Bartók, Béla

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Bartók, Béla

Piano Quintet in C major (score and parts)

Art.-Nr.: 1860 Kategorien: ,

62,00 

Béla Bartók

(geb. Groß-Sankt-Nikolaus [Nagyszentmiklós/Sânnicolau Mare], 25. März 1881 – gest. New York City, 26. September 1945)

Klavierquintett C-Dur
(1903-04/rev. 1920)

I Andante (p. 5) – (accelerando al) Allegro (p. 14) – Meno mosso (p. 29) – Allegro molto (p. 31)
II Vivace scherzando (p. 49) – Moderato (p. 64) – Vivace scherzando (p. 68) – Vivo (p. 69) – Moderato (p. 82) –
Vivace (p. 84) – Vivace scherzando (p. 85)
III Adagio (p. 100) – Adagio molto (p. 102) – Meno adagio, maestoso (p. 107) – Adagio molto (p. 109) –
Maestoso (p. 111) – Adagio molto (p. 121) – Agitato – Maestoso (p. 129) –
IV Poco a poco più vivace (p. 133) – Vivace (p. 135) – Vivace molto (p. 137) – Moderato (p. 142) – Vivace molto (p. 144) – Vivo (p. 146) – Vivace (p. 150) – Poco a poco più agitato (p. 155) – Maestoso (meno vivo) (p. 158) – A tempo più vivo (p. 162)- Presto (p. 164) – Meno mosso – Moderato (p. 167) – Prestissimo (p. 168) – Ritardando (p. 172)

Vorwort
Immer noch haben viele Musikkenner und –liebhaber nicht zur Kenntnis genommen, dass Béla Bartók 1903-04 ein großes Klavierquintett – sein umfangreichstes Kammermusikwerk übrigens – schrieb, das sowohl bezüglich der Substanz als auch der Wirkung das Zeug hat, zu den meistgespielten Beiträgen der Gattung zu gehören. Wie konnte es geschehen, dass ein solches Werk für fast ein halbes Jahrhundert gänzlich in der Versenkung verschwand und auch seither – trotz des Einsatzes auch prominenter nicht-ungarischer Musiker – nur ein Schattendasein im Konzertleben fristet? Dies ist vor allem der rückwirkenden Beurteilung des Komponisten geschuldet, und der oberflächlichen Übernahme und Auslegung desselben durch seine Exegeten. Es ist kaum zu glauben, dass immer wieder allen Ernstes behauptet wird, in diesem Werk sei der Einfluss von Johannes Brahms noch stark wirksam, und deutliche Spuren von Richard Strauss seien vorhanden. Natürlich gibt es die Anbindung an die Tradition hier noch weit mehr als spätestens ab der 1905-07 entstandenen Zweiten Orchestersuite op. 4. Wobei zu betonen ist, dass Bartóks tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Schaffen Franz Liszts erst nach der Fertigstellung des Klavierquintetts einsetzte und es von daher naheliegt, die zyklische Formung des Werkes – also die Wiederkehr des Hauptthemas aus dem Kopfsatz im Finale – vor allem auf den Einfluss des seinerzeit äußerst erfolgreichen und für Ungarn als geradezu modellhaft repräsentierend angesehenen Klavierquintetts op. 1 von Ernö Dohnányi (1877-1960) zurückzuführen, das 1895 enstanden und 1902 bei Doblinger in Wien im Druck erschienen war. (Leider ist ein 1897, also zwei Jahre nach Dohnányis so durchschlagend erfolgreichem Werk und sechs Jahre vor dem hier vorliegenden, als Student von Hans Koessler [1853-1926] entstandenes erstes Klavierquintett Bartóks in C-Dur verloren gegangen.) Damit jedenfalls hat sich die Parallele der beiden Klavierquintette der fast gleichaltrigen ungarischen Meister auch schon weitestgehend erschöpft: Dohnányis Werk steht voll und ganz in der deutschen Tradition mit slawisch-ungarischem Einschlag, wogegen Bartók bereits offenkundig einen unverkennbar neuen Weg einschlägt, wenngleich er noch nicht seine eigene Tonsprache gefunden hatte, sondern auf der Suche nach dieser war. Es ist ein häufig begangener Fehler, die Qualität eines Werkes an dem zu messen, was danach gekommen ist, und es wäre an der Zeit, Bartóks Klavierquintett rein historisch ausschließlich unter dem Blickwinkel zu betrachten, was seine Vorgänger geschaffen haben.

Bartók selbst beschrieb die Situation, in welcher das Klavierquintett entstand, in seiner autobiographischen Skizze von 1921. Er stellte fest, dass ihn die Entdeckung der Tondichtungen von Richard Strauss aus einer schöpferischen Krise befreite, worauf er wieder komponierte. Hinzu kam die „nationalistische Bewegung“ in den Künsten, die auch ihn dazu bewegte, „etwas typisch Ungarisches“ schaffen zu wollen, worauf er sich dem zuwandte, was „damals als ungarische Volksmusik angesehen wurde“:„Unter diesen verschiedenen Einflüssen komponierte ich 1903 eine symphonische Dichtung mit dem Titel ‚Kossuth’, die sofort von Hans Richter zur Aufführung in Manchester (im Februar 1904) angenommen wurde. Eine Violinsonate und ein Klavierquintett entstanden auch in jener Zeit. Diese drei Werke sind bis heute unveröffentlicht geblieben. Zu dieser Periode können wir auch noch die 1904 komponierte Rhapsodie für Klavier und Orchester (Opus 1) […] sowie die Erste Suite für großes Orchester von 1905 zählen.“

In der Folge bekräftigte Bartók, dass er seine Sprache erstmals in seinem Opus 4 gefunden habe.

Das erste Werk Bartóks, dem postum wirklich nachhaltige Bedeutung zuerkannt wurde, und welches in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder im Konzert gespielt und mehrfach kommerziell aufgenommen wurde, ist die symphonische Dichtung ‚Kossuth’. Ungefähr zur gleichen Zeit schrieb Bartók auch eine ‚Marche funèbre’ für Klavier solo und vier Klavierlieder, welche leider verschollen sind. Und dann kam auch schon das große viersätzige Klavierquintett, das mutig und entschlossen an eine Gattungstradition anknüpfte, die bereits auf unvergängliche Meisterwerke von Schumann, Brahms, Franck oder Dvořák zurückblicken konnte. Zur Uraufführung gelangte Bartóks Klavierquintett am 21. November 1904 in Wien durch das von Carl Prill (1864-1931) angeführte Prill-Quartett mit dem Komponisten am Klavier. Daraufhin reichte Bartók das Quintett zusammen zusammen mit seiner frisch fertiggestellten Rhapsodie op. 1 für Klavier und Orchester (zu jenem Zeitpunkt noch als ‚Concertstück’ bezeichnet) beim Anton Rubinstein-Wettbewerb in Paris ein, wo er außerdem als Pianist teilnahm. In letzterer Funktion erhielt er den zweiten Preis hinter Wilhelm Backhaus (1884-1969), dem er große Wertschätzung entgegen brachte; doch war für ihn das Abschneiden seiner Kompositionen besonders enttäuschend: Das Quintett wurde als zu schwer für die Einstudierung im Vorfeld abgelehnt, worauf Bartók seine Violinsonate in e-moll von 1903 nachreichte, die er dann mit Lev Zeitlin (1884-1930) vortrug; und die Rhapsodie, die er mit dem Lamoureux-Orchester unter Camille Chevillard (1859-1923) vortrug, ging auch leer aus, denn es wurde gar kein Kompositionspreis vergeben, und tatsächlich schnitt hier am besten der Italiener Attilio Brugnoli (1880-1937) ab, dessen Kompositionen Bartók in einem Brief an seine Mutter empört als „absolut wertlose Konglomerate“ beschrieb: „Es ist ziemlich skandalös, dass die Jury nicht erkannte, um wie viel besser meine Werke sind.“

Obwohl Bartók nach eigenem Bekunden in seinem Klavierquintett noch nicht zu seinem Stil gefunden hatte, lag ihm doch nach wie vor viel an diesem Werk, es wurde auch 1910 noch gespielt, und 1920 unterzog er es einer Revision und führte es am 7. Januar 1921 in Budapest zum bereits dritten Mal mit dem von Imre Waldbauer (1892-1952) angeführten Waldbauer-Kerpely-Quartett wieder auf, war dann jedoch gekränkt und wütend , als es vom Publikum mehr geschätzt wurde als seine spätere, für ihn aktuelle Musik. Es wird vermutet, dass dies der ausschlaggebende Grund dafür war, dass er das Klavierquintett ganz zurückzog und nicht mehr erwähnte, und lange Zeit glaubten die Experten aufgrund entsprechender Äußerungen von Zoltán Kodály (1882-1967) und seiner damaligen Ehefrau Márta Ziegler (1893-1967), er habe die Noten vernichtet. Doch 1963 entdeckte der führende Bartók-Forscher Denijs Dille (1904-2005) die Partitur und Stimmen der revidierten Fassung des Klavierquintetts im ungarischen Nachlass Bartóks und bereitete die von ihm an einer Stelle (einige Takte, wo nun die linke Hand in tieferer Oktavlage die rechte Hand verdoppelt) mit Einverständnis Zoltán Kodálys ergänzte Erstausgabe vor, die 1970 bei Editio Musica Budapest im Druck erschien. 1973 erklang Bartóks Klavierquintett erstmals wieder in der Öffentlichkeit, in New York und Washington, und erntete bei der Kritik harsche Ablehnung. Die alten Vorurteile erwiesen sich als hartnäckig, wenn auch in keiner Weise ernstzunehmend begründet. Vorliegende Ausgabe ist ein unveränderter Nachdruck von Dilles Erstausgabe.

Christoph Schlüren, Juni 2016

Partitur Nr.

1860

Edition

Repertoire Explorer

Format

225 x 320 mm

Anmerkungen

Set Score & Parts

Druck

Reprint

Seiten

206