Woyrsch, Felix

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Woyrsch, Felix

Symphony No. 2 in C Op. 60

Art.-Nr.: 1600 Kategorie:

34,00 

Felix Woyrsch – Sinfonie Nr.2 C-Dur op. 60

(geb. Troppau, Schlesien, 8. Oktober 1860 – gest. Hamburg-Altona, 20. März 1944)

(1912-13)
Erster Satz p.1
Zweiter Satz p.49
Dritter Satz p.70
Vierter Satz p.96

Vorwort

Ein Name ist untrennbar mit dem Orchesterkomponisten Felix Woyrsch verbunden – der des zunächst in Bremen und später in Düsseldorf tätigen Dirigenten Karl Panzner (1866–1923). Panzner hatte sich bereits früh intensiv für Woyrsch Orchesterschaffen eingesetzt, ehe er am 15. Januar 1914 die Zweite Sinfonie in C-Dur op.

60 in der Düsseldorfer Tonhalle aus der Taufe hob. Über die Entstehung des wohl von etwa 1912 bis 1913 komponierten Werkes sind wir nicht näher informiert; Panzner schrieb 1913 an den Komponisten: „Ich muß Ihnen durch diese Zeilen meine Bewunderung, meine Freude zu dem Gelingen des prachtvollen Werkes

übermitteln. Das Ganze ist ein Wurf! Hochinteressant von der ersten bis zur letzten Note. Welche Rhythmik und Harmonik im 1. Satz, wie entzückend der 2. Satz mit seinen intimen, aparten Reizen, welch schöner, edler Fluß der Cantilene im Adagio, welch packende Kraft, welcher Aufbau im Finale!“ In der Tat haben wir hier ein formal gut ausbalanciertes, aber im Gegensatz zur eher düsteren Ersten Sinfonie eher lichtdurchflutetes Werk, das neben dem unüberhörbaren Humor aber auch eine gehörige Portion (teilweise ironisch gebrochene) Strenge hereinlugen lässt.
Woyrsch entstammte einer alten südböhmischen Familie, doch nach dem frühen Tod des Vaters war ihm keine finanziell gesicherte solide schulische und musikalische Ausbildung möglich. Nach erstem, wohl eher dilettantisch und unregelmäßig erteiltem Unterricht im Violin- und Klavierspiel entdeckte ihn der Chordirigent Heinrich Chevallier (1848–1908) auf einem Jahrmarkt, wo der junge Woyrsch mit anderen „Kunstpfeifern“ auftrat, und erteilte dem Jungen kostenlosen Unterricht in Theorie und Klavierspiel. In den folgenden Jahren
übernahm Woyrsch die Leitung verschiedener Chöre, ehe er 1895 musikalischer Leiter der Altonaer Singakademie wurde und damit mehr als nur lokale Berühmtheit erlangte. Daneben war er Organist an der Friedenskirche und dann an der Johanniskirche. 1903 gründete Woyrsch die Volks- und Symphoniekonzerte und das Orchester des Vereins Hamburgischer Musikfreunde. Bereits 1901 war er zum Professor ernannt worden.
1914 würdigte die Stadt Hamburg seine Verdienste durch Ernennung zum ersten Städtischen Musikdirektor in der Geschichte der Stadt Altona, 1917 wurde er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlor er seinen Posten als Städtischer Musikdirektor in Altona und zog sich in die Innere Emigration zurück.
Als Komponist war Woyrsch zunächst weitgehend Autodidakt gewesen, doch bewirkte die enge Fühlung mit zahlreichen musikalischen Größen seiner Zeit eine starke Inspiration auch in eigenen kompositorischen Arbeiten, zunächst vor allem mit Chormusik. Ein sinfonischer Erstling in b-Moll, 1884 mit großem Erfolg aufgeführt, wurde später verworfen, sodass die erste vollgültige Sinfonie in c-Moll op. 52, mit der der Komponist lange gerungen hatte, erst 1908 seine Uraufführung erlebte. Insgesamt ist Woyrschs Schaffen durchaus von beachtlichem Umfang – bis zu seinem Tode entstanden sieben Sinfonien, fünf Streichquartette, je ein Streichsextett, Klaviertrio und Klavierquintett, ein Violinkonzert, mehrere Orchesterwerke (darunter ein Sinfonischer Prolog zu Dantes „Divina Commedia“ op. 40, drei Drei Böcklin-Phantasien op. 53 und Thema und Variationen op. 76) sowie zahlreiche Lieder und Chöre, ganz abgesehen von seinem Passions-Oratorium op. 45 sowie den Mysterien Totentanz (1906) und Da Jesus auf Erden ging op. 61 (1917).
Die Zweite Sinfonie wurde sehr positiv aufgenommen; besonders gelobt wurde die „fesselnde thematische
Erfindung und deren Verarbeitung“ sowie die „persönlich gefärbte Ausdrucksweise“ (A. Eccarius-Sieber in Die Musik 1914). Der Kritiker des Düsseldorfer Generalanzeigers betont die Traditionslinien der Sinfonik Brahms‘ und Bruckners, die Woyrsch konsequent weiterbaue (im Gegensatz etwa zu Strauss oder Mahler). Dennoch blieb das Werk bis 1927 ungedruckt – und zu diesem Zeitpunkt hatte sich der musikalische Zeitgeschmack derart extrem gewandelt, dass es fast hundert Jahre dauerte, bis die Komposition 2011 durch das Oldenburgische Staatsorchester unter der Leitung Thomas Dorschs auf Tonträger nachhaltig wiederbelebt wurde.

Jürgen Schaarwächter, 2014

Aufführungsmaterial ist von Boosey & Hawkes, Berlin, zu beziehen.

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