Auber, Daniel Francois Esprit

Alle

Auber, Daniel Francois Esprit

Concerto for Solo Violin with Flute, two Oboes, two horns, two bassoons and strings

Art.-Nr.: 1861 Kategorie:

17,00 

Daniel-François-Esprit Auber

Konzert für Solo-Violine
mit Flöte, zwei Oboen, zwei Hörnern, zwei Fagotten und Streicher

(Caen, 28. Januar 1782- Paris, 12. Mai 1871)

Vorwort
Mit finanzieller Unterstützung der Work Projects Administration gab Sidney Beck 1938 eine Edition von Daniel-François-Esprit Aubers Violinkonzert heraus. Seine von der New York Public Library veröffentlichte Edition blieb bis heute die Hauptquelle für Studenten von Aubers frühen Arbeiten auf dem Feld der ernsten Komposition. Andere Werke – einschließlich einer jugendlichen Klaviersonate, einem Streichquartett, einem Trio für Klavier, Violine und Cello sowie einigen Cellokonzerten – sind entweder vergessen, verloren oder nur in fragmentarischer Form erhalten. Wann genau Auber sein Violinkonzert vollendete, ist unbekannt: Beck nennt 1805, während Herbert Schneider – der einen umfassenden Katalog über Aubers beträchtliches musikalisches Vermächtnis zusammenstellte – 1808 angibt. Jedenfalls geschah es in den frühen bis mittleren 1800er-Jahren, dass Auber sich der Bühne zuwandte und sich als Schöpfer von La muette de Portici (1828, auch als “Masaniello” oder “Masaniello, ou La muette de Portici” bekannt), La fiancée (1829), Fra Diavolo (1830) und Le domino noir (1837) beträchtlichen Wohlstand und Berühmtheit erwarb. Obgleich seine Opern heute aus dem Repertoire verschwunden sind, werden einige von Aubers dramatischen Ouvertüren einschließlich der von Le cheval de bronze (1835; revidiert 1857) und Les diamants de la couronne (1841) noch gelegentlich aufgeführt; ebenfalls, zumindest in Deutschland, das Vorspiel zu Fra Diavolo. Zwischen den späten 1820ern und den frühen 1870ern schuf Auber auch einige Stücke für Klavier und Orchester, eine Messe und eine Anzahl an kleineren geistlichen Werken.

1782 geboren, starb Auber 1871 in seinem neunundachtzigsten Lebensjahr. Im Kindesalter lernte er Klavier und Oboe und wurde ausserdem ein gewandter Sänger. Statt dem erfolgreichen Geschäft seines Vaters als Kunsthändler beizutreten, verbrachte Auber in den frühen 1800er-Jahren einige Zeit in England. Dort lernte er Englisch und” scheint in London durchaus erfolgreich gewesen zu sein als Komponist von Romanzen und Quartetten”, wie Schneider uns in Grove Music Online informiert. Vor über einem Jahrhundert schrieb der Musikwissenschaftler Charles Malherbe die lebenslange Selbstdisziplin und die Vorliebe für musikalische Tiefstapelei seinem Aufenthalt in England zu. 1806, im Alter von 24 Jahren, wurde er als Komponist der Société Académique des Enfants d’Apollon anerkannt: Eine beachtliche Ehre für einen Musiker, der zu dieser Zeit noch immer ein Amateur war.

Was Aubers Violinkonzert so außergewöhnlich macht, zumindest aus der Perspektive von Liebhabern der Musik des einundzwanzigsten Jahrhunderts, ist die fehlende Dramatik und die verhältnismäßig zahme Filigranarbeit. Anders als die brillanten und stärker besetzten Violinkonzerte seiner direkten Vorgänger und Zeitgenossen einschließlich Mozart und Beethoven ist Aubers Werk im Wesentlichen ein Quintett für Streicher mit eingeschobenen Passagen für eine kleine Gruppe an Blasinstrumenten. Von den 267 Takten des ersten Satzes nehmen weniger als 30 das gesamte Ensemble in Anspruch, welches aus einer einzelnen Flöte, zwei Oboen, zwei Fagotten, zwei Hörnern, der Solovioline, ersten und zweiten Violinen, Bratschen, Celli und Kontrabässen besteht. Größtenteils doppeln die Fagotte in diesem “Allegro ma non troppo” bezeichneten Satz die tiefen Streicher einschließlich der Violas, während sich die Oboen häufig mit den hohen Streichern zusammentun. Doch bietet Auber sogar in den Dopplungen ein gewisses Maß an instrumentalem Couleur. So erklingt die Soloflöte in den Takten 41ff zusammen mit den zweiten Violinen, während die Oboen die Solovioline und ersten Violinen doppeln. Später, in den Takten 57ff verstärkt die Flöte das Solo und die ersten Violinen, während die Oboen gemeinsam mit den Bratschen spielen.
Trotzdem unterbrechen selbst Aubers energischste Ensemblemomente diese zarten Texturen eher, als dass sie diese umwandeln oder entwickeln. Des weiteren spielt die Solovioline im Gegensatz zu der gebräuchlicheren Praxis des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts während des gesamten Satzes, wobei sie oft die ersten Violinen doppelt, als sei Aubers Konzert ein barockes Concerto Grosso. Wo die Solovioline im Vordergrund steht, wie in den Takten 71-157 und 169-270, verschwinden die Blasinstrumente, und wir hören eine Kammermusikkomposition, aufgeputzt und dennoch gezügelt. Virtuose Zurschaustellung beschränkt sich auf Skalen, Triller und seltenes Oktavenspiel (zum Beispiel in den Takten 134-136). Der Solist spielt selten Noten, welche höher sind als diejenigen, die Mozart der Königin der Nacht in seiner Zauberflöte zuschrieb.

Von den drei Sätzen des Konzerts sind wohl der zweite und dritte die gelungensten. Das “Andante” ist ein freundliches, ein wenig melancholisches Zwischenspiel mit einem leicht kontrapunktischen Spiel von den Fagotten in den Takten 38ff. Das anschließende “Presto” enthält rüstiges Ensemblespiel (wieder beinahe vollständig für Streicher); das Werk antizipiert einige lebhafte Passagen aus den komischen Opern des Komponisten. Es war dieses für Jacques-Féraol Mazas (1782-1849) geschriebene und nach Beck schon 1806 aufgeführte Konzert, das die Enfants d’Apollon dazu veranlasste, den Komponisten für eine Mitgliedschaft zu nominieren.

Auber begann ein Studium der Komposition bei Luigi Cherubini (1760-1842), der die beiden Jahrzehnte vor seinem Tod als Direktor am Pariser Konservatorium diente. Nach dem Tod seines Lehrers wurde Auber selbst Direktor. Obgleich sich einige seiner späten und seriöseren Opern im Bezug auf Dramatik und musikalischen Stil wesentlich von seinen früheren Komödien unterschieden – L’enfant prodigue (1850) beispielsweise – sank Aubers Reputation im folgenden Jahrhundert. Von Felix Mendelssohn und Robert Schumann als unbedeutender Komponist verachtet, wurde Auber von Richard Wagner für seinen Gebrauch von “Reminiszenzen” (Passagen, die Wagners späterer Leitmotivik ähneln) geehrt, die in Le muette de Portici durchgängig “ein Netzwerk an musikdramatischen Beziehungen schaffen, die durch Tonalitäts-Schemata unterstützt werden”, ebenso wie für seine “häufigen Wechsel zwischen gedrängten Szenen und intimeren Begegnungen zwischen einzelnen Individuen.”

Übersetzung: Oliver Fraenzke

Nachdruck eines Exemplars der Musikbibliothek der Münchner Stadtbibliothek, München.

 

 

 

Partitur Nr.

1861

Edition

Repertoire Explorer

Genre

Violine & Orchester

Format

210 x 297 mm

Druck

Reprint

Seiten

44

Go to Top