Bruch, Max

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Bruch, Max

Serenade for Strings after Swedish Folk Melodies, Op.posthum

Art.-Nr.: 1974 Kategorie:

14,00 

Max Bruch – Serenade nach schwedischen Melodien für Streichorchester op. posth.

(geb. Köln, 6. Januar 1838 – gest. Friedenau, 20. Oktober 1920)

 

Vorwort
Lässt im Alter die Schaffenskraft eines Komponisten nach? Gerne wird Max Bruch als Beispiel hierfür angeführt. Der Schöpfer des bekannten Violinkonzerts in g-moll, das Bruch mit 28 Jahren zu schreiben begann, ist bei der Fertigstellung der Streicherserenade ( und hier wird bewusst auf den Begriff „Komposition“ verzichtet) schon im fortgeschrittenen Alter von 78 Jahren, also ein halbes Jahrhundert älter. Gesundheitlich angeschlagen, finanziell nicht unbedingt auf Rosen gebettet und im Inneren frustriert über die Tatsache, dass die Musikgeschichte ihn schon zu Lebzeiten überholt und mehr oder weniger an den Rand der Bedeutungslosigkeit gedrängt hat, beobachtet Bruch die Welt um sich herum nicht nur kritisch, sondern auch mit einer Portion Verbitterung. In einem Interview gesteht er sich ein, dass berechtigterweise in einigen Jahren von Brahms, nicht aber von ihm die Rede sein wird, wenn es um große Komponisten geht.

Doch Bruch hatte sich keineswegs kompositorisch zur Ruhe gesetzt. Es entstehen auch in seinen letzten Lebensjahren noch mehrere Werke, und vermutlich sogar mehr, als heute überliefert sind, da einige Manuskripte verloren gingen und bzw. oder noch immer in Archiven ihrer Wiederentdeckung harren. In den überlieferten Spätwerken neigt Bruch allerdings dazu, auf älteres musikalisches Material zurückzugreifen, so dass einige Werke eher eine Bearbeitung als eine Neuschöpfung darstellen. Das gilt auch für die vorliegende Streicherserenade.

Bruchs Vorliebe für einfache, schlichte Melodien fanden ihren Widerhall in der Benutzung von Volksliedern, die Bruch eifrig studierte und für seine Werke adaptierte. So entstand im Jahr 1903 eine Sammlung von neun Liedern und Tänzen nach russischen und schwedischen Melodien für Violine und Klavier op. 79, die auch sogleich im Verlag Simrock veröffentlicht wurde. Bereits einige Jahre zuvor hatte der gleiche Verlag 16 Schwedische Tänze op.63 in gleicher Besetzung von Bruch publiziert. Der gute Absatz veranlasste Bruch seinerzeit auch sogleich zu einer Orchestrierung der Schwedischen Tänze, und auch im Falle von op. 79 entschloss sich Bruch, aus dem Material zwei jeweils fünfsätzige Orchestersuiten für groß besetztes Orchester zu erstellen. Doch dieses Mal handelte es sich nicht nur um eine reine Instrumentierung, sondern um eine umfangreichere Bearbeitung, die auch neues musikalisches Material beinhaltete. Während die erste Suite die russischen Liedelemente aufgriff, war die zweite Suite den schwedischen Liedern vorbehalten. Zwischen 1904 und 1906 stellte Bruch die zwei Suiten fertig, doch es kam nur zur Veröffentlichung der ersten Suite, die als op. 79b unter dem Titel Suite nach russischen Volksmelodien bei Simrock erschien. Die zweite Suite wurde am 10. März 1906 in Barmen uraufgeführt, doch ihre Spur verliert sich danach schnell. Ihr Manuskript wurde von Bruchs Erben zu Beginn des zweiten Weltkriegs dem Verlag Rudolf Eichmann anvertraut, und erst 1956 erschien in diesem Verlag eine Druckfassung unter dem Titel Nordland-Suite, die vermutlich auf diese Partitur zurückgeht. Die Handschrift selbst ist bis heute noch nicht wieder aufgetaucht.

Zumindest 1916 muss Max Bruch aber noch im Besitz des Suitenmanuskripts gewesen sein, denn eben diese Suite diente offensichtlich als Vorlage für die vorliegende Streicherserenade. Auch das Serenadenmanuskript ist heute verschollen, es befand sich wahrscheinlich ebenfalls unter den Handschriften, die von Bruchs Erben an Eichmann übergeben wurden. Glücklicherweise fand man aber an Bruchs letztem Wirkungsort vor seiner Pensionierung, der Hochschule für Musik in Berlin, eine Kopistenabschrift des Werkes und Streicherstimmen, die teilweise Bruch selber geschrieben hatte. Über den Entstehungsanlass der Streicherserenade ist leider nichts bekannt, aber durch den Vergleich zwischen der Kopie und der Druckausgabe der Nordland-Suite kann man erkennen, wie Bruch bei der Bearbeitung vorgegangen ist. In die Serenade übernommen wurden die letzten vier Sätze der Suite. Der ursprünglich nur abschließende Marsch wird in der Serenade in leicht modifizierter Form auch als Eingangssatz benutzt, ganz im Sinne einer der Serenadentradition entsprechenden Auf- und Abzugsmusik. Seine Vorlage ist der Krönungsmarsch Karls XII (um 1700). Die anderen Sätze wurden in der Form durch Weglassen von Wiederholungen und Einleitungen gestrafft. Bei dem zweiten und vierten Satz dienten zwei Liebeslieder als Vorlagen, der dritte Satz stellt einen dalekarlischen Tanz dar (Dalekarien bzw. Dalarna, historische Provinz in Mittelschweden). Darüber hinaus musste natürlich die Instrumentation geändert werden, das großbesetzte Orchester wird nun durch ein kleines Streicherensemble ersetzt. Mag auch Bruch nicht mehr über den Ideenreichtum vergangener Jahre verfügt haben, so erkennt man aber doch in der Art dieser Bearbeitung den routinierten Tonsetzer. Ganz subtil verändert er den prächtigen Orchesterklang in den intimeren Klang der Streichergruppe – gar so, als wäre das Werk nie für eine andere Besetzung konzipiert gewesen. In dieser Form wurde die Streicherserenade erst im Jahr 1997 erstmalig veröffentlicht (Edition Kunzelmann). Während von den Vorläuferkompositionen, aus denen die Streicherserenade entstand, gegenwärtig keine Aufnahmen auf Tonträgern auf dem Markt existieren, ist die Serenade inzwischen mehrfach eingespielt worden. Die vorliegende Partiturausgabe möge dazu beitragen, auch zukünftig das Interesse an Bruchs Musik nicht einzig auf sein erstes Violinkonzert zu fokussieren.

Wolfgang Eggerking, 2015

Aufführungsmaterial ist von Boosey & Hawkes, Berlin, zu beziehen.

Partitur Nr.

1974

Edition

Repertoire Explorer

Genre

Streichorchester

Format

225 x 320 mm

Druck

Reprint

Seiten

24