Rubinstein, Anton

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Rubinstein, Anton

Piano Concerto No. 4 in D minor Op. 70 (Piano Reduction for 2 pianos, 2 copies)

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Rubinstein, Anton

Piano Concerto No. 4 in D minor Op. 70 (Piano Reduction for 2 pianos, 2 copies)  

«Der unheimliche, barbarisch anmutende Meister und Zauberer des Klaviers mit seiner überwältigenden Künstlermähne und seinen ungehobelten Körperbewegungen, jedoch ohne den leisesten Anflug eines Lächelns oder überhaupt ein Anzeichen davon, daß er irgend etwas außerhalb der einzigen Absicht seiner Musik zur Kenntnis nimmt, und mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der von der Intensität einer lebenslangen Verinnerlichung seiner Kunst verzehrt wurde, als ob der ganze Ausdruck nach innen wuchs und alles, was man davon sah, lediglich das leblose Scheinbild des eigentlichen Menschen darstellt, nahte sich seinem Instrument, dem Publikum gegenüber höflich, wenn auch nicht sonderlich freundlich, von einem Applaus umhüllt, der lediglich eine dumpfe Ahnung von den Beifallsstürmen vermittelte, die darauf folgen sollten.» (Dwight’s Journal, 19. Oktober 1872)

Soweit ein Augenzeugenbericht über den wohl einzigen Pianisten des 19. Jahrhunderts, der einem Vergleich mit Liszt standhielt. Rubinstein wurde zum Wunderkind nach klassischer Manier erzogen: Seit seinem 11. Lebensjahr bereiste er die musikalischen Hauptstädte Europas (1840-43), machte die Bekanntschaft von Liszt und Chopin, knüpfte gewinnbringende Beziehungen zur königlichen Familie Rußlands und bekam von Queen Victoria eine Audienz. Danach liess er sich – noch halbwüchsig – in Berlin nieder, um eine umfassende Ausbildung zum Komponisten zu absolvieren (1844-46). Zehn Jahre darauf, nachdem sich die Familie des Zaren seiner als Hauspianist angenommen hatte, baute er allmählich eine alles bestimmende Machtstellung im öffentlichen Musikleben seiner Heimat Rußland sowie im allgemeinen Bewußtsein der Weltöffentlichkeit auf. Er gründete und leitete die Russische Musikgesellschaft (später die Leningrader Philharmoniker) ab 1859, wurde zum Mitgründer und musikalischen Leiter des Petersburger Konservatoriums (1862-67) und zum Chefdirigenten der Wiener Philharmoniker (1871/72), machte 1872 eine Amerikatournee und wurde schließlich zum internationalen Inbegriff für höchste Klavierkunst – ähnlich, wie es später etwa Paderewski oder Horowitz werden sollten. Trotz seines übermenschlichen Arbeitspensums fand er ausreichend Zeit, um ein grosses kompositorisches Oeuvre zu schaffen, darunter nicht weniger als 20 Opern.

In seiner musikalischen Produktion erfreute sich Rubinstein einer bemerkenswerten, beinahe gefährliche Leichtigkeit. Lieder und kleinere Klavierstücke brachte er zu Papier, als schriebe er Postkarten. Von letzteren haben die berühmte Melodie in F (op. 3 Nr. 1) und Kamennoi-Ostrov (op.10 Nr.22) auch in unzähligen Bearbeitungen Unsterblichkeit erlangt und sind mittlerweile fester Bestandteil des kollektiven Unterbewußtseins der westlichen Kultur. Wenn seinen größeren Werken weniger Glück beschert war, so liegt der Hauptgrund wohl im überbordenden Reichtum der russischen Musik – vom «Mächtigen Häuflein» über Tschaikowsky, Rakhmaninov und Strawinsky bis zu Prokofiev und Schostakowitsch – der sein vielgestaltiges Werk bald in den Schatten stellte.

Die Bedeutung Rubinsteins als Komponist läßt sich am ehesten in Verbindung mit seinem brillantesten Schüler und ewigen Rivalen Tschaikowsky verstehen. Der jüngere Komponist machte keinen Hehl daraus, daß er seinem geschätzten Lehrer die Beherrschung des kompositorischen Handwerks verdankte. Auch brachte Tschaikowsky eifrig vierhändige Bearbeitungen zweier Tondichtungen Rubinsteins hervor – Iwan der Schreckliche (op. 79) und Don Quixote (op. 87). Selbst im späteren Leben hielt er sich nicht zurück, Rubinstein als einen der zwei größten Symphoniker seiner Zeit zu bezeichnen (der andere war Joachim Raff). Umgekehrt war Rubinstein von den studentischen Arbeiten des jungen Tschaikowsky wenig begeistert und distanzierte sich intuitiv von dessen späteren Werken. Andererseits aber zögerte er nicht, die russische Erstaufführung des Zweiten Klavierkonzerts am 30. Mai 1882 zu dirigieren, wie er überhaupt häufig die Musik Tschaikowsky in seinen vielen Konzerten spielte. In den 1890er Jahren gab es keinen Zweifel mehr daran, daß es sich bei Rubinstein und Tschaikowsky – trotz ihrer unzähliger Meinungsverschiedenheiten – um die berühmtesten und meistgeehrten russischen Komponisten ihrer Zeit handelte.

Das Vierte Klavierkonzert entstand 1864 und wurde in Ausgaben für Klavier und Orchester (1872), zwei Klaviere (1872), Klavier solo (1874) und Klavier zu vier Händen bei B. Senff in Leipzig veröffentlicht. Seine Qualitäten wurden sofort erkannt und das Werk zum dauerhaftesten Erfolg unter seinen fünf Klavierkonzerten. Der große Klavierpädagoge Theodor Leschitizky gab posthum eine Neuausgabe für zwei Klaviere heraus (Simrock, Leipzig 1910); noch 1950 erschien eine Ausgabe von Rafael Joseffy bei Schirmer in New York. und noch 1962 eine Neuausgabe für zwei Klavier in Moskau. Besonders erwähnenswert unter den vielen moderneren Künstlern, die dem Werk huldigten, ist Shura Cherkassky, der 1994 eine bedeutende Einspielung des Vierten Klavierkonzerts mit dem Royal Philharmonic Orchestra London unter Vladimir Ashkenazy herausbrachte.

Bradford Robinson, 2004

Aufführungsmaterial ist von Benjamin Musikverlage, Hamburg zu beziehen.
Nachdruck eines Exemplars der Musikabteilung der Leibziger Städtischen Bibliotheken.

 

Partitur Nr.

417b

Edition

Repertoire Explorer

Genre

Tasteninstrument & Orchester

Format

225 x 320 mm

Anmerkungen

KLavierauszug & Solo Piano, 2 Exemplare

Druck

Reprint

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