Albéniz, Isaac

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Albéniz, Isaac

Cataluña. Suite for orchestra

Art.-Nr.: 743 Kategorie:

19,00 

Albéniz, Isaac – Cataluña. Suite for orchestra

Vorwort
Nach einem erfolgreichen, jedoch erschöpfenden Aufenthalt von vier Jahren in London und einer kurzen Zwischenstation in Barcelona nahm das Leben von Isaac Albéniz (1860-1909) eine entscheidende Wende, als er und seine Frau sich zu einem noch nicht nachgewiesenen Zeitpunkt vor dem August 1894 in Paris niederließen. Trotz seiner privat geäußerten Vorbehalte gegenüber dem offiziellen Musikleben Frankreichs brachten ihm sein schlagfertiger Witz und seine Extrovertiertheit bald hohes persönliches und berufliches Ansehen ein. Tatsächlich war es die Musikmetropole Paris, die den späteren Erfolg von Ibéria (1905-08) zugleich miterleben und ermöglichen sollte.

In Paris durfte sich Albéniz ganz der Komposition widmen – dank der finanziellen Unterstützung durch den Multimillionär und Mäzen Francis Money-Coutts, den er in London kennengelernt hatte. Dessen vielgeschmähte literarische Ergüsse lieferten nicht nur die Vorlage für einige seiner Lieder, sondern auch für mehrere seiner berühmten Opern, darunter Henry Clifford (Gran Teatre del Liceu, Barcelona 1895), Pepita Jiménez (Gran Teatre del Liceu, Barcelona 1896) und Merlin (ca. 1898). Obwohl sein musikalisches Oeuvre bereits stattliche Ausmaße angenommen hatte, schrieb sich der 36-jährige Albéniz 1896 in der Kontrapunktklasse Vincent d’Indys an der Schola Cantorum ein, jenes Institut, an dem er selbst zwischen 1898 und 1900 Klavier unterrichten sollte. Seine Aufnahme in die Schola markiert eine stilistische Wende in eine Richtung, die Musikwissenschaftler und Kritiker oft als differenzierter und intellektuell anspruchsvoller bezeichnen, als es in seinem Werk bislang der Fall war.

Es war auch in Paris, daß Albéniz Catalonia komponierte. Ursprünglich sollte das Werk Teil einer dreisätzigen „Suite populaire“ gleichen Titels bilden, schließlich jedoch verwarf der Komponist das komplexe Vorhaben, wahrscheinlich weil er bereits auf weitaus mehr Kompositionsaufträgen saß, als er angesichts seines angeschlagenen Gesundheitszustands erledigen konnte. In der heute bekannten einsätzigen Form wurde das dem katalanischen Maler Ramón Casas gewidmete Werk am 28. Mai 1899 in der Société Nationale de Musique uraufgeführt und im gleichen Jahr bei Durand veröffentlicht. Während dieser Schaffensperiode erhielt Albéniz Unterricht in der Kunst der Orchestrierung von Paul Dukas, der ihm sicherlich auch bei der Vervollständigung der Partitur zur Seite stand.

Mit brillantem Schwung verfolgt das Werk grundsätzlich eine freie Sonatenhauptsatzform, in der die anfängliche Hauptonart Es-Dur bei Ziffer 47 in E-Dur rekapituliert wird. Das thematische Material entstammt zwei katalanischen Liedern, von denen das erste – El pobre terrisaire – gleich am Anfang ertönt und sowohl Tonvorrat und thematische Substanz wesentlich bestimmt. Die erste vollständige Darstellung des zweiten Themas – La Filadora – erklingt in der Oboe bei Ziffer 21, diesmal in der Dominante B-Dur. Zusätzlich gibt es als Kontrast ab Ziffer 58 einen abschließenden Presto-Teil im Zweiertakt.

Albéniz’ Catalonia verkörpert einige der kulturellen Dilemmas, die der hispanisch anmutenden Musik der in Paris lebenden spanischen und französischen Komponisten jener Epoche anhafteten. Einige der französischen Tonschöpfer wie etwa Chabrier, Debussy oder Ravel – ganz abgesehen von den etwas jüngeren und weniger bekannten Komponistenkollegen Henri Collet und Raoul Laparra, die auch ein umfangreiches Oeuvre hispanisierender Werke hervorbrachten – kümmerten sich trotz ihrer propagandistisch beteuerten Authentizität kaum um stilistische Genauigkeit. Viele waren nur selten oder gar nie in Spanien gewesen. Dementsprechend – um einen methodologischen Fachbegriff aufzugreifen – verrät ihr Spanienbild mehr über die „repräsentierende“ Kultur (in diesem Falle Frankreich) als über die repräsentierte. Darüber hinaus erhebt sich die Frage, inwieweit es der Musik überhaupt möglich ist, irgend eine Kultur mit passabler Genauigkeit widerzuspiegeln, vor allem angesichts der semantischen Mehrdeutigkeit, mit der Musik die kommunikativen Fähigkeiten des Menschen anspricht, und der wichtigen Rolle, die der Zuhörer und sein kultureller Hintergrund beim Verständnis von Muisk spielen.

Da Albéniz spanischer Abstammung war, könnten diese Überlegungen zwar als nebensächlich erscheinen, jedoch lohnt es sich, sie dennoch in Betracht zu ziehen, vor allem angesichts des späteren Schicksals der anderen nicht-französischen Komponisten im Kreise der Schola Cantorum, deren Werke ebenfalls in der Société Nationale aufgeführt wurden. Das kampflustige Motto der Schola – „ars gallica“ – vermittelt einen ersten Anhaltspunkt, wie diese „ausländischen“ Werke in ein essentiell französisches Programm aufgenommen werden konnten, in dem ihr Anderssein als exotisch gefärbte nicht-französische Kompositionen – zusammen mit weiteren Werken französischer Komponisten, die einer ländlichen bzw. ausländischen Thematik huldigten – eine entscheidende Rolle beim Aufbau eines ausdrücklich französischen Selbstverständnisses spielten, ähnlich wie es die Historiker des Postkolonialismus auch bei anderen westlichen Nationen mindestens bis zum Zweiten Weltkrieg konstatierten. …

 

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743

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Orchester

72

160 x 240 mm

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