Paisiello, Giovanni

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Paisiello, Giovanni

Il barbiere di Siviglia, ovvero La Precauzione inutile (Overture)

Art.-Nr.: 1645 Kategorie:

14,00 

Giovanni Paisiello
(geb. Tarent, 9. Mai 1740 in Tarent – gest. Neapel, 5. Juni 1816)

Il Barbiere di Siviglia
Ouvertüre

Vorwort
Giovanni Paisiello war einer der bekanntesten und beliebtesten Opernkomponisten des 18.Jahrhunderts, Napoleons Liebling, für den er später Messen, Krönungsmusik und Opern schuf. Insgesamt komponierte Paisiello über 80 Bühnenwerke, daunter Il barbiere di Siviglia ovvero la precauzione inutile, sein bis heute berühmtestes Bühnenwerk, komponiert im Jahre 1782 gegen Ende seines sechsjährigen Aufenthaltes in St. Petersburg. Es war der Erfolg dieses Werkes, der Mozart und Da Ponte nur vier Jahre später anregte, Le nozze di Figaro zu schreiben, eine Fortsetzung der Geschichte des Barbiere. Dem zeitgenössischen Publikum waren die Geschichten aus der berühmten Figaro-Trilogie vertraut, die Pierre-Augustin Beaumarchais im Jahre 1773 geschrieben hatte. Eine Erzählung, die sich um das Verhältnis von Dienern zu ihrer adligen Herrschaft rankt und mit Charakteren aus der commedia dell’arte besetzt ist. Le barbier de Séville ist die erste der drei Geschichten. Die ausserordentliche Beliebtheit von Paisiellos Oper legte nahe, dass sie dazu bestimmt sei, ein Klassiker zu werden, und selbst Rossinis Il barbiere di Siviglia, die dreissig Jahre später ihre Uraufführung erlebte, scheiterte, weil Paisiellos Fans Rossini nicht mochten, vom dem sie glaubten, er wolle die Oper verbessern. Heute jedoch überschattet Rossinis Komposition die von Paisiello wegen des romantischen Stils mit grösserem Orchester und ihren blumigen Melodien.

Das verspielte Werk erlebte seine Uraufführung im September 1782 am St. Petersburger Hof, wo Paisiello als Komponist im Dienste der Zarin Katherina II stand. Die positive Aufnahme von Beaumarchais’ Bühnenstücken über Figaro an Katharinas Hof waren der Auslöser für die Kompositionsidee. Das Libretto ist eine formal ungebundene italienische Adaption des französischen Stückes und folgt exakt der Reihenfolge des Ereignisse. Sogar die Struktur des Schauspiels wird übernommen, darunter die vieraktige Form statt der zwei oder drei Akte, die für die komischen Opern jener Zeit typisch waren. Die Widmung an Katherina im Manuskript besagt, dass Paisiello beabsichtige, die originale Geschichte zu erhalten, aber in so kurzer Form wie möglich, durften Opern am Hofe nicht länger dauern als anderthalb Stunden. Der Preis für die Einschränkung war eine unbalancierte Struktur in der Verteilung und den Typen der musikalischen Nummern. Der Hauptteil der musikalischen Beiträge fand in den ersten beiden Akten statt, und das Verhältnis von Arien zu Ensemblestücken (10 zu 8) bevorzugt das Ensemble in einer Weise, die ungewohnt war für Zeit und Genre. Auch gab es am Hofe von St. Petersburg keinen geeigneten Librettisten, der das Stück in eine für die Oper passendere Form bringen konnte. Eigentlich ist Giuseppe Petrosellini, der bereits vorher mit Paisiello zusammenarbeitet hatte, als Schöpfer des Librettos genannt; fraglich ist jedoch, ob er dieser ungewöhnlichen Form zugestimmt hätte. Trotz allem, Il barbiere war ein Hit, der sich schnell über ganz Europa verbreitete und in Neapel, Wien, Venedig, Amsterdam, London, Madrid und Versailles auf die Bühne gebracht wurde. Das Stück wurde ins Deutsche übersetzt, ebenso in Französische, wo gesprochene Dialoge die Rezitative aus Beaumarchais Original ersetzten. In Wien blieb die Oper für Jahrzehnte im Repertoire und erlebte zwischen 1783 und 1804 fast 100 Aufführungen, in Deutsch und Italienisch. Drei Monate erklang das Werk für die königliche Familie in Neapel, und König Ferdinand ernannte Paisiello zum compositore della musica de’ drammi (Komponist musikalischer Dramen), was seinen Aufenthalt in Russland beendete und ihn heim nach Neapel brachte.
Die Ouvertüre zu Paisiellos Il barbiere, eigentlich schlicht im Vergleich zu Rossini, ist ein aufregendes Beispiel für den Galanten Stil und ein Modell der Oper jener Zeit. Sie ist geschrieben für ein typisches Orchester aus dem 18. Jahrhundert: zwei Flöten, zwei Oboen, ein Fagott, zwei Hörner, Violine, Bratsche, Cello und Kontrabass. Ein kurzes, einaktiges Stück in binärer Form, hell und sprudelnd im Klang, das aus abwechslungsreichen Stakkato-Melodien besteht. Der Beginn der Ouvertüre baut Spannung auf, die tiefen Streicher spielen ein Ostinato-Pattern, über das die Violinen die Tonika in explosiven Ausbrüchen umschreiben. Das kurze Eröffnungsmotiv wird in den Violinen wiederholt, als das Orchester lauter wird: Graf Almaviva wartet darauf, Rosina auf ihrem Balkon zu Beginn der Oper zu erblicken. Dieses Motiv kehrt später in der Oper wieder, leicht angepasst, als sechstaktige Einleitung zu Figaros erster Arie “Scorsi già molti paesi”, die eine langsame Steigerung kreiert, während er all die Orte aufzählt, an denen er war, seit er aus dem Dienst des Grafen ausgeschieden ist. Das nächste Motiv in den Violinen bei Takt 16 ist ausladender und arbeitet mit starken Kontrasten zwischen Legato und Stakkato. Auch dieses Motiv ist später in der Oper wieder zu hören, während des Trios “Ma dov’eri tu stordito” im zweiten Akt, als zwei von Bartolos Dienern unkontrollierbar gähnen und niessen, nachdem Figaro sie unter Drogen gesetzt hat. Innerhalb der Ouvertüre verweist das Motiv auf die Situationskomik des folgenden Bühnenspektakels. Diese kurzen Motive geben der Ouvertüre eine Prise Drama und Aufregung und bereiten das Publikum auf einen Abend voller Gelächter vor.

Musikalisch interessant ist dieses Werk wegen seiner Dynamik und Rhythmik. Während der Ouvertüre wie auch während der gesamten Oper ist es der Rhythmus, mit dem Paisiello das Drama vorantreibt, häufig mit wiederholten Achtelnoten in den tiefen Streichern, während die höheren Stimmen kurze, verspielte Motive beisteuern. Punktierte Rhythmen gibt es zuhauf in der Ouvertüre, sie sind verantwortlich für die leichte und scherzhafte Atmosphäre. Im ganzen Werk verwendet der Komponist Dynamik in dramatischem Wechsel und zahlreiche Crescendi. Die Unvermittelheit des fortepiano (das fast jeden zweiten Takt ab Takt 16 erscheint), verstärkt Almavivas Erwartung, Rosina zu sehen.

Die Harmonik ist insgesamt einfach und gradlinig, eine Folge von Paisiellos kompositorischer Arbeit an einem Hof, der nicht italienisch sprach, und von Glucks Reformopern. Die Sprachbarriere machte ein Niveau an Einfachheit notwendig, damit die Erzählung verstanden werden konnte, aber es ist auch Glucks Reformen geschuldet, die den Fokus von der Oper zurück zum Drama verschoben. Musik wurde mit Text gleichgesetzt und war von ihm beeinflusst. Während ein grosser Teil der Musik der Oper in der Weise dem Text untergeordnet ist, wie es Gluck anstrebte, ernährt Paisiellos Gespür für Rhythmus und seine fröhliche Dynamik unablässig Drama und Komödie gleichermassen. Das autographe Manuskript des Werks befindet sich in der Biblioteca del Conservatorio di musica S.Pietro a Majella in Neapel.

Amanda Jacobsen, 2018

Aufführungsmaterial ist von Heugel, Paris, zu beziehen.

Partitur Nr.

1645

Edition

Repertoire Explorer

Genre

Ouverture

Seiten

24

Format

210 x 297 mm

Druck

Reprint