Gourzi, Konstantia

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Gourzi, Konstantia

“Der Engel der Eewigkeit”. Seven Views – Hommage à Adolf Wölfli op. 71 for mixed choir (first print)

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Gourzi, Konstantia – “Der Engel der Eewigkeit”.  Sieben Blicke – Hommage à Adolf Wölfli op. 71 für gemischten Chor

(geb. in Athen/Griechenland, 31. März 1962)

Häufig findet man Konstantia Gourzis Namen als Komponistin und auch als Dirigentin in den Ankündigungen ihrer Konzerte. Konstantia Gourzis kompositorische Arbeit umfasst neben Opern, Filmmusik und Werken für Musiktheater und Orchester auch zahlreiche Solostücke und Kammermusik. Ihre Tätigkeit ist ausführlich durch Radio-Aufnahmen, Fernsehsendungen und Live-Streams dokumentiert. Aufnahmen ihrer umfassenden Diskografie erschienen bei ECM, NEOS, NAXOS und SONY Classical.

Anmerkungen der Komponistin

”Der Engel der Eewigkeit”
Sieben Blicke – Hommage à Adolf Wölfli
Für gemischten Chor

I. Ankunft
II. Begegnung
III. Ruf
IV. Gebet
V. Licht
VI. Ewigkeit
VII. Abschied

Texte

I. Kyrie eleison
II. Majestätischer Raum, grenzenlose Ewigkeit, allmächtige, allgewaltige, allbarmherzige, allgütige, allgerechte, allwissende, allwaltende Göttin, heilige Santa Maria
III. Maria
IV. Vokale
V. Licht
VI. Aeói-ü
VII. Geräusche des Ein- und Ausatmens

„Der Engel der Eewigkeit“ ist eine Hommage à Adolf Wölfli und seinem Leben als Maler, Autor und Musiker gewidmet. Es ist entstanden in der Auseinandersetzung mit seinen Bildern und seiner „inneren“ Welt, seinen Bildthemen, Farben und deren Kombinationen. Der Inhalt seiner Bilder verändert sich mit dem Abstand; von Weitem erscheinen sie als konkrete Bilder mit einem klaren Thema und aus der Nähe überraschen sie mit einer Miniaturwelt aus vielen kleinen Bildern. Diese Kunstform hat mich zu dieser Komposition inspiriert.

Das erste Bild, das mich inspirierte, habe ich im Kunstmuseum Bern gesehen: „Geographische Karte der beiden Fürstentümer Sonoritza und Willi=Wand=West“ von 1911. In Wölflis Schriften, die einen sehr ungewöhnlichen Lebenslauf dokumentieren, tritt auch eine religiöse Figur zutage – in seinen Bildern korrespondiert dies oft mit gemalten Kreuzen. Wölfli schreibt häufig über Maria, er „ruft“ die Götter. In seinem Hauptwerk “Funeral March” streut er immer wieder Gebete und Bibelzitate ein. Die Komposition greift dies auf und stellt damit eine große Nähe zu Wölflis Gedankenwelt her. In zwei der sieben Stücke benutze ich nur die Vokale – als eine Hommage an die Wortschöpfungen und Wortspiele Wölflis. So werden zum Beispiel die Vokale des Gebets „Vater unser“ vertont.
Die Komposition enthält in den Stücken II, III und V Texte aus seinen Schriften „Geografisches Heft Nummer 11 – Schriften 1912-1913“, die vertont wurden. In der Auseinandersetzung mit Wölflis Bildern und Schriften drängt sich mir der Gedanke eines „gefallenen“ Engels auf der Erde auf. Dieser Gedanke des „Engelsmenschen Wölfli“ findet Bestätigung in der immer wieder vorkommenden Formulierung „Der Engel der Eewigkeit“. Daraus ist auch der Titel der Komposition entstanden.

Musikalisch wollte ich sieben Stücke, sieben Miniaturen eines Augenblicks komponieren, die als klangliche Darstellungen dieser Momente dienen. Jedes Stück hat einen eigenen Charakter, aber alle zusammen befinden sich klanglich im gleichen Modus eines größeren Stückes. Es handelt sich auch um eine Intensität, die sich durch harmonische Spannungen in jedem Stück entfaltet.

Zu Beginn des ersten Stücks Ankunft wird das Kyrie Eleison gesungen. Die Musikelemente in diesem Stück erzeugen eine meditative Stimmung und gleichen dem Eintreten in einen neuen Raum, dessen Stimmung uns einnimmt. Das zweite Stück Begegnung beschreibt Wölflis Bewunderung von Maria. Die Tenöre und Baritone halten einen Unisono-Klang, der einem Orgel-Ostinato gleicht; die Spannung bleibt durchgehend von den beiden Gruppen gehalten. Die Soprane und Altos singen abwechselnd die jeweiligen Phrasen von Wölfli wie mit einer einzigen Stimme von Anfang bis zum Ende.
Das dritte Stück Ruf ist auf einer dynamischen, engen Harmonik aufgebaut und vermittelt die Intensität eines Rufes an Maria.
Das vierte Stück Gebet wird von den Solisten gesungen, während die Tutti-Stimmen einen Klangteppich erzeugen. Die Atmungen der Tutti-Gruppen sollten zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfinden, so dass der Klang durchgehend aktiv bleibt. Der originale Text ist das Gebet „Vater unser“, aber hier werden nur die Vokale des Gebets gesungen. Es soll die Hilflosigkeit eines Menschen zeigen, der ein Wort nicht vollständig aussprechen kann, so als ob er keine Stimme oder Zunge zum Sprechen hätte und dessen Inneres mit Gut und Böse kämpft. Der harmonische Modus erinnert ein wenig an Altgriechische Elemente.
Das fünfte Stück Licht vertont das Wort selbst und beschreibt klanglich die Erleuchtung, in dem z.B. die Harmonien intensiv und zusammenhängend eine Spannung durch die langen Takte aufbauen.
Das sechste Stück Ewigkeit wird bestimmt durch harmonische und musikalische Leichtigkeit. Die Gruppen singen wie in einem freien Kanon das Thema und der Dirigent entscheidet über den Zeitpunkt der Einsätze und über das Ende des Satzes. Wichtig ist dabei, den Puls durchzuhalten und die Harmonien zwischen den vier Gruppen zu verflechten. Das Thema ist so bearbeitet, dass immer wieder neue Klangzufälle erzeugt werden.
Das letzte Stück Abschied entsteht durch ein- und ausatmende Geräusche. Der rein gesangliche Teil ist vorbei und das Ende wird zum Anfang eines inneren, kraftvollen, aber ruhigen Abschieds.
Alle Miniaturen werden nacheinander gesungen und vom Dirigenten durch Spannungspausen verbunden. Das Stück soll der immer näheren Betrachtung eines Bildes von Adolf Wölfli ähneln, in deren Verlauf die Details zunehmend klarer werden. Es gleicht damit auch einem spirituellen Ritual.

„Der Engel der Eewigkeit“ als eine Hommage à Adolf Wölfli habe ich in meine Engel-Kompositionsreihe für verschiedene Besetzungen aufgenommen. Diese Komposition ist die sechste der Engel-Kompositionsreihe.

Konstantia Gourzi – Ein biographischer Essay > LESEN

 

 

2714

Gourzi Edition

A Cappella

225 x 320 mm

vorhanden

Erstdruck

32