Liebermann, Rolf

Schule der Frauen (In 2 Bänden mit deutschem Libretto)

Art.-Nr.: 2060 Kategorie:

74,00 

Rolf Liebermann
(geb. Zürich, 14 September 1910 – d. Zürich, 2 January 1999)

Die Schule der Frauen
Opera buffa in drei Akten nach Molière

Vorwort
“Warum habe ich zu komponieren aufgehört? Das frage ich mich heute noch, und meine Antwort hat zweifellos etwas Unvollständiges, Anfechtbares: Ich bin eben, wie bereits gesagt, der Meinung, dass man nicht mehrere Sachen zugleich tun kann. Am Tag, als ich zu komponieren anfing, hab ich den Taktstock hingelegt, und von dem Tage an, da ich in die musikalische Administration ging, habe ich keine Note mehr geschrieben. […] Nach dem Beispiel Thomas Manns, der jeden Tag drei Stunden schrieb, nicht eine mehr, nicht eine weniger, komponierte ich täglich von vierzehn bis neunzehn Uhr. Von 1945 bis 1955 habe ich so an einem umwälzenden Abschnitt der zeitgenössischen Musikgeschichte teilgenommen – und zwar mit der Regelmäßigkeit eines Metronoms.”1

So beschrieb Rolf Liebermann – mit unangebrachter Bescheidenheit – seine Rückkehr von der zeitgenössischen Komponistenszene und den Anfang seiner glänzenden Karriere als Operndirektor, die ihn zu einer Schlüsselfigur der europäischen Opernwelt erheben sollte, ob in Hamburg (1959-73, 1985-88), wo er sage und schreibe 23 neue Opern uraufführen ließ, oder an der Pariser Opéra (1973-80), wo er die einzige Oper Olivier Messiaens Saint François d’Assise (1983) in Auftrag gab, die Vervollständigung von Alban Bergs fragmentarisch gebliebener Oper Lulu (1979) in die Wege leitete und eine der schönsten und gelungensten Opernverfilmung aller Zeiten – den Don Giovanni von Joseph Losey (1979) – als Produzent begleitete. Dennoch: Auch wenn das obige Zitat nicht in allen Punkten der Wahrheit entspricht (große Komponisten können sehr wohl mehrere Sachen zugleich tun – siehe Mahler –, und Liebermann hat nach 1955, obzwar ohne metronomische Regelmäßigkeit, auch weiterhin komponiert), haftet etwas Überraschendes, beinahe Rossini anmutendes an seiner freiwilligen Entscheidung, sich aus der ersten Reihe der deutschen Opernkomponisten zurückzuziehen und in die Randbereichen der musikalischen Administration zu begeben. Die drei Opernwerke aus seiner zentralen Schaffensperiode – die politisch skandalumwitterte Leonore 40/45 (1952), die mit Jazzklängen durchtränkte Penelope (1954) sowie die witzig-sprudelnde Schule der Frauen (1955, rev. 1957) – gehörten zu den angesehensten und meistaufgeführten musiktheatralischen Werken ihrer Zeit und ließen Liebermann neben Hans Werner Henze, Wolfgang Fortner, Boris Blacher, Giselher Klebe oder Gottfried von Einem zu den führenden Vertretern der deutschen Nachkriegsoper werden. Kaum auszumalen, wie seine bühnentheatralische Weiterentwicklung ausgesehen hätte, wenn er sich der Komposition mit vollem Herzen weiterhin gewidmet hätte.

Die Anfänge der ausdrücklich als „Opera buffa“ bezeichneten Schule der Frauen führen auf einem englischsprachigen Einakter mit dem Titel The School for Wives zurück, der vom ungemein aktiven, wenn auch geographisch entlegenen Zentrum der zeitgenössischen Musik in Louisville, Kentucky, in Auftrag gegeben wurde. Der Auftrag, der Liebermann völlig überraschte („Von Louisville wusste ich bis dahin nur, dass man dort Pferde züchtet“), wurde von einem einflussreichen Kunstmäzenen und Gründungsvater der Kentucky Opera initiiert: “Er hieß Moritz von Bomhard, war Deutsch-Amerikaner und verfügte dank der Rockefeller-Stiftung über Mittel, ein Jahrzehnt hindurch Opern von fast allen bekannten Komponisten zu bekommen. Der Vertrag enthielt zwei wichtige Klauseln: Das Libretto musste in englischer Sprache abgefasst sein, und die Dauer des Werkes durfte fünfundfünfzig Minuten nicht überschreiten – diese Grenze war von den Aufnahmemöglichkeiten für eine Columbia-Schallplatte vorgeschrieben.”

Mit Freude nahm Liebermann den unerwarteten Auftrag an und wandte sich erneut an seinen Librettisten Heinrich Strobel, der auch die Textbücher zu Leonore 40/45 und Penelope bereits verfasst hatte. Diesmal lautete der Plan ähnlich wie bei der Ariadne auf Naxos von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal (1912) – einer klassischen Komödie von Molière (der hinreißenden L’École des femmes aus dem Jahr 1662) ein modernes Gewand zu verleihen, indem die ursprüngliche Handlung mit einer musiksprachlich zeitgenössischen Vertonung und einer distanzierenden Bühnenadaption kontrapunktiert wird: “[I]n der Schule der Frauen versuchten wir, barocken Stil mit zeitgenössischer Handschrift zusammenzubringen. Ich setzte daher das Cembalo wie eine Art ironisches Gänsefüßchen in eine bitonale Partitur, und Strobel seinerseits ‘verfremdete’ die Komödie durch die Einführung eines Molière, der, fast wie eine Figur von Pirandello, beobachtet, wie die jungen Leute mit seinem Stück umgehen. Diese Rolle wurde sehr skurril und farbig von Walter Berry verkörpert, der nach und nach auch in jede der übrigen männlichen Personen schlüpft, von denen – eine weiterer Strobel-Einfall – immer eine abwesend ist.”

Am 3. Dezember 1955 erhielt diese einaktige englischsprachige Fassung in einer Übersetzung von Lady Elisabeth Montagu („eine[r] leibhaftige[n] Nachfahrin der Montecchi aus Romeo und Julia“ schreibt der stolze Komponist in seinen Memoiren) ihre ordnungsgemäße, wenn auch konzertante Uraufführung im Rahmen der vorgesehenen Konzertreihe in Louisville, Kentucky. Der einhellige Erfolg der neuen Oper in diesem eher abseits liegenden Provinznest ermutigte die Verfasser, im nächsten Jahr eine Aufführung an der New Yorker City Center Opera zu wagen. Die Erwartungen waren dementsprechend groß: “Unsere Kurzoper errang (1955) in Louisville großen Erfolg. Was die Aufführung in New York betrifft, so waren wir nach der Premiere so siegessicher, dass wir bis fünf Uhr feierten, um die Morgenblätter zu erwarten, in denen wir von der Kritik zweifellos in den Himmel gehoben werden würden. Und was lasen wir, als wir die New York Herald Tribune aufschlugen? Der Kritiker hatte ‘es genossen, nach dem Hören dieser Oper wieder der lieblichen Melodie einer Schreibmaschine zu lauschen’ … Die übrige Presse äußerte sich ähnlich. Glücklicherweise stand Die Schule der Frauen schon fest auf dem Programm der Salzburger Festspiele 1957.”

Trotz dieser Niederlage sah sich Liebermann nicht genötigt, die neue Oper grundlegend umzuarbeiten, und glaubte den Grund für die schlechten Kritiken eindeutig eher in der damaligen (und auch heutigen) kulturjournalistischen Gepflogenheiten der USA zu finden: “In New York war dagegen kein Kritiker bei der Generalprobe anwesend, keiner hatte Einblick in die Partitur genommen, keiner hatte sich mit den Textänderungen befasst, die Strobels Molière-Bearbeitung enthält. Als ich mein Erstaunen darüber äußerte, erwiderten die Journalisten, sie wollten, genau wie das übrige Publikum, ganz unvoreingenommen und ahnungslos zur Premiere kommen, damit die Frische des ersten Eindrucks durch nichts beeinträchtigt würde. Ihre Leser erwarteten kein tiefgründigen Erläuterungen, sie wollten nur wissen, ob die neue Oper gefallen habe oder nicht.”…

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Partitur Nr.

2060

Edition

Opera Explorer

Genre

Oper

Format

210 x 297 mm

Druck

Reprint

Seiten

494

Titel

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