Fauré, Gabriel

Concerto pour violon et orchestre en ré mineur Op. 14

Art.-Nr.: 1830 Kategorien: ,

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Gabriel Fauré

Concerto pour violon et orchestre en ré mineur op. 14 (1878-79)

(geb. Parniers, Département Ariège, Midi-Pyrénées, 12. Mai 1845 — gest. Paris, 4. November 1924)

Allegro

Vorwort
Bei der Komposition großformatiger Orchesterwerke war Fauré – anders als in der Kammermusik oder im Musiktheater – nicht gerade vom Glück verfolgt. So arbeitete er von 1866 bis 1873 an einer dreisätzigen ‚Suite d’orchestre’, schließlich zur aus Allegro, Andante, Gavotte und Finale bestehenden ‚Symphonie en fa’ erweitert, die in der Société National de Musique in Paris zuerst am 8. Februar 1873 – ohne Finale – durch Camille Saint-Saëns (1835-1921) und Fauré auf zwei Klavieren, dann am 16. Mai 1874 unter Édouard Colonne (1838-1910 in der Orchesterfassung – nunmehr vollständig – zur Uraufführung kam. Diese Symphonie hatte Fauré aus Arrangements zunächst voneinander unabhängig, teils bereits sehr früh entstandener Einzelsätze zusammengestellt, die nun auch in sehr unterschiedlichen Besetzungen orche-striert wurden. Von der Aufführung unter Colonne berichtete der Kritiker Arthur Pougin (1834-1921): „M. Gabriel Faurés ‚Symphonie’ wurde recht frostig aufgenommen. Ich persönlich fand sie langweilig und etwas kühl, und die Inspiration erschien mir nicht gerade reich; die Gavotte jedoch, die den dritten Satz bildet, ist liebenswert und von einer hübschen Farbe.“ Enttäuscht über das Ergebnis, zog Fauré die Symphonie en fa op. 20 zurück und ob er oder später seine Witwe das Finale vernichtet hat, wissen wir nicht. In Partitur erhalten sind nur der Kopfsatz, der auf ein vierhändiges Klavierstück von 1864 zurückging, und die reizvolle Gavotte, deren Vorlage eine Klavier-Gavotte in cis-moll von 1869 war, und die 1919 in überarbeiteter Form in der Schauspielmusik zu ‚Masques et bergamasques’ (und der daraus zusammengestellten, bekannten Suite op. 112) wiederkehren sollte. Das Andante ist in Faurés Arrangement für Orgel und Streicher überliefert, doch der Plan, eine Symphonie zu komponieren, war 1874 gescheitert.

Das Violinkonzert schrieb Fauré 1878-79 für seinen Freund Ovide Musin (1854-1929), neben Ysaÿe einer der bedeutendsten Köpfe der franko-flämischen Geigenschule dieser Zeit. Er stellte es erst gar nicht fertig, ließ die Skizzen zum Finale unvollendet. Der zweite Satz, Andante, scheint zuerst entstanden zu sein und wurde erstmals am 28. Dezember 1878 in der Pariser Société National de Musique in der Klavierfassung von Ovide Musin und André Messager (1853-1929) gespielt. Am 12. April 1880 fand am selben Ort die Uraufführung der vollendeten ersten zwei des Violinkonzerts – Allegro und Andante – durch Ovide Musin unter der Leitung Édouard Colonne statt. Auch dieser Aufführung war kein nennenswerter Erfolg beschieden, und lediglich das andere Stück, das Fauré zu jener Zeit unabhängig vom Konzert op. 14 für Musin zu Papier brachte, die Berceuse op. 16 für Violine und Klavier, fand allgemein Gefallen und erschien 1880 bei Hamelle im Druck. Partitur und Stimmen des Andante aus Faurés Violinkonzert sind verschollen, jedoch hat Fauré die Musik anscheinend in seinem Andante für Violine und Klavier op. 75 von 1897 wiederverwendet. Nur der Allegro-Kopfsatz des Konzerts ist als Manuskript erhalten geblieben und wurde 1981 von Pietro Spada im damals in Rom ansässigen Verlag Boccaccini & Spada erstmals herausgegeben. Vorliegende Ausgabe ist ein unveränderter Nachdruck dieses Erstdrucks der Partitur des Allegro.

Übrigens sollte Fauré auch bei seinem nächsten Versuch, eine Symphonie zu komponieren, vom Pech verfolgt bleiben. Die 1883-84 entstandene Symphonie en ré mineur op. 40, bestehend aus den drei Sätzen Allegro deciso, Andante und Finale,wurde am 15. März 1885 in der Société National de Musique vom Orchestre des Concerts Colonne unter Édouard Colonne uraufgeführt und kam am 14. Oktober 1885 in Anvers unter Vincent d’Indy (1851-1931) zu einer zweiten Aufführung. Fauré war enttäuscht über die wiederum kühle Aufnahme und zog das Werk zurück. Lediglich das Andante daraus wurde am 23. Mai 1889 noch einmal in den Concerts Lamoureux in Paris gespielt. Dann vernichtete Fauré seine Symphonie op. 40 und bewahrte lediglich die erste Violinstimme der drei Sätze auf, um das herrliche Thema des Andante 1916 im wunderbaren langsamen Satz seiner 2. Sonate für Violine und Klavier op. 108 und Elemente des einleitenden Allegro deciso 1917 im Kopfsatz seiner 1. Sonate für Cello und Klavier op. 109 wiederzuverwenden.

Solche Ehren scheinen dem Violinkonzert nicht beschieden gewesen zu sein. Das Allegro als einzig erhaltener Satz daraus offeriert die bekannten Qualitäten des Komponisten, wobei die Orchestration nicht als außerordentlich inspiriert oder raffiniert zu charakterisieren ist. Immerhin ist es seit dem Erscheinen von Spadas Ausgabe 1981 immer wieder im Konzert zu hören und mehrfach aufgenommen worden.

Christoph Schlüren, Mai 2016

Aufführungsmaterial ist vom Verlag Boccaccini & Spada, Albano Laziale zu beziehen.

Partitur Nr.

1830

Edition

Repertoire Explorer

Sonderedition
Genre

Violin & Orchestra

Format

160 x 240 mm

Performance materials
Piano reduction
Anmerkungen
Druck

Reprint

Seiten

124

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