Odriozola, Ricardo

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Odriozola, Ricardo

String Quartet No. 1 (first print, score and parts)

30,00 

Ricardo Odriozola
(geb. Bilbao, 28. September 1965)

Streichquartett Nr. 1
(1987/rev. 1989 & 2015)

Vorwort
Der Baske Ricardo Odriozola begann neunjährig mit dem Geigenspiel und schloss 1982 sein Violinstudium am Konservatorium von Bilbao ab. Daraufhin ging er für ein Jahr als Austauschstudent nach Arlington nahe Boston, wo er seinen Hochschulabschluss machte und als Konzertmeister im Greater Boston Youth Symphony Orchestra spielte. 1987 erwarb er den Konzertreife-Bachelor der Eastman School of Rochester (NY). Im selben Jahr noch übersiedelte er ins norwegische Bergen und begann, am dortigen Musik-Konservatorium (der heutigen Grieg Akademie) zu unterrichten, wo er heute als Associate Professor für Violine und Kammermusik wirkt.
Seine erste Kompositionen schrieb Odriozola im Alter von zehn Jahren. Als sein frühestes gültiges Werk erachtet der Komponist ein Klaviersextett von 1984. Seit jener Zeit vollendete er mehr als vierzig Werke (Kammermusik, Solowerke, Lieder und Orchestermusik) und machte viele Arrangements von Werken anderer Komponisten. Mehrere seiner Kompositionen wurden auf CD veröffentlicht. Im Januar 2015 erschien die erste CD, die ausschließlich seiner Musik gewidmet ist: ‚Views from my Horse’ (www.amethyst-records.com).
Ricardo Odriozola hat zwar nie regulären Kompositionsunterricht genommen, doch erhielt er Orientierung und Inspiration von vielen angesehenen Komponisten insbesondere (aber nicht nur) aus West-Norwegen, und schulte seine Technik im Studium von mehreren hundert Partituren und beim Hören von Konzerten und Aufnahmen. Bei all’ dem ist Ricardo Odriozolas Musik vor allem geprägt durch seine vielseitigen Erfahrungen als aufführender Musiker. Er strebt immer danach, dass sowohl seine Werke den Musikern keine unnötigen Schweirigkeiten aufbürden als auch seine Musik unmittelbar mit dem Hörer kommuniziert, ohne die Hilfe intellektueller Vermittlung zu benötigen.

Über sein Erstes Streichquartett schreibt der Komponist: „Im August 1987 zog ich nach Bergen. Kurz nach meiner Ankunft initiierte ich mit zwei Freunden eine Komponistengruppe. Wir trafen uns alle zwei Wochen und zeigten einander Kompositionen anderer Komponisten oder luden Kollegen ein, um die Möglichkeiten ihrer Instrumente für uns zu demonstrieren. Dann entschieden, dass im Lauf jenes Herbsts jeder von uns ein Stück für Streichquartett komponieren würde. Die Form des Stücks war frei, aber es gab eine Vorbedingung: alle drei Kompositionen mussten eine bestimmte Violinpassage enthalten, die ich vorgegeben hatte.
Wir waren, wenn schon nichts weiter, ziemlich selbstsicher, und als Witold Lutoslawski Anfang Dezember eine Woche in Bergen war, um das Bergen Philharmonic in einem Programm seiner Werke zu leiten, beschlossen wir, ihn zu einem unserer Treffen einzuladen und ihm unsere Skizzen zu zeigen. Zu unserer Freude sagte der große Meister zu. Lutoslawski war freundlich und fast zu charmant mit uns. Er gab uns nützliche Ratschläge und erzählte uns ein paar interessante Geschichten. Unsere Gruppe verlor sich schließlich durch die Zwänge der Arbeit und des Familienlebens aus den Augen. Sie verwandelte sich jedoch in den KGB (Komponist Gruppe i Bergen), der sich dann in Avgarde umbenannte, eine weitere Komponistengruppe, die letztlich ihren Namen an eine Konzertreihe abtrat, welche zur Zeit dieser Zeilen seit einem Jahrzehnt in Bergen mit dem Fokus auf einheimische Komponisten veranstaltet wird.
Das eine handfeste Ergebnis der Mühen des einstigen Treffens der Gleichgesinnten war mein erstes Streichquartett, welches ich kurz vor Weihnachten 1987 beendete.
Ich schrieb das Stück in der Wohnung des Komponisten Ketil Hvoslef und seiner mittlerweile verstorbenen Frau, der Malerin Inger Bergitte Sæverud. Sie pflegten die Winter in Rom zu verbringen und ließen mich in jenem Jahr fünf Monate lang unentgeltlich in ihrem Haus wohnen – ein wirkliches Gottesgeschenk für einen jungen Mann, der versuchte, sich in einem neuen Land zu etablieren.
Es erscheint mir passend, dieses Werk, mein Erstes Streichquartett, als erste meiner Kompositionen im Druck erscheinen zu lassen. Es ist die früheste meiner Kompositionen, die ich für wert erachte, sie in ihrer ursprünglichen Form zu spielen. Ich revidierte sie 1989 ein wenig, und für die vorliegende Veröffentlichung ging ich noch einmal darüber, aber im Wesentlichen ist es das Stück, das ich im Herbst 1987 schrieb.
Komponiert in einem Satz, hat das Quartett vier klar unterschiedene Abschnitte. Hinsichtlich des Charakters ist es eine kontrolliertere und konzisere Fortsetzung eines sehr grandiosen und turbulenten Stücks für Cello und Klavier, das ich im Jahr zuvor geschrieben hatte, eines Stücks, das die Quellen seiner Inspiration allzu offensichtlich präsentierte. Im Streichquartett gelang es mir, erstmals etwas zu komponieren, das ich als ‚meines’ sehen konnte, auch wenn es nicht völlig frei von Einflüssen ist. Doch Lutoslawski hatte uns über die Vorbilder der Jugend gesagt: ‚Wen Du Dir auswählst, um ihn zu imitieren, sagt eine Menge darüber aus, wer Du als Komponist bist.’ Übrigens fand er es amüsant, dass ich – ohne sein Werk zu kennen – das aus vier wiederholten Noten bestehende Motiv (Tt. 45 ff.) aus seiner Dritten Symphonie benutzt hatte, die Teil des Programms war, das er in Bergen dirigierte.
Das Erste Streichquartett durfte ich am 23. November 1990 in einem KGB-Konzert in Bergen mit Freunden uraufführen. Seither ist es einige Male gespielt worden. Eine der Aufführungen (1991 durch das Hansa Quartett) veranlasste einen Kritiker, meine ‚all time favourite review’ mit der Headline ‚Musikk som lever’ zu verfassen. Der Artikel enthüllte, dass sich diese Woche spezifisch auf meine Komposition bezogen. Die Worte bedeuten: ‚Musik, die lebt’ (kein Zweifel über die beabsichtigte Bedeutung), aber man kann sie auch so lesen: ‚Musik als Leber’.
Zum Schluss sei verraten, dass die Passage, auf deren Benutzung meine Komponistenfreunde und ich uns verständigt hatten, in den Takten 152-53 zu finden ist, komplett mit ‚sine qua non’ Fingersatz.“

Ricardo Odriozola, Svelvik, 7. September 2015

Partitur Nr.

1825

Edition
Sonderedition

Amethyst Edition

Genre

Chamber Music

Format

225 x 320 mm

Performance materials
Piano reduction
Anmerkungen

Set Score & Parts

Druck

First print

Seiten

72