Holst, Gustav

Alle

Holst, Gustav

A Moorside Suite, arranged for small orchestra by Phillip Brookes (first print)

20,00 

Gustav Holst

A Moorside Suite
arranged for small orchestra by Phillip Brookes

(geb. Cheltenham, 21. September 1874 – gest. London, 25. Mai 1934)

Scherzo p.1
Nocturne p.18
March p.29

1928 wurde Gustav Holst eingeladen, ein Pflichtstück für die National Brass Band Championships Crystal Palace zu schreiben. Blechblaskapellen waren damals sehr beliebt in den Zechen und Fabriken des industriellen Britanniens und hatten sich eine gut vernetzte Struktur geschaffen, inklusive einiger nationaler Wettbewerbe. Die Kapellen und die lokalen Chöre waren für viele Arbeiter der Industrieregionen – es waren hauptsächlich Männer – die einzige kulturelle Betätigung. Man spielte Kornet, Saxhörner verschiedener Grössen und Posaunen. Mit dem Aufkommen der Bandbewegung entwickelte sich eine neue und sehr spezielle Standardisierung der Musik für Kornett und Saxhörner, in der die Instrumente transponierend im Violinschlüssel geschrieben wurden – dass galt sogar für die Bass – Tuba! So war jeder, der eines der Instrumente zu spielen gelernt hatte, in der Lage, zu einem anderen Instrumententyp zu wechseln, ohne das er die Technik neu erlernen musste – ein entscheidender Faktor, um die personelle Kontinuität der Kapellen zu garantieren. Auf diese Weise wurde mancher Musiker belesener in der Musik, als er es in seiner eigenen Sprache war.

Die Kapellen wurden gewöhnlich von der jeweiligen Zeche oder Fabrik (die wahrscheinlich auch Eigentümer der Instrumente waren) bezuschusst und unterstützt, obwohl sich für einige auch die Gemeinden engagierten. Es überrascht nicht, dass gegen Ende des 19. Jahrhunderts der öffentliche Wettstreit in den Terminkalendern der Kapellen an oberster Stelle stand. Er wurde zum kulturellen Äquivalent des Fußballs.

Der schwache Punkt dieser musikalischen Bewegung war die Musik, die gespielt wurde. Hymnen, Märsche und tagesaktuelle Schlager (oft mit Solist) bildeten die Grundlage der öffentlichen Aufführungen, aber als die Konkurrenz zunahm, wuchs auch das Gefühl, dass die Auswahl aus Klassik und Transkriptionen von Opernstücken nicht mehr ausreichte.

Percy Flechter, ein anerkannter Komponist – wenn man ihn auch nicht gerade den „ernsten“ Komponisten zurechnete – hatte bereits im Jahre 1813 zugestimmt, ebenfalls ein Stück für den Wettbewerb zu schreiben (MPH score no. 1411). Aber keiner der Komponisten aus der „ersten Garde“ wurde bisher angefragt, für Blaskapelle zu schreiben. Holst jedoch freute sich sehr über die Einladung und wurde so der erste der anerkannten Komponisten, die für dieses Genre schrieben.

Die Suite besteht aus drei Sätzen, von denen ein jeder ein ausgesprochenes cantabile-Spiel verlangt. Die herrliche Nocturne erfordert vom gesamten Ensemble, langsame Blockakkorde über lange Strecken so leise wie möglich zu spielen (dieser Satz erinnert an Venus aus The Planets). Der abschliessende Marsch ist typisch für Holst‘s Stil, den er in seinen beiden zwei Suiten für Blaskapelle pflegte, aber Holst‘s grössere Reife zeigt sich in der Art, wie das breite Trio-Thema nie zu enden scheint – es wächst, als könne es ewig so weitergehen.
Holst verfasste einen Brief an den Herausgeber des The British Bandsman (das kommerzielle Magazin der Brass Band – Bewegung) im Anschluss an die Finalkonzerte des National Championship, bei dem am 29. September 1928 sein Komposition erklang. Er hatte den Crystal Palace besucht, 18 Aufführungen seines Werkes beigewohnt und schliesslich vernommen, wie die Mitglieder der Foden’s Motor Works Band den Gewinner verkündeten: „Ich danke Ihnen für Ihre Einladung, das diesjährige Stück zu schreiben. … es hat mir ausserordentliche Freude bereitet, und ich war sehr beeindruckt und erfreut über die Aufführungen …Letzten Samstag erlebte ich, wie Musiker von Muckern dirigiert werden … die vielleicht grösste Freude für mich aber war die rhythmische Flexibilität der besten Bands.“

Holst schrieb eine Fassung für Streicher, obwohl diese nie veröffentlicht wurde. Auch begann er mit den Satzarbeiten zu einer Fassung für Militärkapelle (vermutlich ein Begleiter seiner First Suite in Eb und der Second Suite in F of 1909 und 1911 (MPH scores 1153 and 1184, also 1421), aber er liess sie unvollendet. Gordon Jacobs verfasste auch ein Arrangement für grosses Orchester im Jahre 1952, aber ich habe mich für ein bescheideneres Ensemble entschieden:

2 Flöten (eine doppelt die Piccoloflöte)
Oboe
Englischhorn
2 Klarinetten in A
2 Fagotte
2 Hörner in F
2 Trompeten in Bb (eine doppelt das Flügelhorn)
Posaune
Bassposaune
Pauken
Perkussion
Streicher

Zur Perkussion gibt es etwas anzumerken. Lange Jahre war Perkussion bei der National Championships verboten, obwohl die Komponisten das Schlagwerk in ihren Werke einsetzten. Die veröffentlichte Blaskapellenpartitur von A Moorside Suite verzichtet in den ersten zwei Sätzen auf Perkussion und hat einen minimalen Part im dritten Satz. Aber es scheint, als haben Holsts ursprüngliche Gedanken nach mehr Perkussion verlangt (so ist es aus seinen ersten Skizzen zu entnehmen), und ich habe diese als Option verwendet, den dritten Satz bei Bedarf zu erweitern. Die Perkussionsstimme der Version von 1928 wird als Teil einer bald erscheinenden Ausgabe für Blaskapelle erhältlich sein und kann dann bei Interesse auch im Zusammenhang mit der vorliegenden Ausgabe eigesetzt werden. Die Paukenstimme stammt ausschliesslich von mir.

Ich habe das Stück in die Tonart transponiert, die Holst für seine Streichorchesterfassung verwendete.

Phillip Brookes, 2016

Aufführungsmaterial ist von Musikproduktion Höflich (www.musikmph.de), München, zu beziehen.

 

Partitur Nr.

1871

Sonderedition

The Phillip Brookes Collection

Genre

Orchester

Format

210 x 297 mm

Druck

Erstdruck

Seiten

60

Go to Top