Elgar, Edward

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Elgar, Edward

Civic Fanfare (Hereford) or full orchestra (with an additional version for wind band, arranged by Phillip Brookes / new print)

12,00 

Edward William Elgar
(geb. Lower Broadheath, Worcester, 2. Juni 1857 – gest. Worcester, 23. Februar 1934)

Civic Fanfare (Hereford) für grosses Orchester

mit zusätzlicher Version für Blasorchester
arrangiert von Phillip Brookes

Vorwort
Das Three Choirs Festival ist das älteste klassische Musikfestival Englands. Werbematerial von 1619 lässt bereits auf eine regelmäßige Veranstaltung schließen. Im 19. Jahrhundert hatte sich die Veranstaltung zu einer Institution entwickelt, der die Domstädte Worcester, Hereford und Gloucester abwechselnd als Veranstaltungsort dienten für einige Tage voller Chor- und Orchestermusik. An diesen drei wunderschönen Orten wurde zahlreiche neue Werke aus der Taufe gehoben. Sollte ein Komponist untrennbar mit dem Three Choirs Festival verbunden sein, so ist es Edward Elgar, gebürtig in Worcester. Anfangs spielte Elgar im Orchester für das Worcester Festival von 1878, später aber nahm er bis 1933 beinahe jedes Jahr am Festival teil, entweder als Musiker, Dirigent oder prominenter Gast.

1927 fand das Festival in Hereford statt. Tatsächlich lebte Elgar einige Jahre in dieser Stadt, bevor er nach London zog. Hier komponierte er seine beiden Symphonien, das Violinkonzert und Introduktion & Allegro für Streicher. Sein guter Freund Percy Hull war Organist an der Hereforder Kathedrale, und mit ihm begann die Geschichte der Civic Fanfare.

Der Auslöser war Pedanterie. Für den Bürgermeister von Hereford und seine diversen Würdenträger war es Tradition, beim des Eröffnungskonzerts zum Gesangs der Nationalhymne feierlich in die Kathedrale einzuziehen. Dies galt zumindest so lange, bis jemand bemängelte, dass die Nationalhymne eigentlich erst erklingen dürfe, wenn der Abgesandte des Königs, Lord Leutnant von Herefordshire [oder „deutscher“: der Grafschaft Hereford], unmittelbar nach dem Bürgermeister und seinem Tross die Kathedrale betrat. Percy Hull fragte Elgar, ob er etwas schreiben könne, was God Save The King vorangehe, während die Gruppe um den Bürgermeisters eintrete. Elgar akzeptierte bereitwillig, das Resultat war die Civic Fanfare.

Doch es gab noch etwas anderes. Durch den Gebrauch von elektrischen Mikrophonen hatte die Aufnahmetechnik große Verbesserungen erlebt, und die Gramophony Company (HMV) war erpicht darauf, eine experimentelle Aufnahme beim Three Choirs Festival 1927 zu machen. Es stand das Angebot, einen mit der neuesten Technologie ausgestatteten Transporter bereitzustellen, um so viele Aufnahmen wie möglich unter ‚live‘-Bedingungen zu machen. Und so sollte das allererste Stück Elgars neue Fanfare sein, welche am 4. September gespielt werden sollte, .

Doch die technischen Anforderungen waren enorm. Da es während des Festivals keine Unterbrechung geben durfte, mussten die Mikrophone während der Proben ohne Publikum ausgepegelt werden. Niemand wusste, wie unterschiedlich die akustischen Bedingungen zwischen einer leeren und einer zum Eröffnungskonzert voll besetzten Kathedrale sein würden. Während der Veranstaltung wurde die Fanfare zweimal aufgenommen, da die Partei des Bürgermeisters versäumte, während der ersten Aufführung einzutreten und Elgar das Stück wiederholen musste. Im Großen und Ganzen war das Hereford-Experiment von HMV nicht erfolgreich. Von den 26 Tonaufnahmen (von Werken Elgars, Holsts, Parrys und anderen) wurden lediglich acht veröffentlicht, und das nur auf Grund der Intervention ranghoher Persönlichkeiten beim HMV. Die Aufnahme der Civic Fanfare war inakzeptabel, aber Elgar erhielt einen Testpressung, welche erhalten blieb, so dass wir Elgars Uraufführung unter eigener Leitung hören können. Bernard Wratten von HMV schrieb, „[Sir Edward Elgar] war ein Meister des Grammophons zu einer Zeit, da die meisten seiner Zeitgenossen – insbesondere diejenigen im Umfeld des Three Choirs Festival – dem neuen Medium entweder ungeniert verächtlich oder teilnahmslos herablassend gegenüberstanden“.

Die Civic Fanfare dauert kaum über anderthalb Minuten, doch sogar hier vermeidet Elgar das Vorhersehbare. Die Fanfare beginnt in B-Dur, ein Mittelteil in D-Dur kehrt zu feierlichen Fanfaren nach B-Dur zurück, bevor alles in sich zusammenbricht (in wahrer Elgar-Manier) und durch es-Moll, b-Moll und Ces-Dur zu einem ruhigen Schluss führt, an den God Save The King in B-Dur oder G-Dur (derzeit war B-Dur gebräuchlich) perfekt anschließen kann.

Die Civic Fanfare wurde bis 1949 bei jedem Three Choirs Festival in Hereford gespielt.

Zwei Eigenheiten sind bemerkenswert. Dies ist die einzige Partitur Elgars, die keine Violinen nutzt. Der Komponist skizzierte eine Stimme für die zweite Violine, strich sie aber später heraus. Zweitens gibt es die Sache mit der Wiederholung der Takte sieben bis elf. Diese erschien bisher in keiner Skizze oder Partitur, doch Elgar schloss diese Wiederholung in der Liveaufführung in der Hereford-Kathedrale ein. Den genauen Grund dessen kennen wir nicht, aber es scheint sehr wahrscheinlich, dass es als Hilfsmittel eingesetzt wurde, um der Partei des Bürgermeisters mehr Zeit zu verschaffen, die Kathedrale zu betreten. Die Wiederholung ist in der vorliegenden Edition enthalten, doch gibt es keinen Grund, anzunehmen, dass Elgar sie für Aufführungen außerhalb von Hereford vorsah.

Zuletzt enthält diese Edition einen alternativen Schluss, der offenkundig aus den Skizzen hervorgeht, aber nicht in der finalen Partitur vorkommt. Am ehesten scheint es plausibel, dass Elgar diese Idee aufgab, da sie ungeeignet war, zu God Save The King überzuleiten; wenn dem so ist, könnte sie als angemessen gedacht sein, wenn die Fanfare alleine gespielt wird: Der Beckenschlag ist sicherlich dramatisch. Deshalb ist er hier mit einbegriffen, wenngleich eigenmächtig.

Die Blasorchesterversion wurde angefertigt aufgrund ihrer offenkundigen Nützlichkeit. Das Blech (mit der Ausnahme des Euphoniums) und das Schlagwerg sind identisch mit dem Original für Orchester. Obgleich sie nicht in der Blasorchester-Partitur vorliegt, kann die Orgel beginnend mit Takt 14 hinzugefügt werden.

Übersetzung: Oliver Fränzke

Aufführungsmaterial ist von Musikproduktion Höflich (https://musikmph.de), München, zu beziehen.

 

 

 

Partitur Nr.

1872

Sonderedition

The Phillip Brookes Collection

Genre

Orchester

Format

210 x 297 mm

Aufführungsmaterial

vorhanden

Druck

Neudruck

Seiten

20