Brand, Max

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Brand, Max

Maschinist Hopkins (in two volumes with German and English libretto)

Art.-Nr.: 2080 Kategorie:

76,00 

Max Brand
(geb. Lemberg, 26. April 1896 – gest. Langenzerdorf, 5. April 1980)

Maschinist Hopkins

Vorwort
Maschinist Hopkins (1927–1928, uraufgeführt im Jahre 1929 in Duisburg) erging es wie vielen herausfordernden Werken des 20. Jahrhunderts: mehr wurde über sie geredet, als dass man sie gehört oder verstanden hätte. In der gegenwärtigen Lesart der Geschichte der Moderen Musik erscheint Maschinist Hopkins als Synonym für die ästhetischen Exzesse der 1920er Jahre im Allgemeinen und für die sogenannte Zeitoper im Besonderen. So klingt es in der Beschreibung in Alex Ross’ Buch The Rest Is Noise, in dem er eine plakative, wenn auch völlig irreführende Zusammenfassung der Oper von Nicolas Slonimsky zitiert. Zu meinen, Maschinist Hopkins sei eine schicke Achterbahnfahrt durch die dekadenten Zwanziger Jahre ist, als behaupte man, Marquis de Sade sei ein desillusionierter Epigone der Aufklärung: diese Auffassung verschmilzt einen verallgemeinernden Begriff vom Geist einer Epoche zu ihrem brutalen Gegenteil.

Diese Auffassung verkürzt natürlich die Komplexität und den Facettenreichtum des Werks und verbucht dessen musikalischen Gehalt als Litanei „populärer Formen“ wie Jazz, Foxtrot, Swing, etc., gesampelt von „seriösen“ Komponisten. Wegen ihrer erschreckenden Kälte ist die Komposition in dramatischer Hinsicht einzigartig unter den Zeitopern. Die Modernität von Maschinist Hopkins entpuppt sich als negatives Spiegelbild von Jonny spielt auf: Kreneks Optimismus einer neuen Welt, die eine alte ablöst, wird nun ersetzt durch ein gnadenlos effizientes technologisches Ungeheuer. Der Moloch aus Fritz Langs Metropolis – dessen Daseinsziel es ist, menschliches Leben und menschliche Kultur auszulöschen. Während zahlreiche Werke sich leise über „Trendiness“ lustig machen – wie zum Beispiel Schönbergs Von Heute auf Morgen und zahlreiche von Hindemiths Schöpfungen – bebildert kein anderes Werk eine Lebenswirklichkeit, so vollständig vereinnahmt von einer mechanischen Logik, die alltägliche menschliche Beziehungen zu krankhaften Auswüchsen von Geld und Macht verkommen lässt.

Ebenso weicht die Partitur erheblich vom Potpourri-Stil der Zeitgenossen ab, die für die Opernbühne schrieben. Wahr ist, dass wir hier eine fast enzyklopädische Vielfalt an populären Musikgenres der Zwanziger Jahre vorfinden: Cabaret, Pseudo-Exotik und nicht zuletzt Foxtrot mit Texten von George Antheil (die offenbar für sich alleine schon wie eine fast parodistische Reflexion auf den musikalischen Zeitgeist klingen). Aber das Werk ist keine schlichte Imitation dieser Gattungen – es deformiert sie. So endet der Foxtrot in der vierten Szene mit einer Wiederholung zu viel; es hämmern Violine und Piano in einer dissonanten und explosiven Kadenz durch die motorischen Rhythmen. Und der Cabaret-Song in der zehnten Szene ist eine wilde und grimmige Parodie auf Weill (»Fünfzehn Jahre ward ich alt / und schon keine Jungfrau mehr«), in Abständen unterbrochen von Rufen des Chors und Ausbrüchen der Orchesterbläser, bevor er sich schliesslich in die nicht enden wollende, morbide Mühsal eines mechanischen (was sonst?) Klaviers auflöst. …

 

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2080

Opera Explorer

Oper

210 x 297 mm

Reprint

542

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