Cherubini, Luigi

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Cherubini, Luigi

Démophon Overture

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Luigi Cherubini

Démophon Ouvertüre (1788)

(geb. Florenz, 14. September 1760 – gest. Paris, 15. März 1842)

Vorwort

Luigi Carlo Zanobi Salvadore Maria Cherubini wurde 1760 in Florenz geboren. Seiner Familie entstammen mehrere Musiker, sein Vater war Maestro al cembalo am Teatro alla Pergalo. So wundert es nicht, dass sich Luigi schon früh der Musik zuwandte und er von seinem Vater darin unterrichtet wurde. Im Alter von 9 Jahren studierte er bei Bartolomeo Felici (1695-1776) Kontrapunkt, und mit 13 Jahren komponierte er bereits seine erste große vierstimmige Messe. Er hatte das Glück, dass der Großherzog von Toskana ihm ein Stipendium gewährte, das ihm ermöglichte, bei Guiseppe Sarti (1729-1802) in Bologna und später in Mailand weiter zu studieren. Schon in dieser Zeit wurden in Italien regelmäßig Werke Cherubinis aufgeführt. Er komponierte vor allem Kirchenmusik, und bis 1778 lagen schon 36 Kompositionen vor. Mit „Quinto Fabio“ entstand 1780 seine erste Oper. Nach einer Station in London von 1784/85 liess er sich auf Drängen Viottis (1755-1824) in Paris nieder, wo er 1794 Lehrer am Institut National de Musique (dem späteren Conservatoire) wurde und eine Vielzahl von Opern schuf. Während der Regentschaft Napoleons trat Cherubini von seinen öffentlichen Ämtern zurück, da dieser keinen Gefallen an seiner Musik fand: „Mein lieber Cherubini, Sie sind sicherlich ein ausgezeichneter Musiker, aber Ihre Musik ist so lärmend und kompliziert, dass ich ni

chts damit machen kann“. Cherubini konterte: „Mein lieber General, sie sind sicherlich ein ausgezeichneter Soldat, aber was die Musik betrifft, bitte ich mich zu entschuldigen, wenn ich es nicht für nötig erachte, meine Kompositionen Ihrem Verständnis anzupassen“. Das Verhältnis besserte sich etwas im Jahre 1805, als Cherubini nach Wien eingeladen wurde, um eine neue Oper („Faniska“) zu komponieren. Auch Napoleon besuchte Wien und forderte Cherubini auf, im Schloss Schönbrunn (Napoleons neuer Residenz) zu dirigieren und ernannte ihn zum Meister der Wiener Hofkonzerte. Nun zeigte Napoleon seine Wertschätzung und bat Cherubini nach Paris zurückzukehren. Zurück in Paris verschlechterte sich das Verhältnis der beiden allerdings wieder so stark, dass Cherubini alle musikalischen Tätigkeiten aufgab, nach Belgien zog und sich botanischen Studien und der Malerei widmete.

Mit Napoleons Abdankung 1814 änderte sich Cherubinis Leben schlagartig. Der neue König Ludwig XVIII ernannte ihn zum Ritter der Ehrenlegion, und nachdem das Pariser Conservatoire 1816 wiedereröffnet wurde, nahm Cherubini dort eine Stelle als Kompositionsprofessor an. Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Fétis (1784-1871) und Berlioz (1803-1869). 1821 wurde er Direktor des Conservatoire. Schließlich komponierte er nur wenig und widmete sich vor allem seiner Lehrtätigkeit. Cherubini starb 1842 in Paris.

Zu Lebzeiten war Cherubini hoch angesehen und wurde mit Mozart (1756-1791) und Haydn (1732-1809) verglichen. Von Beethoven wissen wir, dass er Cherubini sehr schätzte, insbesondere sein Requiem in c-moll. Auf die Frage, wer der größte lebende Komponist, ausgenommen er selbst, sei, antwortete Beethoven 1817: „Cherubini“. Gemeinsam mit diesen Komponisten hat Cherubini einen sicheren Umgang mit der Form, die melodische Erfindungsgabe und ein starkes Interesse für den polyphonen Stil der alten Meister. Neben der Kirchenmusik sind es vor allem seine Ouvertüren, die sich im Repertoire halten konnten. Diese Ouvertüren zeigen Geschick für die Instrumentation und deren ökonomische Anwendung. In ihnen gelingt es ihm, in wenigen Takten die Grundstimmung der Oper einzufangen. Cherubinis Musik steht auf der Schwelle zwischen der Klassik und der Romantik.

Auch die folgende Komponistengeneration wie z.B. von Weber (1786-1826) („Einer der wenigen Kunstheroen unserer Zeit, der, als klassischer Meister und Schöpfer neuer, eigener Bahnen, ewig in der Geschichte der Kunst hell erglänzen wird“) verehrten ihn. Seine Werke gerieten allerdings immer mehr ins Abseits, so dass Richard Wagner (1813-1883) sich bereits 1841 erschüttert darüber äußert, dass in Paris kein Werk Cherubinis mehr aufgeführt wird.

***

Nach seinen Aufenthalten in London und Turin reiste Cherubini 1788 nach Paris. Durch den starken Einfluss seines Freundes, dem Komponisten und Geiger Giovanni Battista Viotti, hoffte er an der Pariser Oper erfolgreich zu sein. Kurzfristig erhielt er von Jean-François Marmontel das von ihm verfasste Libretto zu „Démophon“ nach Pietro Metastasio. Marmontel wandte sich ursprünglich an den deutschen Komponisten Johann Christian Vogel, da dieser zögerte übergab er das Libretto schließlich Cherubini. Das Debut in Paris war leider für Cherubini kein Erfolg, die Oper wurde am 2. Dezember 1788 uraufgeführt und bereits nach wenigen Aufführungen wieder abgesetzt.

Die Ouvertüre beweist die Meisterschaft des 28 jährigen Komponisten. Das Modell seiner Ouvertüren mit einer langsamen Einleitung und einem Allegro in Form eines Sonatensatz mit kontrastierenden Themen, einer ausgearbeiteten Durchführung und tonalen Spannungen ist hier bereits ausgeprägt. Die Ouvertüre beginnt in c-Moll und wendet sich allmählich zum strahlenden C-Dur. Obwohl Cherubini in seinen späteren Ouvertüren die Orchesterbesetzung erweiterte erreicht er in der „Démophon“ Ouvertüre bereits starke dramatische Wirkungen. Das Beethoven die Musik Cherubinis so schätze, lässt sich bereits an dieser Ouvertüre nachvollziehen.

Aufführungsdauer ca. 7 Minuten

Marcus Prieser, 2013

Aufführungsmaterial ist von  Schott, Mainz.  zu beziehen.


Luigi Cherubini

(born Florence 14th September 1760 – died Paris, 15 March 1842)

Démophon Overture (1788)

Preface

Luigi Carlo Zanobi Salvadore Maria Cherubini was born in Florence in 1760. There were several musicians in his family, his father was Maestro al cembalo at the Teatro alla Pergalo. So it is not surprising that at an early age Luigi turned to music and that he was taught by his father. At the age of nine, he studied counterpoint under Bartolomeo Felici (1695-1776) and at thirteen he had already composed his first large mass for four voices. He was lucky in that the Grand Duke of Tuscany gave him a bursary that enabled him to study under Guiseppe Sarti (1729-1802) in Bologna and later in Milan. At this time works of Cherubini were already regularly performed in Italy. He mainly composed church music and by 1778 there were already 36 compositions. In 1780, his first opera “Quinto Fabio” appeared. After a period in London in 1784/1785, he settled in Paris after persuasion by Viottis (1755-1824), where he became a teacher at the National Institute of Music (later the Conservatoire) in 1794 and wrote a number of operas. During the regency of Napoleon Cherubini resigned from his official posts, as Napoleon did not appreciate his music: ”My dear Cherubini, You are certainly an excellent musician, but Your music is so loud and complicated, that I can not do anything with it.” Cherubini countered: “My dear General, You are certainly an excellent soldier, but as far as music is concerned, I beg to be excused when I do not consider it necessary to adapt my compositions to Your understanding.” The relationship improved somewhat in 1805, as Cherubini was invited to Vienna, in order to compose a new opera (“Faniska”). Napoleon also visited Vienna and requested Cherubini to direct in Schloss Schönbrunn (Napoleon’s new residence) and appointed him Master of the Vienna Court Concerts. Napoleon now showed his appreciation and asked Cherubini to return to Paris. Back in Paris, their relationship deteriorated again to such an extent that Cherubini gave up all musical activities, moved to Belgium and devoted himself to botanical studies and painting.

After Napoleon’s abdication in1814, Cherubini’s life suddenly changed. The new king, Ludwig XVIII, nominated him Knight of the Legion of Honour. After the Paris Conservatoire was reopened in 1816, Cherubini accepted a post of professor of composition there. His pupils included, amongst others, Fétis (1784-1871) and Berlioz (1803-1869). In 1821 he became director of the Conservatoire. He subsequently composed little and concentrated on his teaching. Cherubini died in Paris in 1842.

During his lifetime Cherubini was highly respected and compared with Mozart (1756-1791) and Haydn (1732-1809). We know that Beethoven very much appreciated Cherubini, particularly his Requiem in c-minor. When asked, whom he considered the greatest living composer, apart from himself, Beethoven replied in 1817: “Cherubini”. In common with these composers Cherubini has his sure grasp of the structure, his gift for melody, and his strong interest in the polyphonic style of the old masters. In addition to his church music it is mainly his overtures that have remained in the repertoire. These overtures show skill in the instrumentation and its economic use. In these he is able, within a few bars, to catch the essence of the opera. Cherubini’s music exists on the threshold between classic and romantic.

Also the subsequent generation of composers such as von Weber (1786-1826) (“One of the few heroes of art in our time, who, as a classical master and creator of new, individual paths, will eternally shine brightly in the history of art”) honoured him. However his works became increasingly marginalized, so that R. Wagner (1813-1883) was in 1841 horrified to determine that in Paris works of Cherubini were no longer performed.

***

In 1788, following his stays in London and Turin, Cherubini traveled to Paris, where he hoped that the influence of his friend, the composer and violinist Giovanni Battista Viotti, would help him succeed at the Opéra. On short notice he received, from the author himself, Jean-François Marmontel’s libretto Démophon after Pietro Metastasio. Marmontel had originally turned to the German composer Johann Christian Vogel, but as the latter vacillated, he ultimately handed the libretto to Cherubini. Sadly, Cherubini’s Paris début was not a success; the opera was premièred on 2 December 1788 only to be dropped from the repertoire after a few performances.

The Overture to “Démophon” demonstrates the mastery of the then twenty-eight-year-old composer. It already reveals the pattern of his overtures: a slow introduction, an allegro movement in sonata form with contrasting themes, an elaborate development section, and tense key relations. The piece opens in C minor and gradually turns to a radiant C major. Although Cherubini would enlarge the orchestral forces in his later overtures, the Overture to “Démophon” already achieves sharp dramatic effects, making it fully comprehensible why Beethoven held Cherubini’s music in such high esteem.

Duration: ca. 7 mins.

Translation: John Conrad

For performance material please contact Schott, Mainz.

Score No.

1558

Edition

Repertoire Explorer

Genre

Overture

Pages

28

Size

210 x 297 mm

Printing

Reprint