Legley, Victor

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Legley, Victor

La Cathédrale d’acier, opus 52, esquisse symphonique d’après un tableau de Fernand Steven (first print)

Art.-Nr.: 2564 Kategorien: ,

24,00 

Victor Legley – La Cathédrale d’acier, op. 52

(Hazebroek, 18. Juni 1915 – Ostende, 28. November 1994)

esquisse symphonique d’après un tableau de Fernand Steven
(1958)

La Cathédrale d’acier (Die stählerne Kathedrale), ein sinfonisches Werk von 1958, ist charakteristisch für die Schöpfungen von Legley. Es entspricht weitgehend seiner Gedankenwelt, Philosophie und Ästhetik. Die Uraufführung der sinfonischen Dichtung durch das Sinfonieorchester des ehemaligen NIR (Flämisches Nationales Rundfunk-Institut) unter der Leitung von Daniel Sternefeld fand am 10. April 1959 in Brüssel statt. Das Werk dauert ungefähr 12 Minuten.

Legley selbst beschreibt die Komposition folgendermaßen: „Diese sinfonische Evokation entstand aus dem figurativen Inhalt des Gemäldes. Das Bild des Lütticher Malers [Fernand Steven] zeigt eine Kathedrale aus Stahl, die aus der Ruine einer alten Kirche emporsteigt, mit einem menschlichen Wesen in ihrem Schatten. Die Bedeutung ist unschwer zu erkennen.
Der Gegensatz kommt auch in der sinfonischen Skizze zum Ausdruck, die dreiteilig aufgebaut ist: Eine feierliche Einleitung [Andante maestoso, Takt 1-19]; ein bewegter Mittelteil, angetrieben von einem dynamischen Rhythmus und mit Steigerungen, die sich abwechseln mit expressiven melodischen Linien (Allegro molto energico, ma non troppo vivo, Takt 20-158); ein befreiendes Finale, das von mildem Hörnerklang und besinnlichen Interventionen der Klarinette getragen wird (Adagio, Takt 159-246).
Dennoch ist es keine beschreibende Musik geworden. Der Komponist überträgt seinen Gesamteindruck auf eine Partitur, die ihren Charakter durch expressionistische Ballung, orchestrale Dichte und konzentrische Formgebung erhält.“

Wie üblich in Legleys Werken seit circa 1945, stellt auch La Cathédrale d’acier eine Synthese von Alt und Neu dar. Einerseits folgt er der klassischen Tradition, indem er seinem Werk eine deutliche und klare Form gibt. Immer ist auch eine melodische Linie anwesend; er wendet Kontrapunkt an und arbeitet mit einer beschränkten Anzahl erkennbarer Motive. Harmonisch bewegt sich das Stück in einem erweiterten tonalen Rahmen. Andererseits will Legley nicht verleugnen, dass er ein Komponist des zwanzigsten Jahrhunderts ist: Oft gebraucht er Dissonanzen und überraschende Akkorde, und seine melodischen Linien sind deutlich durch die Dodekafonie beeinflusst (das erste Thema in unter anderem der ersten Geige [Takt 1-10] enthält alle zwölf Töne der chromatischen Tonleiter, wenn auch mit vielen wiederholten Noten).

Ganz bewusst geht Legley hierin nicht so weit wie seine radikaleren Zeitgenossen Boulez, Goeyvaerts und Stockhausen. Er hält es allein bei dem horizontalen, melodischen Aspekt der Dodekafonie oder des Serialismus und schließt den vertikalen, harmonischen Aspekt aus. Aus Legleys Artikeln, Rundfunksendungen und Vorträgen wird klar ersichtlich, dass er über die Avantgarde-Strömungen seiner Zeit gut informiert war. Er achtete all diese Strömungen, wollte sie sich selbst jedoch nicht zu Eigen machen. Den radikalen Bruch mit der Vergangenheit, der nach dem Zweiten Weltkrieg in der westlichen Kultur zustande kam, empfand er als eine ästhetische Katastrophe. In dieser Hinsicht ist La Cathédrale d’acier ein Ausdruck der Kritik Legleys an vieler Kompositionen seiner Zeit. Er fand es wichtig, dass auf der Vergangenheit aufgebaut und nach Schönheit gestrebt wurde (auf dem Bild ist die alte Kirche ein Symbol hierfür). Die stählernen Kathedralen der Avantgarde-Musik kümmerten sich seiner Meinung nach zu wenig um die Zuhörer und bauten für das Publikum keine Brücken, was für Legley jedoch von großer Bedeutung war. Er wollte Werke schaffen, die Freude brachten und nicht nur Interesse erregten.

Darüberhinaus musste für Legley, nach seiner frühesten Schaffensperiode, eine Komposition bedeutungsvoll sein. Sie musste das Leben und die Anwesenheit des menschlichen Wesens ausdrücken. Folgerichtig setzte er tiefe, aber nicht nur positive Gefühle in Klänge um. Ebenso wie seine Zeitgenossen war auch Legley erschüttert durch die beiden Weltkriege, deshalb gab es in seinen Kompositionen wenig Raum für Sinnlichkeit und Lustgefühle. Zweifel, Angst, Unsicherheit und Aggressivität treten oft in den Vordergrund, doch auch Fröhlichkeit, Energie, Verständnis, Glaube, Vergebung und Sublimierung. Alle diese Gefühle sind in La Cathédrale d’acier wiederzufinden.

Ronald De Roeck (Zusammenfassung Koenraad Sterckx)
Übersetzung Michael Scheck

Diese Einleitung ist eine bündige Zusammenfassung eines Artikels von Ronald De Roeck: Ronald De Roeck: Victor Legley: Some notes on his thoughts and Cathedrale d’acier, in Anuario Musical, Nr. 65, 2010, p. 171-196. Der Artikel enthält u.a. eine ausführliche Analyse von La Cathédrale d’acier und ist gratis online zugänglich: http://anuariomusical.revistas.csic.es/index.php/anuariomusical/article/view/117/118.
Die Partitur wurde in Zusammenarbeit mit dem Studienzentrum für flämische Musik herausgegeben (www.svm.be). Das Orchestermaterial ist erhältlich bei der Bibliothek des Königlichen Konservatoriums von Brüssel ([email protected]). Koenraad Sterckx edierte die Partitur anhand des Autographs. Kritische Berichte können auf der Webseite http://wiki.muziekcollecties.be konsultiert werden. …

 

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Partitur Nr.

2564

Sonderedition

The Flemish Music Collection

Genre

Orchester

Format

225 x 320 mm

Druck

Erstdruck

Seiten

52