Beethoven, Ludwig van / arr. Lachner, Vinzenz

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Beethoven, Ludwig van / arr. Lachner, Vinzenz

Piano Concerto No. 3 in C minor Op. 37 (arr. for piano & orchestra / new edition)

26,00 

Ludwig van Beethoven
(getauft Bonn, 17. Dezember 1770 – gest. Wien, 26. März 1827)

III. Klavierkonzert c-moll op. 37
(1800-03)

für Klavier und Streichorchester
(1881)

arrangiert von

Vinzenz Lachner
(geb. Rain am Lech, 19. Juli 1811 – gest. Karlsruhe, 22. Januar 1893)

 

I Allegro con brio (p. 1)
II Largo (p. 38)
III Rondo. Allegro (p. 51) – Presto (p. 79)

 

Vorwort
Ludwig van Beethoven hat sein Drittes Klavierkonzert in c-moll op. 37 1804 dem Prinzen Louis Ferdinand von Preußen (1772-1806) gewidmet, den Beethoven auch als Komponisten sehr schätzte, und von dessen Klavierspiel er sagte, der Prinz spiele „gar nicht königlich oder prinzlich, sondern wie ein tüchtiger Klavierspieler“. Die ersten Skizzen zum Werk datieren vom Juni 1796. Eine erste Fassung entstand vor April 1800. Weitere Überarbeitungen folgten 1802 und im April 1803. Zur Uraufführung gelangte das 3. Klavierkonzert am 5. April 1803 im Rahmen einer Akademie Beethovens in Wien im Saal des Theaters an der Wien. Der Komponist trat selbst als Solist auf und leitete außerdem auch die Uraufführungen seiner 2. Symphonie D-Dur op. 36 und seines Oratoriums ‚Christus am Ölberge’ op. 85. Er hatte zu diesem Zeitpunkt den Solopart des Konzerts noch nicht fertig ausgeschrieben. Erst im Juli 1804 stellte er diesen für eine Aufführung seines Schülers Ferdinand Ries (1784-1838) fertig. Im selben Jahr 1804 erschien der Erstdruck des Konzerts bei den Wiener Kunst- und Industrie-Comptoirs.

Das Arrangement Vinzenz Lachners für Klavier und Streichquartett zuzüglich Kontrabass bzw. Streichorchester erschien 1881 in Stuttgart bei J. G. Cotta im Druck, in einem Auszug für 2 Klaviere von Herausgeber Sigmund Lebert (1821-84) und Einzelstimmen der Streicher. Ein Exemplar des kompletten Stimmensatzes befindet sich im Archiv des Beethoven-Hauses in Bonn. Eine Partitur von Lachners Streicherfassung des Opus 37 wurde nicht gedruckt. Da diese Fassung mittlerweile immer häufiger aufgeführt wird, indem sie ermöglicht, ein großes Beethoven’sches Konzert mit Streicherbegleitung alleine aufzuführen, hat sich das Fehlen einer Partitur als Manko herausgestellt. Die Dirigenten benutzten bisher zur Begleitung die Partitur von Beethovens Originalfassung mit Bläsern – ein provisorischer Umstand, dem mit dem hiermit vorgelegten, von Lucian Beschiu erstellten Erstdruck der Partitur nunmehr Abhilfe geschaffen ist.

Die vier Brüder Lachner, Söhne des Uhrmachers und Organisten Anton Lachner zu Rain am Lech, waren allesamt Komponisten. Der berühmteste unter ihnen ist Franz Lachner (1803-90), dessen Schaffen alle Gattungen umfasste und u. a. 8 Symphonien, 8 einst zum Teil sehr beliebte Orchestersuiten und eine Vielzahl von Kammermusik und Klavierwerken beinhaltet. Ignaz Lachner (1807-95) ist weit weniger bekannt geworden (gelegentlich werden noch Streichquartette von ihm gespielt), und der ältere Halbbruder Theodor Lachner (1795-1877) ist ohnehin völlig vergessen. Anders Vinzenz Lachner, der zwar im Schatten seines großen Bruders Franz stand, dessen Schaffen jedoch gebührende Anerkennung und von Johannes Brahms und Clara Schumann freundliche Würdigung erfuhr. Ab 1822 war Vinzenz Schüler am Augsburger Gymnasium, wo er aus unbekannten Gründen keinen Abschluss machte. 1830 vermittelte ihn sein Bruder Franz als Musiklehrer zum Grafen Mycielski zu Cosvitz in Posen (Poznan). 1834 folgte Vinzenz seinem Bruder Ignaz als Organist der Reformierten Kirche und Korrepetitor am Kärntnertortheater in Wien nach. Als 1836 Franz Lachner seine Stelle als Kapellmeister des Mannheimer Nationaltheaters aufgab, übernahm Vinzenz Lachner den Posten und bekleidete ihn mit ein paar Unterbrechungen bis zu seiner Frühpensionierung 1873. Zwischendurch war Vinzenz 1842 Dirigent der Deutschen Operngesellschaft in London und 1848 Musikdirektor in Frankfurt am Main. Ab 1873 war er in Karlsruhe zunächst als Privatlehrer, dann am Großherzoglich Badischen Konservatorium ebendort tätig. Zu seinen Schülern zählten in Mannheim der berühmte Wagner-Dirigent Hermann Levi (1839-1900) und in Karlsruhe der Klaviervirtuose Max von Pauer (1866-1945). Wie sein Bruder Franz war auch Vinzenz Lachner ein überzeugt konservativer Komponist, der den von Liszts Wirken ausgehenden Neuerungen der Neudeutschen Schule ablehnend gegenüber stand. Er komponierte überwiegend Vokalwerke, darunter viele Lieder, und hatte einen ausgezeichneten Ruf als Dirigent. Unter seinen Instrumentalkompositionen finden sich u. a. zwei Symphonien, mehrere Ouvertüren, eine Schauspielmusik zu Schillers ‚Turandot’, Klavierstücke, und Kammermusik unterschiedlicher Besetzung, darunter sein einst beliebtes Klavierquartett in g-moll op. 10.

Vinzenz Lachners Streicherfassung des Beethoven’schen c-moll-Konzerts ist eine solide, handwerklich einwandfreie Arbeit, die es versteht, die ursprünglichen Bläserstimmen elegant in den Streichersatz einzuweben. Es ist den ausführenden Dirigenten und Kammermusikern verpflichtend anzuraten, zuvor gründlich das Original Beethovens zu studieren, um sich sowohl hinsichtlich der tatsächlich erforderlichen dynamischen Kontraste als auch der vom Komponisten beabsichtigten Klangfarben eine authentische Orientierung anzueignen. Vinzenz Lachner empfiehlt den Pianisten, die Solokadenzen von Ignaz Moscheles (1794-1870), einem damals führenden, weltberühmten Klaviervirtuosen und durchaus bemerkenswerten, von Mendelssohn geschätzten Komponisten, zu spielen – eine Empfehlung, die sich mit Lachners eigener stilistischer Haltung als Komponist bestens verträgt, die auch heute noch als akzeptable Alternative gelten kann, wenngleich wir natürlich ausdrücklich empfehlen, im Kopfsatz auf die Originalkadenz Beethovens zurückzugreifen, oder, falls der Impuls, die Kenntnisse und die seltene Begabung dafür vorhanden sein sollten, die Solokadenzen zu improvisieren, wie es zu Beethovens Zeit Brauch war. Letztlich hängt die Entscheidung Beethoven versus Moscheles auch einfach davon ab, ob man das Werk makellos im ursprünglichen Stil Beethovens oder dem domestizierteren Geschmack der in die Jahre gekommenen romantischen Epoche entsprechend darbieten möchte.
Wir haben für diesen Erstdruck nicht die Artikulationsbezeichnungen übernommen, die sich in den gedruckten Stimmen von Lachners Bearbeitung fanden, sondern diese entsprechend der bei Bärenreiter erschienenen aktuellen Urtext-Ausgabe Norman Del Mars korrigiert.

Christoph Schlüren, Januar 2017.

Aufführungsmaterial ist von Musikproduktion Höflich (www.musikmph.de), München, zu beziehen.

Partitur Nr.

1967

Edition

Repertoire Explorer

Genre

Tasteninstrument & Orchester

Seiten

92

Format

210 x 297 mm

Aufführungsmaterial

vorhanden

Druck

Neudruck