Wagner, Richard

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Wagner, Richard

Kaisermarsch (Emperor March)

Art.-Nr.: 677 Kategorie:

12,00 

Wagner, Richard

Kaisermarsch (Emperor March)

Vorwort
Nach dem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 ließ sich Wilhelm von Preußen am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles zum Kaiser des neuerstandenen Deutschen Reiches proklamieren. Ludwig II., der König von Bayern, wurde gezwungen, seinem Onkel die Kaiserkrone darzubringen, da er unter den deutschen Fürsten der bedeutenste war. Ludwigs Einfluss schwand durch diese Entwicklungen, und Wagner wollte sich dem neuen Kaiser aus Hohenzollern zuwenden. In Berlin bot Wagner zunächst an, eine „Trauermusik für die im Kriege Gefallenen“ zu komponieren. Aus der Hauptstadt kam ein ablehnender Bescheid. Die Feierlichkeiten sollten in Glanz und Gloria und nicht mit einer Trauermusik stattfinden. Wagner machte ein zweites Angebot für eine Musik, die apotheotisch mit der Nationalhymne schließen sollte. Auch hier lehnte Berlin ab. Der Grund lag wahrscheinlich darin, dass Bismarck den sensiblen Ludwig und dessen Partnerschaft im neuen Reich nur mit großer Vorsicht behandelte. Folglich war er auf Abstand zu Wagner bedacht.

Wagner wollte trotz allem seine neue politische Einstellung der Öffentlichkeit kundtun. Aus diesem Grund komponierte er den Kaisermarsch zwischen Februar und März 1871 in Triebschen. Die Uraufführung fand am 14. April 1871 in Berlin statt. Wagner hoffte, dass die Komposition als Krönungsmarsch verwendet und der gesungene Schlussteil die neue Reichshymne werden würde, da ihm die volkstümliche Wacht am Rhein auf die Nerven ging.

Der Aufbau dieses Werkes nimmt die Idee von Sibelius vorweg, zunächst nur Teile des Themas einzuführen, um diese dann am letzten Höhepunkt zu einem großen Thema zusammenzufügen.

Das Thema umfasst in seiner vollständigen Form 28 Takte, wobei die letzten vier wiederholt werden, und es erscheint erst bei Ziffer 21, hier tritt der Volksgesang ad libitum dazu. Dieses lange Thema lässt sich in fünf Motive spalten, die zuvor schon verwendet wurden. Auch der Beginn des Werkes ist durchaus nicht fragmentarisch. Zu Anfang steht eine 11 – taktige Periode (7 + 4) mit Häufungen von Repetitionen und der Vermeidung von Symmetrie. In diesen 11 Takten erklingen zum ersten Mal die Motive a und b des Themas. Es folgt eine aufwärts führende Figur in den Streichern, zunächst in der Tonika, dann in der Dominante. Diese Figur bildet zusammen mit den 11 Takten des Beginns eine Einleitung. Ab Ziffer 2 folgt der eigentliche Hauptteil des Werkes. Er wird zunächst geprägt durch das Motiv c.
Bei Ziffer 3 wird zum ersten Mal ein Ausschnitt aus Luthers Choral Ein feste Burg ist unser Gott zitiert, gefolgt von einem Abschnitt, der durch fanfarenartige Einwürfe der Blechbläser bestimmt wird. In Ziffer 5 wird der Choral erneut zitiert und ähnlich weitergeführt.

Ab Ziffer 7 moduliert Wagner kräftig in weit entfernte Tonarten. Dieser Abschnitt, insbesondere die mit dolce bezeichneten Takte, erinnert stark an seine Meistersinger. Bei Ziffer 18 und 19 erklingt zum letzten Male Ein feste Burg, und das Werk endet mit dem oben erwähnten Climax.

Der Kaisermarsch brachte Wagner einigen Ruhm. Er erschien noch 1871 im Druck und wurde in zahlreichen deutschen Städten aufgeführt. Wagner dirigierte ihn neben Beethovens Neunter Symphonie zur Grundsteinlegung des Bayreuther Festspielhauses. In jüngerer Zeit nahm Ricardo Muti sich des Werkes an. Er dirigierte es anlässlich der Wiedereröffnung des Teatro La Fenice im Jahre 2003. Die Aufführungsdauer beträgt ca. 11 Minuten.

Marcus Prieser, 2007

Aufführungsmaterial ist von der Breitkopf und Härtel, Wiesbaden zu beziehen. Nachdruck eines Exemplars aus der Sammlung Marcus Prieser, Wittmund.

Partitur Nr.

677

Edition

Repertoire Explorer

Genre

Orchester

Seiten

40

Format

160 x 240 mm

Druck

Reprint