Bull, Edvard Hagerup

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Bull, Edvard Hagerup

Duo no. 2 pour violon et piano op. 44c (score and parts / first print)

25,00 

Edvard Hagerup Bull

(geb. Bergen, 10. Juni 1922 – gest. Oslo, 15. März 2012)

Duo no. 2 pour violon et piano op. 44c
(1973)

premier mouvement p. 2
deuxième mouvement p. 11

Preface
Edvard Hagerup Bull erwarb nach dem Studium Arild Sandvold (1895-1984) 1947 in Oslo sein Diplom als Organist. Außerdem studierte er Klavier bei Erling Westher (1903-86) und Reimar Riefling (1898-1981) sowie Komposition bei Bjarne Brustad (1895-1978) und Ludvig Irgens Jensen (1894-1969). Sein Vater Sverre Hagerup Bull (1892-1976) war ein angesehener Musikkritiker und sowohl Herausgeber als auch einer der Hauptautoren der norwegischen Musikenzyklopädie ‚Musikkens Verden’. Edvard Hagerup Bull hatte für einen norwegischen Komponisten eine sehr makellose Herkunft: sein Großvater väterlicherseits war ein Vetter von Edvard Grieg, und Ole Bull war der Onkel des Großvaters. Und eben dieser Großvater war mehrmals Finanz- und Justizminister während der Regierungszeit Christian Mikkelsens, also in der ersten norwegischen Regierung, nachdem das Land 1905 unabhängig von Schweden geworden war.
Von 1948 bis 1953 studierte Hagerup Bull am Pariser Conservatoire Komposition bei Darius Milhaud (1892-1974) und Jean Rivier (1896-1987) sowie Musikanalyse bei Olivier Messiaen (1908-92). Später, 1959-61, verbrachte er zwei weitere Jahre in Berlin, wo ihn Boris Blacher (1903-75) in Komposition und Josef Rufer (1893-1985) in Analyse unterwies. Zurück in Norwegen, war er nunmehr gerüstet, sich als freischaffender Komponist zu etablieren. Doch dazu kam es nicht. Er begegnete enormer Gleichgültigkeit, auch offenkundiger Feindseligkeit gegen seine Musik in seiner Heimat. Letzteres kam in geradezu symbolhafter Weise in der überwältigenden Flut negativer Kritiken zum Ausdruck, die seine Zweite Symphonie nach der Uraufführung 1963 in Oslo erhielt. Nach einer langen Krise, und mit einer jungen Familie, um die er sich zu kümmern hatte, entschied er sich, nach Frankreich zu übersiedeln, nachdem ihm sein geliebter Meister Milhaud versichert hatte, dass er sich wirklich auf dem richtigen Wege befinde, und dass die Zweite Symphonie ein herausragendes Werk sei, das die schlechten Kritiken keineswegs verdient hatte. In der Tat schätzte Milhaud Bull als einen seiner brillantesten Schüler und beschrieb ihn als einen „Musiker mit einer ausgezeichneten Technik und einer wirklich sehr verbindlichen, kraftvollen Persönlichkeit voller Phantasie“. Milhauds originale Worte lauten: «Je

[…] certifie que le compositeur norvégien Edvard Hagerup Bull […] es tun musicien d’une technique solide et d’une personalité vraiment très attachante, vigoureuse et pleine de fantaisie» (17. Oktober 1963)

Während seiner Pariser Zeit erhielt Hagerup Bull sowohl Kompositionsaufträge von Radio France (‚Sinfonia Humana’ op. 37, ‚Air solennel’ op. 42 und ‚Posthumes’ op. 47) als auch von weiteren herausragenden französischen Ensembles wie dem Quatuor Instrumental de Paris, dem Ensemble Moderne de Paris und dem Trio Ravel. Auch war er der erste norwegische Komponist, der vom französischen Kulturministerium zwei Aufträge erhielt. Die resultierenden Werke waren seine Fünfte Symphonie (‚Sinfonia in memoriam’ op. 41) und das Concerto pour flûte et orchestre de chambre op. 33.
1987 kehrte Hagerup Bull nach Norwegen zurück. Das Jahr seines 80. Geburtstages wurde in seiner Heimat mit der Uraufführung seiner ‚Sinfonia espressiva’ (der Dritten Symphonie von 1964!) durch das Bergen Philharmonic Orchestra unter David Porcelijn (geb. 1947) begangen, flankiert von einem größeren Konzert mit Bulls Kammermusik unter dem Dach der Bergener Kammermusik-Gesellschaft.
Am 13. August 2006 wurde anlässlich des 45. Jahrestags des Baus der Berliner Mauer am Checkpoint Charlie Hagerup Bulls ‚Épilogue’ op. 26 für Streichorchester durch das deutsche Kammerorchester Berlin unter Jon Bara Johansen (geb. 1952) in Anwesenheit des Komponisten aufgeführt. Es ist dies die einzige Komposition, von der wir wissen, dass sie als Zeichen des Protests gegen den Bau der Berliner Mauer geschrieben wurde, und Bull vermachte sein originales Partiturmanuskript dem Mauermuseum. Dies war zugleich sein letzter öffentlicher Auftritt.
Aufgrund zunehmender Erblindung konnte Hagerup Bull in den letzten elf Jahren seines Lebens nicht mehr komponieren. Nach einer Zeit der Krankheit starb er drei Monate vor seinem 90. Geburtstag in Oslo.
Edvard Hagerup Bull ist einer der großen skandinavischen Komponisten des 20. Jahrhunderts, mit einer sofort erkennbaren eigenen Stimme. Mehr als die Hälfte seines Schaffens ist immer noch unveröffentlicht, und nur ein Bruchteil seiner Musik ist bisher professionell aufgenommen worden. Entsprechend sporadisch kommt es zu Aufführungen seiner Musik. Umso stolzer sind wir, hiermit den Erstdruck seines ersten Duos für Violine und Klavier präsentieren zu können. Das Werk existiert – wie es in Bulls Werken öfters der Fall ist – in zwei Fassungen: der hier vorliegenden und der Version für Bratsche und Klavier op. 44b. Es mag erstaunen, dass Fyrtøyet (‘Das Pulverfass’ nach dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen [1805-75]), die erste, bis heute unaufgeführt gebliebene Oper von Hagerup Bull, die Opusnummer 44a trägt; der Grund dafür ist, dass die Ouvertüre zur Oper eine Orchestration des ersten Satzes des vorliegenden Duos ist.
Das Duo pour violon et piano op. 44c entstand 1973. Es ist sehr typisch für Hagerup Bulls gereiften Stil, der sich nach den Studienjahren in Berlin bei Blacher und Rufer herauskristallisierte. Dieser Stil ist von hoher Dichte Klingender Information und expressiver Konzentration gekennzeichnet. Die Harmonien basieren oft auf Quarten und Quinten (den nächsten Verwandten), sind jedoch meist durch Tritoni, große Spetimen und kleine Nonen (also die entferntesten Verwandten) verschleiert sowie durch vertrackte melodische Führung. Die Körperlichkeit, die in Hagerup Bulls Musik immer eine tragende Rolle gespielt hat, das rhythmische Pulsieren, ist gegenüber den früheren Werken noch dominanter geworden. Das ist wahrhaft kräftigende, belebende Musik sowohl für die Aufführenden als auch für die Zuhörer.
Obwohl das Werk bereits 1973 entstanden ist, dauerte es bis zum 23. Mai 1999, als Ricardo Odriozola und Einar Røttingen als Teil des Bergen International Festival in Siljustøl (dem Heim von Harald Sæverud) die Uraufführung spielten. Daraufhin widmete der Komponist das Duo den Aufführenden, die es später erstmals auf der CD ‘Reflections’ (VNP CD 2004 – 0061) einspielten. Man kann ihre Aufführung des Duos auch auf Youtube sehen und hören.
Espen Selvik schrieb die folgende Kritik nach der Uraufführung für Bergens Tidende: “Um die Musik Hagerup Bulls zu beurteilen, muss ich starke Worte verwenden. Sie hat den Funken des Genius, indem sie mit ihren Mitteln des Ausdrucks auf unglaublich klare und überragende Weise ökonomisch ist. Zugleich führt Hagerup Bull kurze Pausen absoluter Stille ein. Selten habe ich einen Komponisten erlebt, der die Entfaltung der Form in solchem Ausmaß meistert wie Edvard Hagerup Bull. Die tonale Sprache ist kraftvoll, doch die Energie ist in einem kontinuierlichen Fluss, der viele Nuancen und Farben am Wege zutage treten lässt.”

Ricardo Odriozola, Svelvik 8 July 2016

Partitur Nr.

1895

Sonderedition

Amethyst Edition

Genre

Kammermusik

Format

225 x 320 mm

Anmerkungen

Set Score & Parts

Druck

Erstdruck

Seiten

84