Bull, Edvard Hagerup

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Bull, Edvard Hagerup

Duo no. 1 pour violon et piano Op. 18a (first print, score and parts)

28,00 

Edvard Hagerup Bull

Duo no. 1 pour violon et piano op. 18a (1956)

(geb. Bergen, 10. Juni 1922 – gest. Oslo, 15. März 2012)

 

Preface
Edvard Hagerup Bull erwarb nach dem Studium Arild Sandvold (1895-1984) 1947 in Oslo sein Diplom als Organist. Außerdem studierte er Klavier bei Erling Westher (1903-86) und Reimar Riefling (1898-1981) sowie Komposition bei Bjarne Brustad (1895-1978) und Ludvig Irgens Jensen (1894-1969). Sein Vater Sverre Hagerup Bull (1892-1976) war ein angesehener Musikkritiker und sowohl Herausgeber als auch einer der Hauptautoren der norwegischen Musikenzyklopädie ‚Musikkens Verden’. Edvard Hagerup Bull hatte für einen norwegischen Komponisten eine sehr makellose Herkunft: sein Großvater väterlicherseits war ein Vetter von Edvard Grieg, und Ole Bull war der Onkel des Großvaters. Und eben dieser Großvater war mehrmals Finanz- und Justizminister während der Regierungszeit Christian Mikkelsens, also in der ersten norwegischen Regierung, nachdem das Land 1905 unabhängig von Schweden geworden war.

Von 1948 bis 1953 studierte Hagerup Bull am Pariser Conservatoire Komposition bei Darius Milhaud (1892-1974) und Jean Rivier (1896-1987) sowie Musikanalyse bei Olivier Messiaen (1908-92). Später, 1959-61, verbrachte er zwei weitere Jahre in Berlin, wo ihn Boris Blacher (1903-75) in Komposition und Josef Rufer (1893-1985) in Analyse unterwies. Zurück in Norwegen, war er nunmehr gerüstet, sich als freischaffender Komponist zu etablieren. Doch dazu kam es nicht. Er begegnete enormer Gleichgültigkeit, auch offenkundiger Feindseligkeit gegen seine Musik in seiner Heimat. Letzteres kam in geradezu symbolhafter Weise in der überwältigenden Flut negativer Kritiken zum Ausdruck, die seine Zweite Symphonie nach der Uraufführung 1963 in Oslo erhielt. Nach einer langen Krise, und mit einer jungen Familie, um die er sich zu kümmern hatte, entschied er sich, nach Frankreich zu übersiedeln, nachdem ihm sein geliebter Meister Milhaud versichert hatte, dass er sich wirklich auf dem richtigen Wege befinde, und dass die Zweite Symphonie ein herausragendes Werk sei, das die schlechten Kritiken keineswegs verdient hatte. In der Tat schätzte Milhaud Bull als einen seiner brillantesten Schüler und beschrieb ihn als einen „Musiker mit einer ausgezeichneten Technik und einer wirklich sehr verbindlichen, kraftvollen Persönlichkeit voller Phantasie“. Milhauds originale Worte lauten: «Je

[…] certifie que le compositeur norvégien Edvard Hagerup Bull […] es tun musicien d’une technique solide et d’une personalité vraiment très attachante, vigoureuse et pleine de fantaisie» (17. Oktober 1963)

Während seiner Pariser Zeit erhielt Hagerup Bull sowohl Kompositionsaufträge von Radio France (‚Sinfonia Humana’ op. 37, ‚Air solennel’ op. 42 und ‚Posthumes’ op. 47) als auch von weiteren herausragenden französischen Ensembles wie dem Quatuor Instrumental de Paris, dem Ensemble Moderne de Paris und dem Trio Ravel. Auch war er der erste norwegische Komponist, der vom französischen Kulturministerium zwei Aufträge erhielt. Die resultierenden Werke waren seine Fünfte Symphonie (‚Sinfonia in memoriam’ op. 41) und das Concerto pour flûte et orchestre de chambre op. 33.

1987 kehrte Hagerup Bull nach Norwegen zurück. Das Jahr seines 80. Geburtstages wurde in seiner Heimat mit der Uraufführung seiner ‚Sinfonia espressiva’ (der Dritten Symphonie von 1964!) durch das Bergen Philharmonic Orchestra unter David Porcelijn (geb. 1947) begangen, flankiert von einem größeren Konzert mit Bulls Kammermusik unter dem Dach der Bergener Kammermusik-Gesellschaft.

Am 13. August 2006 wurde anlässlich des 45. Jahrestags des Baus der Berliner Mauer am Checkpoint Charlie Hagerup Bulls ‚Épilogue’ op. 26 für Streichorchester durch das deutsche Kammerorchester Berlin unter Jon Bara Johansen (geb. 1952) in Anwesenheit des Komponisten aufgeführt. Es ist dies die einzige Komposition, von der wir wissen, dass sie als Zeichen des Protests gegen den Bau der Berliner Mauer geschrieben wurde, und Bull vermachte sein originales Partiturmanuskript dem Mauermuseum. Dies war zugleich sein letzter öffentlicher Auftritt.

Aufgrund zunehmender Erblindung konnte Hagerup Bull in den letzten elf Jahren seines Lebens nicht mehr komponieren. Nach einer Zeit der Krankheit starb er drei Monate vor seinem 90. Geburtstag in Oslo.

Edvard Hagerup Bull ist einer der großen skandinavischen Komponisten des 20. Jahrhunderts, mit einer sofort erkennbaren eigenen Stimme. Mehr als die Hälfte seines Schaffens ist immer noch unveröffentlicht, und nur ein Bruchteil seiner Musik ist bisher professionell aufgenommen worden. Entsprechend sporadisch kommt es zu Aufführungen seiner Musik. Umso stolzer sind wir, hiermit den Erstdruck seines ersten Duos für Violine und Klavier präsentieren zu können. Das Werk existiert – wie es in Bulls Werken öfters der Fall ist – in zwei Fassungen: der hier vorliegenden Originalfassung und einer Version für Violine und Streichorchester, die den Titel ‚Dialogue pour violon et orchestre de chambre’ op. 18b trägt und bis jetzt noch nicht zur Aufführung gekommen ist. Das Duo für Violine und Klavier op. 18a entstand 1956. Es ist ein typisches Werk für Bulls Stil während der Pariser Studienzeit und in den unmittelbar anschließenden Jahren: voller Leben und Frische, mit einem unaufhaltsam scheinenden Fluss der Imagination, zugleich gezeichnet von rigoroser handwerklicher Befähigung. In Teilen des zweiten Satzes kommt die Liebe des Komponisten zum Jazz zum Vorschein. Unverkennbar bevorzugt er durch das ganze Werk die freudige Beschwingtheit des Dreier-Metrums.

Das Duo pour violon et piano op. 18a kam 1957 beim ORTF in Paris durch Janine Volant-Panel (Violine) und Françoise Petit (1925-2015; Klavier) zur Uraufführung.

Die erste Aufnahme des Duos machten Ricardo Odriozola und Einar Røttingen für das Label Vestnorsk Plateselskap (VNP CD 2004-0061).

In Pariser Kritiken der späten 1950er Jahre heißt es über das Werk:

„Das Duo für Violine und Klavier von Edvard Hagerup Bull ist ein bedeutendes Werk. Er ist mit einer sehr starken Persönlichkeit gesegnet. Schon nach den allerersten Takten wird man unmittelbar gewahr, wie er – sicher und überzeugend – sich mit einer vollkommen neuen musikalischen Sprache vorstellt.“ (Marcel Claudel – La Vie musicale et théâtrale – Paris, Juli 1957)

„Gerne möchten wir ihre Aufmerksamkeit auf das Duo für Violine und Klavier lenken, indem es zu den interessantesten Aufführungen hier zählte. Edvard Hagerup Bull, Schüler Jean Riviers, ist ein junger norwegischer Komponist, dessen sichere und elegante Technik stark erstrahlte.“ (Maxime Bellard – Jours de Paris – 31. Mai 1957)

„Im Duo für Violine und Klavier […] traten wieder einmal der Charakter und die Eigenart des Komponisten unmissverständlich hervor.“ (Jean Micault – Jours de Paris – 5. März 1958)

Ricardo Odriozola, Svelvik, 7. September 2015

Score No.

1824

Edition
Special Edition

Amethyst Edition

Genre

Chamber Music

Size

225 x 320 mm

Specifics

Set Score & Parts

Printing

First print

Seiten

76