Benoit, Peter

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Benoit, Peter

Prometheus, oratorio

26,00 

Peter Benoit
(Harelbeke, 17. August 1834 – Antwerpen, 8. März 1901)

Prometheus
(1867)

Diese Partitur ist Peter Benoits Beitrag für den doppelten internationalen Kompositionswettbewerb, der anlässlich der Weltausstellung von 1867 in Paris ausgeschrieben wurde. Komponisten wurden dazu aufgerufen, eine Cantate de l’Exposition (avec orchestre et chœurs) oder eine kurze Hymne de la Paix einzusenden, beides zu einem vorgegebenen Text. Für die Kantate wurde nach einem Wettbewerb das Gedicht Les noces de Promethée von Romain Cornut fils ausgewählt. Trotz seines jugendlichen Alters ­– er war noch Student – versieht Cornut den Prometheus-Mythos mit einer originellen Wendung, indem er Prometheus eine Ehe mit der Menschheit eingehen lässt. Dabei ist der Gedanke einer gütigen Autorität zentral, die von oben herab Wohltaten verteilt und für soziale Einheit sorgt – ein Verweis auf die Güte Napoleons III. Der Kaiser wird als ein wohlwollender Jupiter dargestellt, der Prometheus von den Geiern der Tyrannei und des Aberglaubens befreit.

Die teilnehmenden Komponisten bekamen nur wenige Wochen Zeit bis zum Abgabetermin. Die Dichter mussten ihren Text spätestens am 10. April 1867 abgeben, während die Komponisten danach bis zum 1. Juni 1867 Zeit hatten. Bereits am 12. Juni entschied die Jury, mit Gioacchino Rossini als Ehrenvorsitzendem und Daniel Auber als Vorsitzendem, die Einsendung von Camille Saint-Saëns zu krönen. Er gewann gegen 102 Konkurrenten, unter denen sich auch Benoit befand, der demnach seine Einsendung ebenfalls innerhalb kurzer Zeit hatte komponieren müssen. Diese Eile kann vielleicht erklären, warum Benoit eine Nummern-Kantate mit verschiedenen Teilen schrieb, im Gegensatz zu seiner früheren Kantate Lucifer (Text von Emanuel Hiel, 1866), die durchkomponiert ist.

Benoit selbst nannte dieses Werk lieber Oratorium als Kantate, weil das Konzept eines Oratoriums besser zum Thema passen würde, wie er es in einer im Antwerpener Stadtarchiv aufbewahrten Abschrift notierte. In dieser Abschrift deutet das Fehlen des Schlusschores mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf die Eile hin, die mit diesem ursprünglichen Wettbewerbsstück einherging. Die strikte Deadline erlaubte es ihm möglicherweise einfach nicht, das Werk vollständig zu kopieren. Nach Ansicht des Komponisten und Dirigenten Flor Alpaerts, der die Herausgabe dieser Komposition für den Peter Benoit Fonds vorbereitete, wurde der Schlusschor später auf der Grundlage dieser Antwerpener Abschrift von Edward Keurvels neu orchestriert.

Benoit muss aber dennoch an sein Wettbewerbsstück geglaubt haben, denn er bat später den Dichter Emanuel Hiel, einen niederländischen Text dazu anzufertigen. Hiel schuf eine sorgfältige Nachdichtung des Werkes und baute dabei auf einem gründliches Studium der Aischylos-Version des Prometheus-Mythos auf. Hiel betrachtete Prometheus als den „Genius der Menschheit“, der die Menschheit „die Ketten des Geistes sprengen ließ“. Aus seinem nationalistischen Gedankengut heraus verbannte er auch alle Anspielungen auf Frankreich aus dem Text. Benoit und Hiel widmeten die niederländische Version des Les noces de Promethée unter dem Titel Prometheus dem liberalen Volksvertreter Auguste De Maere-Limnander, „als Zeichen der Verehrung und Sympathie für seine Treue zur Muttersprache und vaterländischen Kunst“. De Maere-Limnander war der Vorsitzende der Königlichen Chorgesellschaft Gent, die 1866 Lucifer uraufgeführt hatte. Vermutlich sorgte Hiels neuer Text für Probleme, denn Keurvels schrieb später eine „niederländische Neufassung“. Er blieb dabei viel näher am Original Cornuts, obwohl er „sous ce beau ciel de la France“ mit „in den schönen flämischen Gauen“ übersetzte. Es ist diese spätere Version, die von Keurvels am 27. September 1909 in Antwerpen ausgeführt wurde und die hier verwendet wird.

Jan Dewilde
Übersetzung: Eva-Maria Kintzel

Bibliographie
– Oscar Comettant, La musique, les musiciens et les instruments de musique chez les différents peuples du monde. Ouvrage enrichi de textes musicaux orné de 150 dessins d’instruments rares et curieux. Archives complètes de tous les documents qui se rattachent à l’Exposition Internationale de 1867. – Organisation, exécution, concours, enseignement, organographie, etc., Paris, 1869.
– Jan Dewilde, Prometheus, Benoit en Napoleon III: muziek tijdens de Exposition Universelle van 1867. Forum. Tweemaandelijks tijdschrift over onderwijs en podiumkunsten, 12, 2004, 2, S. 24-33.
– Laura Hiel (Ed.), Volledige werken van dichter Emanuel Hiel. Deel V. Oratorio’s – cantaten – symphonieën – hymnen – feestzangen en rouwzangen, Brüssel, 1934.
– Brian Rees, Camille Saint-Saëns. A life, London, 1999.

Diese Partitur wurde in Zusammenarbeit mit dem Studienzentrum für flämische Musik herausgegeben (www.svm.be).

 

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Partitur Nr.

2561

Sonderedition

The Flemish Music Collection

Genre

Chor/Stimme & Orchestra

Format

210 x 297 mm

Druck

Reprint

Seiten

98