Weiner, Leo

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Weiner, Leo

Concertino, Op. 15 for piano and orchestra

Art.-Nr.: 4060 Kategorie:

28,00 

Leo Weiner – Concertino Op. 15 für Klavier und Orchester

(geb. Budapest, 16. April 1885 – gest. Budapest, 13. September 1960)

Vorwort
Leo Weiner wurde in Budapest geboren. Im Alter von 16 Jahren begann er mit seinen musikalischen Studien an der Musikakademie seiner Heimatstadt. Bekannt als „ungarische Mendelssohn“ gewann er seinen Kompositionen zwischen 1903 und 1908 zahlreiche Wettbewerbe. Ab 1908 bis zu seinem Tod lehrte er an der Budapester Akademie. Unter seinen bekannten Studenten finden sich Fritz Reiner und Georg Solti.

Weiners Kompositionsstil blieb in der spätromantischen Ära verwurzelt, erfuhr jedoch ab den 1920er Jahren einige Wandlungen. Das zweisätzige Concertino für Klavier und Orchester scheint an der Schwelle dieser neuen Ausrichtung zu stehen. Vermutlich unter Einfluss zweier Zeitgenossen, Béla Bártok und Zoltán Kodály, begann der Komponist, ungarische Volksmelodien in seine Werke zu integrieren. So ist der Titel seines Opus 18, Ungarische Volkstanzsuite, ein Ausdruck dieser Tatsache. Vermutlich bezog er sein Material aus den Sammlungen, die Bártok und Kodály als Ergebnis ihrer Feldforschungen anlegten, denn es gibt keine Hinweise, dass er selbst Tonaufzeichnungen machte und musikalische Volksgut sammelte.

Im Concertino erklingen keine originalen Zitate von Volksweisen, aber von Zeit zu Zeit erinnern die Klangeffekte, die Weiner dem Klavier entlockt, an die Klangwelt eines Cymbalom. Variationen dieses Instruments finden sich bereits in zahlreichen Kulturen, in Ungarn mindestens seit dem 14. Jahrhundert. Das ungarische Konzert-Cymbalom war eine Erfindung von V. Josef Schunda aus dem Jahr 1874. Er erweiterte das an ein Hackbrett erinnernde Instrument auf vier chromatische Oktaven und setzte es auf einen Sockel. Zusätzlich zur Vergrößerung des Tonumfangs der frühen ungarischen Formen fügte er Pedale hinzu, um ein reicheres Klangspektrum zu erzielen. Die Entwicklung dieses Instrument war von der ausdrücklichen Absicht motiviert, eine stärkere ungarische Identität zu fördern, und es wurde bald sehr populär. 1926 und 1928 begannen Kodály und Bártok, das Instrument in ihren Konzerten einzusetzen.

Wie bereits erwähnt, setzte Weiner nicht das tatsächliche Instrument ein, sondern behandelte die Klavierstimme gelegentlich in einer Weise, dass man den scharfen, beissenden Anschlag mit Nachhall hören konnte, der das Cymbalom auszeichnet. Gewiss hatte er das Instrument häufig bei Aufführungen leichter Musik durch lokale Kapellen gehört. In seinem Concertino werden die cymbalom-artigen Klänge durch detaillierte Anweisungen für das Pedal erzeugt. So wird zum Beispiel der Dämpfer des Klaviers während der Ausführung einer schnellen E-Dur- Skala über fast vier Oktaven kurz nach Ziffer 4 im ersten Satz gehalten. Später betont er, dass den Anweisungen für das Pedal streng zu folgen sei und keine Veränderungen zulässig seien. Auf einen weiteren Aspekt das Cymbaloms war Weiner aufmerksam geworden: sein Klang liess ausgezeichnet mit dem Klang von Blasinstrumenten mischen. So spielen die Bläser – zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten und zwei Fagotte – eine wichtige Rolle in dieser Partitur. Sie präsentieren die eröffnenden sieben Takte des ersten Satzes, bevor der Pianist mit einer 17-taktigen Kadenz hinzutritt. Das gleiche Verfahren wiederholt sich vor dem ersten Auftritt der Streicher bei Ziffer 2, Takt 48.

In den beiden Sätzen des Werks ist der Pianist immer präsent: mit kurzen Zwischenspielen treten Klavier und Orchesterinstrumente in einen Dialog über das musikalische Material. Beide Sätze beginnen in e- Moll, schiessen aber triumphierend auf der Dur-Tonika. Der erste Satz ist vielgestaltig, und Weiners Anmerkung „amabile“ beschreibt sein Material treffend. Der zweite Satz, eingeführt durch das Klavier, ist schneller und erinnert an einen Tanz. Es erklingen interessante Kreuzrhythmen von Zwei gegen Drei, eine Vorbereitung des abschließenden 6/8-Taktes in E-Dur. Bisweilen bedient sich Weiner in diesem Satz bei modalen Skalen als Kontrast zum häufigen Gebrauch reiner Chromatik. Auch spielt hier das Erkennungsmerkmal der musikalischen Spätromantik, das Intervall des Tritonus, eine tragende Rolle.

Übersetzung: Peter Dietz

Aufführungsmaterial ist von Universal Edition (www.universaledition.com) Wien, zu beziehen.

Partitur Nr.

4060

Edition

Repertoire Explorer

Genre

Tasteninstrument & Orchester

Format

210 x 297 mm

Druck

Reprint

Seiten

106