Beethoven, Ludwig van

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Beethoven, Ludwig van

Triumphal March WoO 2a, incidental Music for Christoph Kuffner’s tragedy Tarpeja / Introduction to Act II [of Leonore], WoO 2b [formerly thought to be for Tarpeja]

Art.-Nr.: 1814 Kategorien: ,

16,00 

Ludwig van Beethoven


Triumphmarsch
WoO 2a,
Bühnenmusik zu Christoph Kuffners Tragödie Tarpeja
Einleitung zu Akt II (von Leonore), WoO 2b (ursprünglich vermutet als für Tarpeja gedacht)

(geb. Bonn ,17. Dezember 1770, – gest. Wien, 26. März 1827)

Komposition
Februar – März 1813, während der Komposition des Chorwerks Meerstille und Glückliche Fahrt (op. 112), 31 Bearbeitungen von Volksliedern für den schottischen Herausgeber George Thompson und der Revision seiner Violinsonate.

Premiere
26. März 1813 am Wiener Hofburgtheater

Frühe Veröffentlichungen
Orchesterpartitur von WoO 2a veröffentlicht von Bey Kaulfuss und Krammer (Wien, 1825)
mit frühen Fassungen für Klavier zu vier und zwei Händen, veröffentlicht von Haflinger.

Klavierauszüge
WoO 2a, veröffentlicht vom Hoftheater-Musik-Verlag (Wien, 1813), Lischke (Berlin, 1817)
und Haslinger (Wien, 1833)

Beethoven bot WoO 2b Schlesinger (Berlin, 31. Mai 1826) an, und das autographe Manuskript
enthält keine Referenzen zu Tarpeja oder Leonore.

Besetzung
Zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten in C, zwei Fagotte, zwei Trompeten in C, zwei Hörner in C,
Pauken (F, C, A), und Streicher.

Märsche
Die Idee einer „Wiener Öffentlichkeit“ beruhte teilweise auf der Freiwilligen – Mobilisierung der 1790er bis 1810er Jahre, insbesondere nach der Einführung des militärischen Landwehrsystems (1808). Wie schon im Zusammenhang mit den Freiwilligen-Batallionen von1797 geschehen, wurden Märsche und Gesänge in Auftrag gegeben, um die neuen zeremoniellen Praktiken (öffentliche Segnungen und Abschiedszeremonien) der Landwehr zu versorgen.

Beethoven schuf mehr als ein Dutzend Märsche, darunter einen für Fidelio, für die „türkische“ Episode für Männerstimmen im letzten Satz seiner Neunten Symphonie und die Märsche aus Die Ruinen von Athen. Die Vertonungen umfassen alle möglichen Grössen von Orchester und Bläserensembles bis hin zur Spieluhr. Oft umrahmte der Komponist seine öffentlichen Konzerte mit Märschen und demonstrierte auf diese Weise seine Vertrautheit mit der Militärmusik seiner Zeit.

Johann Maelzels (1772-1836) weit verbreiteten mechanischen Instrumente spielten hauptsächlich Militärmärsche. Beethoven schrieb Wellingtons Sieg für Maelzels Panharmonicon als Nachfolger des Allegretto aus Haydns „Militär“Symphonie. Maelzels mechanischer Trompeter, der zwischen den Premieren von Wellingtons Sieg und der Siebten Symphonie in der Halle der Universität (8. Dezember 1813) zur Schau gestellt wurde, spielte Märsche von Adalbert Gyrowetz (1763 – 1850).

Ort der Handlung
Der tarpejische Felsen ist die 25 Meter hohe südliche Spitze des kapitolinischen Hügels, die das römische Forum überblickt. Er wurde als Hinrichtungsplatz benutzt und wird assoziiert mit der vestalischen Jungfrau Tarpeja, Tochter des Burgvogts Spurio Tarpeja. Buch 1 von Livius‘ Ab Urbe Condita berichtet, wie Tarpeja dem Titus Tatius, König der Sabiner, die Tore öffnet und ihm ermöglicht, den Pass über Rom nach dem Raub der Sabinerinnen (750 vor Christus) zu erobern. Als Strafe wurde Tarpeja von den schweren Schildern der Soldaten erdrückt und nahe dem Felsen beerdigt, der heute ihren Namen trägt ((Saxum Tarpeum, der Fels der Tarpeja). Die Schreine der Sabiner auf der Spitze des Felsens wurden ersetzt (500 vor Christus) durch den Tempel des Jupiter Capitolinus, platziert zwischen zwei Gipfeln des Hügels.

Der Autor
Als junger Mann war Christoph Kuffner (1780-1846) ein produktiver Autor mit starkem Interesse am römischen Altertum. Im frühen 19. Jahrhundert kannte man ihn durch seine Adaptionen der Werke des römischen komischen Dichters Plautus. Er hatte auch bei Anton Wranitzky (1761-1819), dem Direktor des Prinz-Lobkowitz-Orchesters Musik studiert. Kuffner wurde einer der ersten Herausgeber der einflussreichen Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur und Mode und war ein vielpublizierter Autor und Librettist.

Wahrscheinlich hat Kuffner den Text zu Beethovens Choralfantasie von 1808 verfasst (nach Beethovens Schüler Carl Cuerny), und sein tragisches Bühnenspiel Tarpeja erlebte seine Premiere in Wien am 26. März 1813; es kam jedoch nur zu zwei Aufführungen, danach verschwand das Bühnenstück aus dem Repertoire – Beethovens Bühnenmusik aber war ein bemerkenswerter Beitrag. Um 1820 arbeitete Kuffner im Finanzministerium und Kriegsrat als Konzipist. Er riet Beethoven von seiner Arbeit am Der Sieg des Kreuzes für die Gesellschaft der Musikfreunde im Jahr 1825 ab, schrieb aber eine Synopsis eines unvollendeten Projekts genannt Die vier Elemente und ein vollständiges Libretto namens Sauls Tod oder Saul und David (dieser Text überlebte als Teil von Beethovens Nachlass), das Beethoven nie vertonte.

Beethovens Musik zu Kuffners Bühnenstück
Kuffners Tarpeja spielt im antiken Rom zur Zeit der Sabiner und beginnt, als Tarpeja eine geheime Passage nach Rom an ihrem Liebhaber Tazio, den König der Sabiner, verrät. Beethoven schrieb die heute verschollene Einleitungsmusik zu Akt II, in dem Tarpejas Vater Spurio Tarpeo, der Hauptmann der Besatzung des Capitols, einem etruskischen General die Hand seiner Tochter verspricht (zum Klang des ersten Teils von Beethovens Triumphmarsch, der von ausserhalb der Bühne erklingt). Wissenschaftler wie Clemens Brenneis haben anhand des Wasserzeichens im Papier bewiesen, dass die Einleitungsmusik (WoO 2b) viel älter als dieses Stück ist und ursprünglich komponiert wurde, um Pizzaros erster Arie zu Beginn des Akt II aus der 1805er Premiere von Sonnleitheners Fassung von Beethovens Oper Leonore/Fidelio voranzugehen.

Der Triumphmarsch in C ist eingerahmt von einer fanfarenartigen Melodie mit punktierten Rhythmen, die charakteristisch waren für die kaiserlich österreichischen Militärmärsche. Leise eingeführt von den Blechbläsern wird die Fanfare harmonisiert von pizzicato Streichern, die sich zu einem majestätischen Statement des vollem Orchesters erweitern. Eine Mittelsektion in der dominantischen Tonart G spielt eine leichte triolische Streicherfigur vor einem Hintergrund aus wiederholten Triolenakkorden der Bläser. In typisch Beethovenscher Manier erhebt sich unerwartet die Note Gis und verleiht den zeremoniellen Verzierungen eine pikante Note. Der helle, hoch ausschreitende Abschluss vermittelt die Aufregung einer öffentlichen Feier.

Akt III und IV des Schauspiels entwickelt das sich anbahnende Liebesdreieck und beschreibt die Einkerkerung der Sabiner. Das Schauspiel verlangt nach dem „Klang von Musikinstrumenten“ (vielleicht handelt es sich um verschollene Musik von Beethoven), um die Rückkehr von Spurio Tasreo anzukündigen, der sich mit Tazio duelliert. Als die römischen Soldaten ankommen und beginnen, die Sabiner zu bekämpfen, schreitet der Chor der römischen Frauen ein und stellt sich mitsamt ihren Kindern zwischen die beiden Heere, um ein Massaker zu verhindern. Beethovens vollständiger Triumph-marsch WoO 2a kündet vom Frieden zwischen den beiden Nationen. Ignaz Schuppanzigh (1776-1830) dirigierte diesen Marsch während eines Konzertes im Augarten anlässlich eines erfolgreichen Konzerts, das auch Beethovens Symphonie Nr.5 auf dem Programm hatte (1. Mai 1813).

Quellen
Willy Hess‘ umfangreicher Artikel über Tarpeja, veröffentlicht im Bonner Beethoven – Jahrbuch (1961-1964, pp. 92-147) diskutiert die Struktur von Kuffners Schauspiel und Beethovens literarischer Beziehung zu dessen Autor. Luigi dalla Croces Buch von 2008, Ludwig van Beethoven – Le nove sinfonie e le altre opere per orchestra (564 pp.) enthält einen gut dokumentierten Abschnitt über Beethovens Bühnenmusik.

Die Beethoven-Gesamtausgabe bei Breitkopf und Härtel (veröffentlicht 1862 – 65) enthält den Marsch in Serie II, Nr. 14 mit einleitendem Material und Bemerkungen des Herausgebers. Der Marsch ist ebenfalls bei Henle in deren aktueller Beethoven – Werkausgabe erschienen (IX / 7, mit kritischem Bericht).

©2016 Laura Stanfield Prichard
Boston Baroque & San Francisco Symphony

Aufführungsmaterial ist von Breitkopf und Härtel,Wiesbaden, zu beziehen.

Partitur Nr.

1814

Edition

Repertoire Explorer

Genre

Orchestra

Format

210 x 297 mm

Druck

Reprint

Seiten

32