. Heute zählt sein Name zu denen der 74.000 an der Somme Gefallenen auf dem Ehrenmal von Thiepval.

Two English Idylls (Zwei englische Idyllen)
Dies beiden Miniaturen sind die frühest erhaltenen Orchesterwerke von Butterworth, stammend von 1910/11. Sie erklangen erstmals am 8. Februar 1912 in der Oxford Town Hall in einem Konzert des Oxford University Musical Club, geleitet von Hugh Allen, dem Organisten des New College. Die Aufführung wurde so gut aufgenommen, daß das zweite Idyll als Zugabe nochmals erklang. Die Times nannte die Komposition »höchst vielversprechend, mit großer Eigenständigkeit der Harmonik und Instrumentierung, von einzigartig frischer und feinsinniger Bildhaftigkeit.« Das ›kleine Orchester‹ von Butterworth beschäftigt immerhin verdoppelte Holzbläser einschließlich Piccolo-Flöte, vier Hörner, Pauken, Triangel, Harfe und Streicher. Die Orchestrierung ist besonders gekonnt und delikat, und auch die Durchführung des schlichten Themenmaterials ist durchweg von hoher Qualität.

Das erste Idyll verwendet drei Volkslieder aus der Grafschaft Sussex. Das von der Oboe allegro scherzando angekündigte erste davon folgt einem in vielen Varianten bekannt gewordenen Song namens Dabbling in the dew. Auch das zweite wird (bei Studierziffer D) von der Oboe eingeführt, nunmehr più moderato; es handelt sich um Just as the tide was flowing, von Butterworth im April 1907 aufgezeichnet. Eine lebendigere molto vivace Sektion (F) enthüllt die dritte Melodie, Henry Martin (aufgezeichnet von Butterworth im Juni 1907), zunächst in der Klarinette, dann Flöte und Fagott. Nach einiger allgemeiner Verarbeitung hört man in den Streichern (bei L) eine Fortissimo-Version von Just as the tide; eine Höhepunkt wird erreicht, doch plötzlich wird alles still, und Oboe und Flöte teilen sich das Anfangsthema (3 Takte nach N). In den Schlußtakten tauchen zwar einige geschäftige Streicherfiguren von früher auf, doch das Stück endet friedvoll. Das zweite Idyll hat nur ein Thema, den Song Phoebe and her dark-eyed sailor, von Butterworth erstmals aufgezeichnet in Sussex im April 1907. Im Gegensatz zum vorausgehenden Idyll ist dieses zweite langsamer, weicher und verinnerlichter gesetzt, wunderschön instrumentiert, und wiederum mit der Haupt-Melodie in der Oboe, begleitet von zwei Fagotten. Ungeachtet des zärtlich-lyrischen Charakters bewegt sich die Musik doch auf einen Höhepunkt von einiger Weite und Kraft zu, bevor das Werk ruhig ausklingt. Gegen Ende spielt eine Solo-Violine eine verzierte Variante der Melodie im Kanon mit einer Solo-Klarinette (bei G).

London hörte die Two English Idylls erstmals bei einem Promenadenkonzert in der Queen’s Hall am 31. August 1919, dirigiert von Sir Henry Wood, der sie bei gleicher Gelegenheit zwei Jahre später wiederholte. Butterworths Vater, Sir Alexander, wohnte jener Wiederholung bei und schlug vor, daß man vielleicht bei zukünftigen Aufführungen die Reihenfolge vertauschen sollte. Wood stimmte zu, und tatsächlich diskutiert auch ein Artikel von Hugh Allen aus dem Jahr 1917 (Times Literary Supplement, 26. April) die beiden Sätze in umgekehrter Folge.1922 sorgte Adrian Boult für eine weitere Vebreitung der Idyllen, in Prag am 5. Januar und in Barcelona am 26. Mai (allerdings nur Nr. 1); beide Aufführungen wurden warm aufgenommen. Die Idyllen erschienen 1920 bei Stainer and Bell; eine Bearbeitung für zwei Klavier von John Mitchell kam erst 1999 bei Modus Music heraus. Dessen ungeachtet werden die Two English Idylls bis heute weitgehend vernachlässigt, obwohl es aus den Siebziger Jahren sogar drei Schallplatten-Einspielungen und zwei CD-Aufnahmen aus den späten Achtzigern und je eine weitere von 1993 und 2003 gibt.

Rhapsody: A Shropshire Lad
Erste Entwürfe zu diesem wohl besten Werk von Butterworth entstanden anscheinend bereits in seinem Lehrjahr am Radley College (1909/10). Wie bei ihm üblich überarbeitete er es immer wieder, so daß die Partitur nicht vor 1911 abgeschlossen wurde. Zwei weitere Jahre vergingen bis zur Uraufführung, und nochmals vier bis zur Veröffentlichung. Nicht einmal der Titel war problemlos: Butterworth bevorzugte ursprünglich The Land of Lost Content, sodann The Cherry Tree, bevor der heutige Name endgültig feststand. Noch im Juni 1913 – vier Monate vor der Premiere – hieß es The Cherry Tree, obwohl das Stück, wie der Komponist bemerkte, »mit Kirschbäumen etwa genauso viel oder wenig zu tun hat wie mit Käfern.« Ungeachtet der langen Zeit zwischen Entwurf und Veröffentlichung wurde die Rhapsodie von den Orchestern nie vernachlässigt und wird heute als wohl Butterworths größtes Stück geschätzt. Inspiriert wurde sie offensichtlich durch seinen ersten Housman-Zyklus, Six Songs from ›A Shropshire Lad‹, doch zeigt die Rhapsodie trotz vieler Vorzüge des Liederzyklus doch noch ein höheres Niveau. Im Programm zur ersten Londoner Aufführung beschrieb Butterworth sie als »Eine Art Orchester-Epilog zu meinen beiden Liederzyklen nach A Shropshire Lad. Das thematische Material stammt hauptsächlich aus Loveliest of trees, hat aber sonst keine weitere Verbindung zu den Worten dieses Liedes. Die Rhapsodie soll vielmehr vor allem das Heimweh des ›Shropshire Lad‹ in seinem Exil ausdrücken.« Die elegische und zugleich pastorale Musik entsprach sehr dem damaligen Zeitgeist, ein Beispiel für das, was Christopher Palmer »einen Trauergesang auf das Ende des guten Lebens, auf jene … glorreichen Sommer der Edward-Jahre« nannte. Die eindringlichen und ausdrucksvollen musikalischen Gedanken der Rhapsodie berühren vielleicht noch mehr, wenn man bedenkt, daß der Krieg in nur wenigen Jahren bereits etliche Freunde des Komponisten dahingerafft hatte.

Die Rhapsodie beansprucht ein großes Orchester, obwohl die Instrumentierung ausgesprochen delikat ist und Butterworth das Tutti nur im zentralen Höhepunkt des Werkes fordert. Es beginnt mit einem a-moll-Akkord der gedämpften Streicher, über der sich eine klagende Viertonfigur in Terzen alternierend zwischen Bratschen und Klarinetten aufschwingt. So entsteht unmittelbar eine Szene pastoraler, trauernder Sehnsucht, äußerst bedachtsam instrumentiert und dynamisch schattiert, welche noch Ernest Moeran in den Eröffnungstakten seiner First Rhapsody von 1922 beeinflußte. Dann erklingt das erste Zitat aus Loveliest of trees (2. Takt nach A), in der gleichen Tonart wie das Lied selbst. Die Musik wird inniger, reicher instrumentiert, beruhigt sich jedoch bald wieder, um in den Streichern eine neue Idee einzuführen (bei D). Holzbläser treten hinzu, und rasch baut sich ein leidenschaftlicher Höhepunkt auf, den Michael Kennedy mit einer Stelle im Finale der Pastoral Symphony von Vaughan Williams in Verbindung brachte, wo Streicher und Holzbläser einen dramatisch-eindrücklichen Dialog führen; seiner Meinung nach bilden diese Takte höchstwahrscheinlich Vaughan Williams’ musikalischen Grabstein von Butterworth. Es ist dieser Höhepunkt, wo Butterworth ein einziges Mal alle beteiligten Kräfte vereinigt (bei F). Danach werden frühere Motive neuartig und farbenreich instrumentiert durchgeführt; die Harfe hat zunehmend mehr zu tun, und es gibt sogar eine Stelle für Bassklarinette und dreistimmig geführte Kontrabässe allein (nach L). Die klagende Anfangsfigur erscheint schließlich im Solo-Horn (vier Takte nach K), und in der auf den Anfang zurückgreifenden Coda sind die Rollen von Klarinetten und Viola gegenüber dem Anfang vertauscht. Als genialen Nachtrag zitiert Butterworth noch das letzte seiner Bredon Hill Lieder, ›With rue my heart is laden, for golden friends I had‹, in der Solo-Flöte acht Takte vor Schluß, bevor die Streicher mit einem abschließenden a-moll-Akkord verklingen.

 

 

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Partitur Nr.

622

Special Edition

The Phillip Brookes Collection

Genre

Orchester

Seiten

260

Performance materials

available

Printing

Reprint

Specifics

11 Songs from 'A Shropshire Lad': Conductors' score & parts available

Size

160 x 240 mm