Weber, Carl Maria von 

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Weber, Carl Maria von 

Abu Hassan

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Carl Maria von Weber

ABU HASSAN

(geboren am 18. November 1786 in Eutin, gestorben am 5. Juni 1826 in London)

Komische Oper in einem Akt von Franz Carl Hiemer. Musik von
Carl Maria von Weber (Jähns 106, “Weber’s 7tes dramatisches Werk”)

UMFELD UND ENTSTEHUNG

Das kurze Leben Carl Maria von Webers ist vom Theater geprägt, mit allen
guten und schlechten Seiten, die dazu gehören. Bedingt durch den Beruf des
Vaters war an eine kontinuierliche musikalische Ausbildung nicht zu denken,
zu seinen Lehrern zählen sowohl Michael Haydn als auch Georg Joseph (Abt) Vogler.
Oper muss nicht immer langatmig und schwer sein. Autobiographische Züge und
Musik, die dem Zeitgeschmack entspricht, können für ein kurzweiliges
Vergnügen sorgen. Die Idee zu einer als Oper verkleideten Schuldnergeschichte
muss in ihm schon 1810, nach seiner Ausweisung aus
Stuttgart, geschlummert haben. Durch die Zusammenarbeit mit dem
Theaterdichter Franz Carl Hiemer, der die Textvorlage mitbringt, nimmt die
Idee konkrete Gestalt an. Über die Atmosphäre, in der die Oper entstanden
sein muss, schreibt Max Maria von Weber später in seinen Erinnerungen:
“Eine lustige Apotheose des Polterns dringender Gläubiger und des
Nothschreis geplagter Schuldner, das Produkt einer Periode in Stuttgart, wo
es dem Dichter des Textes und dem Komponisten, die den Stoff
gemeinschaftlich wählten, nur allzu nahe lag, Situation und Personen nach
dem Leben zu zeichnen”.
Ganz so schnell wie es scheint ist die Oper aber dennoch nicht fertig
geworden. Ab August 1810 nimmt die musikalische Gestalt teils in Mannheim,
teils in Darmstadt (hier unter der Aufsicht seines Lehrers Abt Vogler)
erste Formen an. Die wesentlichen Musiknummern sind am 13. November 1810
vollendet, die Ouvertüre entsteht zwischen dem 9. und 11. Januar 1811. Am
14. Januar 1811 schickt Weber die Partitur an den Darmstädter Grossherzog
Ludwig I., der ihm ein paar Tage später ein fürstliches Honorar von 440
Gulden überweist, das höchstwahrscheinlich über die nicht gegebene
Aufführungsgarantie hinwegtrösten soll. Erst nach der Uraufführung am 4.
Juni 1811 im Münchner Hoftheater entstehen noch zwei Musiknummern: 1812 das
Duett Nr. 4 (fertig instrumentiert 1813) und 1823 die Arie Nr. 8. Die
Komposition, wie wir sie heute kennen, hat sich also über gut 12 Jahre
hingezogen.

ZUR OPER

Was hat dieses kurze Werk an Besonderheiten zu bieten? Einmal ist es das
erste Werk, in dem die Individualität des Opernkomponisten Weber stärker
hervortritt als die Gattungszugehörigkeit, und daher trotz inhaltlicher
Verschiedenheit der erste wahre Vorläufer des “Freischütz”. Zum anderen
haben wir ja hier die Verknüpfung von autobiographischen Zügen und dem
beliebten Sujet der Türkenoper (zu nennen seien Mozarts “Entführung” und
instrumentenspezifische Effekte wie der Janitscharenzug am Klavier, eine
Zimbeln- und Schellenkonstruktion, die türkische Klangvorstellungen
vermitteln sollte). All dies ist eingebettet in romantische
Märchenvorstellungen. Die Märchen aus 1001 Nacht, aus denen Hiemer seinen
Text verfasste, waren gerade knapp 100 Jahre vorher publiziert worden.
Dazu kommt Webers spritzige und wendige Musik, die durch entsprechende
Instrumentierung ein perfektes Stimmungsbild ergibt. Alles Langatmige (da
capo-Arien etc.) wird vermieden, kontrastreiche Besetzungen (Begleitung
einer Romanze mit Fagott und zwei Gitarren <!> hier und der voll
instrumentierte Gläubigerchor dort), ebenso wichtige und gewichtige Dialoge
lassen die (je nach Inszenierung) 45 bis 55 Minuten Spieldauer wie im Fluge
vergehen. Eine zeitgenössische Kritik meint, dass “die Musik selbst ohne
Spiel und Worte den Gang der Handlung ausdrücken” würde.

WIRKUNG

Das Werk hat zu Webers Lebzeiten eine Reihe von Aufführungen erlebt. Die
Solisten der Uraufführung waren Josefa Flerx (Fatime), Georg Mittermayr
(Hassan) und Alois Muck (Omar). Neben verschiedenen Bühnen in Deutschland
erklang die Oper zu Webers Lebzeiten in Wien, Prag, Kopenhagen, Riga und
London. Später geriet das Werk ein wenig in Vergessenheit, da immer weniger
Bühnen bereit waren, Operneinakter mit kürzeren Schauspielen zu
kombinieren. Dank vermehrter Studioproduktionen in neuerer Zeit erfreut
sich Abu Hassan aber wieder stärkeren Zuspruchs. Bei der Beliebtheit der Oper
verwundert es ein wenig, dass sie druckausgabentechnisch eher stiefmütterlich behandelt wurde.
Ausser der Ouvertüre (in Partitur) und frühen Klavier- und Gitarrenauszügen hat es
im 19. Jahrhundert keine komplette und vollständige Partiturausgabe gegeben.

ZUR VORLIEGENDEN AUSGABE

Da die Herausgabe im Rahmen der neuen Gesamtausgabe noch auf sich warten
lässt, ist die vorliegende Partitur die bislang einzige Ausgabe, dazu noch
eine echte bibliophile Rarität, die das Ausgraben allemal gelohnt hat. 1925
bei Seibold/Dohany in Offenbach gedruckt, ist sie als Lithographie der
Handschrift des Herausgebers Willy-Werner Göttig publiziert, der sich die
Mühe gemacht hat, aus den handschriftlichen Vorlagen eine nachvollziehbare
Ausgabe zu erstellen. Handschriftliches aber lesbares Notenbild, liebevoll
aufgemachte Titelei im Jugedstilambiente und die Frakturschrift des
Vorworts stehen für eine Zeit, die so nie wiederkehren wird.

ZUR HANDLUNG

Abu Hassan sucht mit seiner Frau Fatime nach Auswegen aus permanenten
finanziellen Schwierigkeiten und kommt auf die Idee, sich gegenseitig tot
zu stellen, um dadurch Kalif Harun und dessen Frau Zobeide um 200 Denare zu
erleichtern. Omar, der Gläubiger des Ehepaars, stellt Fatime schon länger
nach und wird, als er den scheinbar toten Hassan sieht, erst einmal
beschwichtigt. Während Hassan nun zum Kalifen eilt, wird Fatime von Omar
überrascht und heuchelt ihm Zuneigung vor, worauf Omar seine Schuldscheine
zerreisst. Da beide Hassan zurückkommen hören, wird Omar im Kabinett
eingeschlossen. Hassan spielt den Eifersüchtigen und fordert den Schlüssel
zum Kabinett, Omar fürchtet um seine Entdeckung. Bevor Hassan eindringen
kann, naht ein Bote Haruns, um sich vom Tod Fatimes zu überzeugen. Fatime
spielt sofort die Tote. Der Bote kehrt zumKalifen zurück, um ihm den Gewinn
seiner Wette mitzuteilen. Gleich anschliessend kommt Zobeides Dienerin und
erfährt von Fatime, dass Hassan tot sei. Aus der Ferne hört man Harun nebst
Gefolge, und nun stellen sich Hassan und Fatime tot. Harun sieht beide und
die zerrissenen Schuldscheine und setzt 1000 Goldstücke dem aus, der ihm
sagt, welcher von beiden zuerst tot war. Bei dieser Summe erhebt sch Hassan
und erbittet vom erstaunten Harun das Geld und um Gnade für sich und
Fatime. Harun verzeiht, und am Ende der Oper steht der Preis der Güte des
Herrscherpaars.

PERSONEN

Kalif Harun al Raschid (Sprechrolle)
Zobeide, seine Frau (Sprechrolle)
Abu Hassan, Liebling des Kalifen (Tenor-buffo)
Fatime, seine Gemahlin (Sopran)
Mesrur, Wesir des Kalifen (Sprechrolle)
Zemrud, Zobeidens Zofe (Sprechrolle)
Omar, ein Wechsler (Bass-buffo)

Gläubiger Abu Hassans / Gefolge des Kalifenpaars

Die vorliegende Studienpartitur ist eine verkleinerte Wiedergabe der
Ausgabe Offenbach: Seibold/Dohany, 1925. Als Vorlage diente ein Exemplar
aus der Stadtbibliothek, München.

Das Aufführungsmaterial ist leihweise vom Verlag Lienau, Frankfurt/Main, zu beziehen.

Aufführungsdauer: 45-55 Minuten

Peter Gnoss

Aufführungsmaterial: Lienau, Frankfurt

Score No.

10

Edition

Opera Explorer

Size

160 x 240 mm

Printing

Reprint

Genre

Opera

Pages

132