Kelly, Frederick

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Kelly, Frederick

Elegy (in memoriam Rupert Brooke) for string orchestra & harp

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Kelly, Frederick

Elegy (in memoriam Rupert Brooke) for string orchestra & harp

Frederick Kelly war das siebente Kind (was den Name Septimus erklärt) und vierte Sohn von Thomas Hussey Kelly, einem wohlhabenden Geschäftsmann, der von Irland nach New South Wales ausgewandert war, wo er die in Australien geborene Mary Ann Dick heiratete und sich mit ihr in Sydney niederließ. Thomas Kelly wurde Direktor zahlreicher Finanzinstitute und Minengesellschaften und konnte es sich leisten, drei seiner Söhne im englischen Eton College erziehen zu lassen. Hier machten die Jungen einen Abschluss für die Oxford University, und Frederick besuchte das Balliol College.

 Fredericks Hauptinteressen waren offenbar das Klavierspiel (er sollte ein kompetenter Konzertpianist werden) und das Rudern. Als reguläres Mitglied der Mannschaft der Oxford University gehörte er dem angesehenen Leander Club an. Nicht zuletzt verdankte er es seinem Können als Ruderer, dass er schliesslich einer aus der siegreichen Crew im Männer – Achter bei den Olympischen in London 1908 wurde. Wahrscheinlich war Frederick Kelly der einzige Gewinner olympischen Goldes, der auch ein ernstzunehmender Bühnenmusiker und Komponist werden sollte.

 Mit 15 Jahren traf Kelly den französischen Pianisten Antoine-François Marmontel, einen Schüler Chopins, und kam unter dessen Einfluss. Es war Marmontel, der den Jungen davon überzeugte, eine Zukunft als Pianist zu haben, woraufhin sich Kelly nach seinem Abschluss in Oxford am Hoch‘schen Konservatorium in Frankfurt einschrieb, wo er bei Iwan Knorz (Komposition) und Ernst Engesser (Piano) studierte. Warum gerade Frankfurt die Stadt seiner Wahl war, ist unklar, aber er folgte mit seiner Entscheidung dem Beispiel eines früheren australischem Emigranten, Percy Grainier, ebenfalls ein ehemaliger Schüler von Knorz. Frederick hatte in Oxford Unterricht vom Gelehrten und Musiker Donald Tovey erhalten, dessen Einfluss den Entschluss beeinflusst haben mag, denn das Frankfurter Konservatorium war verbunden mit der „Schule“ von Schumann und Brahms, gegründet unter anderem von Clara Schumann. Tovey war ein ausgesprochener Brahmsianer.

 Als Bühnenmusiker gab Kelly Solokonzerte (darunter eines gemeinsam mit Maurice Ravel) und trat in Kammerkonzerten mit Pablo Casals und Nelly d‘Aranyia auf. Seine Tagebücher zeigen einen jungen edwardianischen Gentleman, der sich bei formellen Dinner – Einladungen und in den Clubs zu Hause fühlte, mit vielen weiblichen Bewunderern und behaglich im Umgang mit höheren sozialen Kreisen. So erstaunt es kaum, dass er mit einem anderen ansehnlichen, athletischen Gentleman zusammentraf und sich mit anfreundete, dem Dichter Rupert Brooke.

 Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieg 1914 waren Brooke und Kelly gute Kameraden und in einem Freundeskreis gemeinsam mit dem Komponisten W. Denis Browne und dem Sohn des Premierministers Arthur Asquith. Beide Männer meldeten sich freiwillig zur Marine und wurden in das Hood Battalion of Royal Naval Division aufgenommen (eine Art Reserve – Marine, die zwischendurch auch als Infanterie eingesetzt wurde). Sie schifften nach Gallipoli als Teilnehmer der Invasion in die Türkei ein. Die Tragödie ereignete sich unversehens und schnell, als Rupert Brooke an einer Blutvergiftung erkrankte, die von einem infizierten Moskitostich ausgelöst war. Die Infektion verschlechterte sich rapide, und Brooke starb am 23. April 1915. Es scheint, als hätte Kelly bereits mit den Skizzen zu seiner Elegy begonnen, als er neben dem sterbenden Brooke auf dem französischen Hospitalschiff saß. Ob sich dies tatsächlich so zutrug, wissen wir nicht genau, jedenfalls wurde der grösste Teil des Stücks in einem Krankenhaus in Alexandria geschrieben, wo Kelly sich von einer Verwundung erholte, die er bei Gallipoli erhalten hatte. Die Partitur ist datiert auf den 27. Juni, was wahrscheinlich das Datum der Vollendung des Werks ist. Obwohl die Komposition Brooke gewidmet ist – und im Wesentlichen dessen Begräbnis schildert – muss sich Kelly dessen bewusst gewesen sein, das auch W. Denis Brown bei Achi Baba am 4. Juni getötet wurde.

 Noch am Tag seines Todes wurde Rupert Brooke auf der griechischen Insel Skyros beigesetzt. Kelly erinnert sich daran in einem Brief an Ronald Tovey: „ … unverzüglich wurden Vorkehrungen getroffen, um ihn auf jener Insel zu begraben, die er so sehr liebte … es war ungefähr eine Meile Weg vom Ufer bis zu dem Wäldchen, es ging über schwieriges, steiniges Gelände … wir erreichten den Ort nachts um 22.45, wo im Licht eines bewölkten Halbmondes die Totenfeier gelesen wurde … eine ergreifende Erfahrung. Der wilde Salbei gab einen fast klassischen Ton von sich, der so sehr dem Dichter entsprach, den wir zu Grabe trugen, dass einigen von uns die christliche Zeremonie ganz unpassend erschien … der Leichnam schaut auf das Tal herab in Richtung des Hafens, und von hinten beugt sich ein Olivenbaum über das Grab, als wolle er es vor Sonne und Regen schützen. Für einen Poeten hätte kein passenderes Grab gefunden werden können als dieses Wäldchen, und fast scheint es, als hätten die Götter ihn uns weggeschnappt, um dieses duftende Eiland zu bereichern.“

 Später schrieb er: „Spätestens seit Brookes Tod hatte ich mit der Arbeit an einer Elegie für Streicher begonnen, deren Ideen gefärbt sind von der Umgebung seines Grabs und den Umständen seines Todes. Der modale Charakter der Musik ist von der griechischen Umgebung eingegeben wie auch von Ruperts Charakter, und in einigem Passagenwerk der Violinen spricht das Rascheln der Olivenbäume – der Zweige des Baums, die sich über das Grab wölben.“

 Kelly überlebte Gallipoli, wurde mit dem Distinguished Service Cross ausgezeichnet und zum Lt. Commander ernannt, aber starb in Frankreich, wo er in den letzten Gefechten an der Somme einen Anschlag auf ein Maschinengewehrnest leitete .

 Die Partitur der Elegy trägt die letzten Zeilen eines Epigramms des Kallimachos von Alexandria: „…aber sie leben, deine Nachtigallen, auf die Hades, der alles nimmt, seine Hand nicht legen wird.“ Der Dichter erinnert sich an seinen Freund, den Bruder – Poeten Heraklit, dessen Werke über dessen Tod hinaus für immer weiterleben.

 Die Elegy ist fast durchgängig in der dorischen Tonart gesetzt und erzeugt einen starken klassischen Ton, ähnlich dem des wilden Salbei. Sehr deutlich ist die Brise zu vernehmen, die durch die raschelnden Zweige des Olivenbaums hinter dem Grab weht. Kelly ergänzte noch kurz vor seinem Tod eine Harfenstimme. Ohne Zweifel war der Komponist mit Vaughan Williams’ Fantasia on a Theme of Thomas Tallis (1910) vertraut, aber es bleibt dennoch ein auffallend berührendes, eigenständiges Werk.

 Die Elegy wurde am 28, März 1916 an der Rugby School anlässlich eines Erinnerungskonzerts an Rupert Brooke uraufgeführt, es dirigierte Frank Bridge. Bridge wiederholte das Stück ein weiteres Mal in der Wigmore Hall am 2. Mai 1919 bei einem Konzert für den toten Kelly, und Donald Tovey leitete nochmals eine Aufführung in der Usher Hall, Edinburgh, am 19. Februar 1921.

 Es erscheint passend, nochmals Rupert Brooks Lieblingsgedicht zu zitieren, ein Sonett mit dem Titel The Soldier, das all jenen Soldaten gewidmet sein könnte, die in der Fremde sterben (man ergänze jedes Land nach Belieben):

If I should die, think only this of me:

That there’s some corner of a foreign field

That is for ever England. There shall be

In that rich earth a richer dust concealed;

A dust whom England bore, shaped, made aware,

Gave, once, her flowers to love, her ways to roam,

A body of England’s, breathing English air,

Washed by the rivers, blest by suns of home.

 

And think, this heart, all evil shed away,

A pulse in the eternal mind, no less

Gives somewhere back the thoughts by England given;

Her sights and sounds; dreams happy as her day;

And laughter, learnt of friends; and gentleness,

In hearts at peace, under an English heaven.

Rupert Brooke, 1887 – 1915

Phillip Brookes, 2014

 

Partitur Nr.

1517

Sonderedition

The Phillip Brookes Collection

Genre

Solo Instrument(e) & Orchester

Seiten

36

Format

210 x 297 mm

Aufführungsmaterial

vorhanden

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